HOME

Actionspektakel "Machete" im Kino: Der hässlichste Revolverheld aller Zeiten

Das Handlungsprinzip des Actionspektakels "Machete" von Regisseur Robert Rodriguez ist einfach: Alle Latinos im texanischen Grenzgebiet gehören zu den Guten, der Rest besteht aus skrupellosen Schurken, die Einwanderer jagen oder ausbeuten. Die simple Story wird mit viel Blut, Trash und einer Starbesetzung angereichert.

In Mexiko legt sich der einzige integre Polizist mit einem Drogenboss an. Und schon in den ersten Minuten des Actionspektakels "Machete" rauchen die Colts, werden Köpfe abgeschlagen, Kugelhagel und Feuersbrünste überwunden, und Gedärme als Lianen gebraucht. Nachdem seine Familie grausam ermordet wurde, taucht Polizist Machete, nach seiner Lieblingswaffe benannt, als illegaler Tagelöhner im texanischen Grenzgebiet zu Mexiko unter.

Regisseur Robert Rodriguez macht keine Gefangenen in seinem Actionkracher, mit dem er sich erneut von jenen 70er-Jahre-Schundfilmen inspirieren lässt, die einst vorzugsweise in schmuddeligen Bahnhofskinos liefen. Schon 2007 verbrach der Filmfreak mit seinem beruflichen Ziehvater Quentin Tarantino ein "Grindhouse"-Doublefeature, zu dem Tarantino den Raser-Film " "Death Proof" und Rodriguez den Zombie-Thriller "Planet Terror" beisteuerte. Im Stil der 70er fabrizierte Rodriguez damals ein zusätzliches Schmankerl, den knalligen Trailer des nicht existierenden Films "Machete".

Der ausgelassene Pseudo-Trailer kam so gut an, dass Rodriguez nun den Film nachliefert. Im Zentrum steht sein alter Bekannter Danny Trejo, der hässlichste Revolverheld aller Zeiten. Dennoch fallen dem pockennarbigen Haudegen mit dem Dschingis-Khan-Schnauzer die tollsten Frauen wie Jessica Alba als latinostämmige US-Ermittlern sowie Michelle Rodriguez als Revolverbraut und Chefin eines Netzwerks für illegale Einwanderer, in die Arme: Trash verpflichtet. In einem weiteren Besetzungscoup tritt Lindsay Lohan als drogensüchtige, nackte Tochter des Geschäftsmannes Booth auf, der Machete dazu erpresst, den rassistischen Senator McLaughlin zu erschießen.

Der aalglatte Politiker wird von keinem Geringeren als Robert De Niro verkörpert; weitere Hingucker sind Martial-Arts-Recke Steven Seagal und Don Johnson. Das Handlungsprinzip ist simpel: Alles, was innerhalb des US-Grenzzauns Latino-Blut in den Adern hat, gehört zu den Guten. Der Rest besteht aus sadistischen Schurken, die einerseits per Bürgerwehr Einwanderer jagen, andererseits Illegale als billige Arbeitskräfte ausbeuten und Drogen schmuggeln. Mit dem Attentat auf den Senator soll Machete zum Sündenbock gemacht werden und McLaughlin Wahlkampfmunition verschaffen. Doch so verwickelt diese Intrige, so einfach ist die Problemlösung.

Wer Rodriguez mag, wird sich bei dieser von keines Gedankens Blässe angekränkelten blutigen Gaudi amüsieren. Dennoch gerät die testosteronbetrunkene Pseudo-Satire, die, untermalt von - ironisch gemeintem! - Sexismus die US-Grenzpolitik aufs Korn nimmt, manchmal zäh. Auf Dauer können auch Ideen wie ein Priester, der im Beichtstuhl die Kamera laufen lässt, eine Nonne mit MG, Django-Posen mit Sätzen à la "Machete schreibt keine SMS!" nicht verdecken, dass die Handlung zu doof ist, um über 100 Minuten zu faszinieren. In diesem Sinne stellt der knackig-kurze "Machete"-Trailer doch den besseren Film dar.

Birgit Roschy, APN / APN