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20. Januar 2010, 11:40 Uhr

"Avatar" fliegt in China aus vielen Kinos

Schenkt man dem Staat Glauben, so dürften die Chinesen das einzige Volk der Erde sein, das sich nicht für "Avatar" interessiert. Nur deshalb sei der Film aus vielen Kinos geflogen. Dabei identifizieren sich viele Chinesen mit den blauen Außerirdischen.

China, Avatar, Kino, James Cameron

"Avatar" ist auf dem Weg zum erfolgreichsten Film überhaupt - nur die Chinesen scheinen ihn nicht zu mögen...

In 106 Ländern der Erde ist "Avatar" das epochale Machwerk in 3D von James Cameron die Nummer eins der Kinocharts, er revolutioniert die gesamte Filmbranche und jagt Spitzenreiter "Titanic" in der Rangliste der erfolgreichsten Filme. Nur in China können die Menschen damit offenbar nichts anfangen, glaubt man der Verwaltung. Denn nach offizieller Darstellung ist mangelndes Interesse der Grund, dass der Film in dem riesigen Land nur noch eingeschränkt gezeigt wird. Es sei eine kommerzielle Entscheidung gewesen, da nicht mehr ausreichend viele Besucher die normale Leinwandversion hätten sehen wollen.

Der Hollywood-Streifen darf vom Wochenende an nicht mehr in der normalen Leinwandversion, sondern nur noch in privaten Kinos mit 3D-Technologie gezeigt werden. Beobachter Chinas sehen dagegen angesichts der jüngsten Zensuroffensiven einen anderen Hintergrund der Entscheidung, die am Dienstag bekannt wurde. Sie sehen einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Debatte über Zwangsräumungen in China und dem Science-Fiction-Film, der die gewaltsame Vertreibung eines Volkes aus seiner Heimat erzählt.

"Ich glaube, dass ist ein wohlgemeinter Witz von Internetnutzern", sagte ein Sprecher der Filmabteilung des staatlichen Verwaltung für Radio, Film und Fernsehen am Mittwoch. Regisseur James Cameron habe wohl keine Verbindung zu Chinas Abriss-Problematik herstellen wollen.

Der Film traf bei vielen Chinesen einen Nerv

Ob gewollt oder nicht - einige Medien in China sehen diesen Zusammenhang und schreiben auch darüber. Der Film hat bei vielen Chinesen einen Nerv getroffen, weil sich viele durch die Vertreibungsgeschichte der Na'vi an das Schicksal ihrer eigenen Familien erinnert fühlen, die zwangsweise ihre Häuser für neue Immobilienprojekte verlassen müssen. Bei Protestaktionen gegen Neubauten verwiesen Bewohner schon auf Spruchbändern auf "Avatar".

Die Propagandabehörden wollten "Avatar" vorzeitig auslaufen lassen, "weil er die Besucher an Zwangsumsiedlungen denken lässt und möglicherweise Gewalt auslösen könnte", schreibt die Hongkonger Zeitung "Apple Daily". Auch nehme der ausländische Film heimischen Produktionen die Einnahmen weg. "Avatar" wird von Samstag an durch den chinesischen Streifen "Konfuzius" ersetzt, mit dem traditionelle Werte des Philosophen propagiert werden sollen.

Die bekannte Kolumnistin Hung Huang beschrieb in der "China Daily", warum sich viele Chinesen mit dem Na'vi-Volk in dem Fantasie-Film identifizieren und sprach von einem "sozialen Phänomen". "All die zwangsweisen Umsiedlungen alter Nachbarschaften in China machen uns heute zu den einzigen Erdenbürgern, die wirklich das Leid der Na'vi nachempfinden können."

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ben/DPA
 
 
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