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Love From Hell: "Ewige Liebe? Nein, danke. Mir reichen ein paar gute Jahre."

Viele junge Leute quälen sich gar nicht mehr mit der Illusion von der ewigen Liebe. Die Aussicht auf ein paar schöne gemeinsame Jahre genügt ihnen völlig. Damit erledigt sich dann auch das "Problem" mit der Monogamie. Doch wo führt das hin?

Wenn die Gefühle schon woanders sind ....

Wenn die Gefühle schon woanders sind ....

Getty Images

Neulich hat mir ein Bekannter auf einer Party sein Leid geklagt. Er habe unlängst festgestellt, dass Monogamie nichts für ihn sei. Obwohl es mit seiner Freundin gut laufen würde, sehne er sich nach sexuellen Eskapaden mit anderen Leuten. Seine Neugier auf Neues sei mittlerweile größer als die Angst vor einer möglichen Trennung. "Was stimmt nicht mit mir?", fragte er mich. "Ich liebe meine Freundin doch ..."

Ich beruhigte ihn zunächst. Fast jeder Erwachsene in einer Langzeitbeziehung käme irgendwann an diesen Punkt. Vor allem, wenn er sich in erotischer Hinsicht noch nicht richtig ausgetobt habe oder es innerhalb der bestehenden Partnerschaft an Kreativität oder Mut mangele, Neues auszuprobieren. Die Frage sei nun, ob seine Freundin möglicherweise für eine offenen Beziehung zu haben sei oder wenigstens für gemeinsame Besuche einer dieser hippen Berliner Sex- und Fetischpartys, für die unsere Hauptstadt berühmt ist. 

Nichts ist für immer – heutzutage

Ein anderer Kumpel, Typ: durchgeknallter Künstler, mischte sich daraufhin ins Gespräch ein. "Sag mal wie oldschool seid ihr denn drauf?" Die meisten jüngeren Leute, so meinte er, würden gar nicht mehr darüber nachdenken, ob etwas für immer sei. "Den Stress tut sich doch keiner mehr freiwillig an. Wozu auch?" Der Trend gehe eindeutig dahin, dass man sich heute die Freiheit nehme, alles auf sich zukommen zu lassen. Ob eine Beziehung ein Jahr oder drei oder zehn Jahre halten würde – das sei total egal. Ein praktischer Nebeneffekt sei, dass man dann auch viel einfacher treu sein könne. "Sobald ich spüre, dass mich andere interessieren, beende ich die Sache lieber gleich." Innerhalb eines bestimmten Zeitraumes sei Monogamie für ihn damit logischerweise kein Problem.

Ich merkte daraufhin an, dass sich das ein bisschen nach Fast-Food-Liebe anhören würde. "Wenn ich mich verliebe, dann gebe ich erstmal alles dafür, dass die Beziehung möglichst lange hält. Es ist ja nun nicht so, als ob man an jeder Straßenecke jemanden finden würde, der zu einem passt." 

Mein Kumpel zuckte mit den Schultern. "Natürlich ist es ein großes Glück, wenn man jemanden findet, mit dem man weite Strecken seines Lebens verbringen möchte. Aber seit meiner Scheidung stresse ich mich nicht mehr mit Gedanken an eine gemeinsame Zukunft. Meine neue Freundin gefällt mir JETZT. Sie will Kinder, ich nicht. Na, und? Dann trennen wir uns eben rechtzeitig wieder. Ist doch kein Weltuntergang."

Ich überlege, ob mein Kumpel verlernt hat, sich fallen zu lassen oder Menschen zu vertrauen. Vielleicht bringt er aber auch einfach nur auf den Punkt, was sich sonst keiner traut, laut auszusprechen. Immerhin wird jede zweite Ehe geschieden und die Beziehungen der Menschen werden tatsächlich immer kürzer. Ein Blick nach Hollywood bestätigt das. Der Durchschnittspromi feiert mindestens drei pompöse Traumhochzeiten in seinem Leben. Es wird sich munter verlobt, entlobt, das Liebesleben in Reality-Soaps oder opulenten Fotostrecken für die Vogue vermarktet. Und danach folgt dann oft ein fieser Rosenkrieg (aktuell: Depp vs. Heard). Danach geht‘s wieder von vorne los.

Keine Generation für die Langstrecke

Aber warum schaffen es immer weniger Leute, länger "durchzuhalten"? Liegt es daran, dass wir in einer Zeit leben, in der alles auf Selbstoptimierung ausgelegt ist und Leistungsdruck an allen Fronten herrscht – auch im Schlafzimmer? "Viele trauen sich gar nicht mehr, eine stinknormale "08/15-Liebe" zu führen", glaubt mein Kumpel. "Dabei gibt es nichts Besseres! Einfach schön mittelmäßig vor sich hindümpeln, zufrieden sich und bloß nicht mit den ach so perfekten Traumpaaren auf Instagram, in der "Gala" oder im Bekanntenkreis vergleichen – sondern einfach chillen und den Moment genießen."

Gar nicht so dumm. Denn wie heißt es noch so schön? "Liebe vor Leuten hat nichts zu bedeuten."

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