Late-Night-Show
Stephen Colbert wirft seinem Sender Zensur vor – und zeigt ein Interview trotzdem

Talk-Show-Host Stephen Colbert  steht grinsend auf einer Bühne
Da dürfte sich Talk-Show-Host Stephen Colbert ins Fäustchen lachen: Er trickste seinen Haussender aus (Archivbild)
© Chris Pizzello / AP / DPA
Late-Night-Host Stephen Colbert erhebt schwere Vorwürfe. CBS soll ihm untersagt haben, ein Interview auszustrahlen. Es ist ein weiteres düsteres Medienkapitel in den USA.

Stephen Colbert hat sich in seiner Sendung „The Late Show“ lautstark gegen die US-Medienaufsichtsbehörde aufgelehnt – und gegen seinen Haussender CBS.

Am Montag interviewte der Satiriker den demokratischen Abgeordneten James Talarico aus Texas. Talarico bewirbt sich in den Midterm-Wahlen für einen Sitz im Senat, und hat aussichtsreiche Chancen in dem eigentlich tiefroten Bundesstaat. Grund genug, ihn in eine reichweitenstarke Sendung einzuladen.

Nun erhebt der Moderator schwere Vorwürfe: CBS, der Sender, der „The Late Show“ zeigt, soll die Ausstrahlung des Interviews untersagt haben. „Die Anwälte unseres Senders haben uns in einem direkten Telefonat unmissverständlich mitgeteilt, dass wir ihn nicht in der Sendung haben dürfen“, so Colbert in seiner Sendung.

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte von Youtube integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.

„Dann wurde mir in etwas unklaren Worten mitgeteilt, dass ich ihn nicht nur nicht in der Sendung haben darf, sondern auch nicht erwähnen darf, dass ich ihn nicht in der Sendung habe.“ Deshalb spreche er nun darüber.

Die Hintergründe

Der Moderator begründet die Vorwürfe mit einer neuen Initiative der US-Medienaufsichtsbehörde FCC. Deren Chef Brendan Carr soll Ende Januar einen Brief geschrieben haben, in dem er darüber nachdenke, die sogenannte „Equal time rule“ auszuweiten.

Das ist eine Art Gleichbehandlungsregel für Radio und Fernsehen, die allerdings nicht für Kabelfernsehen oder Streaming gilt. Die jahrzehntealte Regel besagt, dass eine Sendung, in der während einer Wahl ein Kandidat auftritt, auch die Gegner dieses Kandidaten einladen muss. Das soll für eine demokratischere Informationsgrundlage sorgen.

Allerdings schuf der Kongress 1959 vier Ausnahmen, da die FCC damals befürchtete, dass die Regel es Nachrichtensendungen unmöglich machen würde, über Kandidaten zu berichten. Ausgenommen sind unter anderem Late-Night-Formate – wie das von Stephen Colbert.

Colbert hält seinem Sender nun vorauseilenden Gehorsam vor – denn der Brief sei bisher eben lediglich ein Brief, und keine gesetzliche Grundlage.

CBS wehrt sich gegen Vorwürfe von Stephen Colbert

Der Sender wehrt sich am Dienstag in einer Stellungnahme gegen die Zensur-Vorwürfe. CBS habe „rechtliche Hinweise“ gegeben, wonach die Ausstrahlung des Interviews das Unternehmen dazu verpflichten könnte, Talaricos Konkurrenten die gleiche Sendezeit einzuräumen. Das Interview  selbst habe CBS nicht verboten.

Die einzige demokratische Kommissarin in der FCC, Anna Gomez, nannte das Vorgehen ebenfalls Zensur. „Dies ist ein weiteres beunruhigendes Beispiel für die Kapitulation von Unternehmen angesichts der umfassenden Kampagne dieser Regierung zur Zensur und Kontrolle der Meinungsäußerung“, sagte Gomez in einer Erklärung. Die FCC habe „keine rechtmäßige Befugnis, Rundfunkveranstalter aus politischen Gründen unter Druck zu setzen”.

Donald Trump gegen die Late-Night-Shows – Klappe, die zehnte

Die FCC wird von Brendan Carr geführt, eingesetzt von US-Präsident Donald Trump. Eigentlich hat Carr einen administrativen Job. Doch unter der Trump-Präsidentschaft ist er dafür verantwortlich, die US-Sender auf Linie zu bringen.

Er sorgte dafür, dass Late-Night-Host Jimmy Kimmel kurzzeitig abgesetzt wurde. Er droht freien Sendern mit dem Entzug von Lizenzen, wenn sie unliebsame Berichterstattung senden. Er hetzt öffentlich gegen ihm lästige Journalisten. Ein Vorgehen, das im Land der freien Meinungsäußerung noch vor einem Jahr undenkbar gewesen wäre.

Auch Colberts Sendung könnte davon betroffen sein. CBS hatte im vergangenen Sommer angekündigt, dass „The Late Show with Stephen Colbert“ diesen Mai enden werde. Es handle sich um eine „rein finanzielle Entscheidung angesichts der harten Konkurrenz im Late-Night-TV“, hieß es damals. 

Da der für seinen bissigen Humor bekannte Colbert Trump stets scharf kritisiert, vermuten viele Branchenkenner aber, dass CBS aus Rücksicht auf diesen gehandelt habe. Trump hatte die Einstellung der Show gefeiert.

Das hält Colbert nicht davon ab, bis zum Einstellungsdatum am 21. Mai gewohnt bissig auszuteilen. Das Gespräch mit Talarico wurde im Anschluss einfach bei Youtube hochgeladen – eine Plattform, die nicht den Regeln der FCC unterliegt.

Quellen:  Stephen Colbert, Interview James Talarico, Axios, BBC, mit Nachrichtenagentur DPA

PRODUKTE & TIPPS