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Schweigers Kino-"Tatort" ist ein richtig guter Actionfilm

An keinem anderen "Tatort" entzündet sich mehr Aufregung als an Til Schweigers Tschiller-Fällen. Da er jetzt auch noch ins Kino kommt, können die Hater noch mehr draufhauen. Sie verpassen aber einen ziemlich guten Actionfilm.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Til Schweiger in "Tschiller: Off Duty"

Til Schweiger in "Tschiller: Off Duty" - zerfurchter Held und aberwitzige Action

Wenn Sie zu denen gehören, die sowieso alles "Scheiße" finden, was Til Schweiger macht - egal ob auf Facebook oder im Film - lesen Sie nicht weiter, Sie werden hier nicht finden, wonach Sie suchen. Wenn Sie aber wissen wollen, ob "Tschiller: Off Duty", der erste Kino-"Tatort" seit Schimanskis "Zabou" von 1987, ein guter Film ist: Herzlich willkommen, schön, dass Sie da sind.

Falls Sie es eilig haben: Ja, "Off Duty" ist ein guter Film. Für alle anderen von Anfang an: "Off Duty" macht da weiter, wo der TV-"Tatort" "Fegefeuer" aufgehört hat: Tschillers Frau ist tot, seinen Erzfeind Firat Astan hat er nach erbitterter Jagd der Polizei übergeben, die ihn an die Türkei ausgeliefert hat, und nun will er die Zeit der Freistellung nutzen, um Tochter Lenny ein besserer Papa zu sein.

Die heilende Zweisamkeit währt allerdings nur kurz, denn Lenny hat sich auf wirklich abenteuerliche eigene Faust nach Istanbul begeben. Sie weiß, dass Firat Astan wieder frei ist und will den Tod ihrer Mutter rächen. Dabei stellt sie sich allerdings weniger geschickt an als ihr Vater. Fazit: Lenny weg, Erzfeind frei, Tschiller fliegt sofort nach Istanbul, um seine Tochter zu retten. Ja, stimmt, hat was von "Taken". So wie "Fegefeuer" deutlich von "24" inspiriert war.

Til Schweiger bekommt es mit Bösewicht der Extraklasse zu tun

Allerdings haben Sie nicht so viel Zeit, darüber nachzudenken, denn Tschiller bekommt es mit einem Bösewicht der Extraklasse zu tun, auf den sogar ein Liam Neeson neidisch wäre: Süleyman Seker (gespielt von Özgür Emre Yildirim). Wenn Firat Astan ein fieser, harter Brocken war, ist Seker der Teufel. Auch er verkauft Mädchen an Männer, die kein Problem damit haben, Kinder zum Sex zu zwingen - aber vorher schickt er sie noch zum Sandmann, einem "Arzt", der ihnen Organe entnimmt. 

Das weiß Tschiller noch nicht, während er mit Hilfe alter Freunde, einer wunderschönen Frau (die den ausgezeichnet beknackten Satz sagt: "Lass' uns schlafen gehen, dann ist es schneller Morgen", nachdem sie Tschiller ein paar Stunden kennt) und ein bisschen Parkour hinter seinem Kind herjagt. Aber die Message ist klar: Alles kaputt, alles korrupt, da fällt dann auch nebenbei der Satz, dass die Türkei kein EU-Land sei. Auch Seker findet Erdogans Reich "zu orthodox". Deshalb geht es als nächstes nach Moskau.

Und jetzt hat auch endlich Fahri Yardims Yalcin Gümer seinen Auftritt. Tschillers treuer Sancho Panza haut seinen Partner raus, damit sie gemeinsam Lenny retten können. Und wenn die Hölle überfriert. Ohne Gümer wäre Tschiller nichts. Und andersrum. So kommen wir unter anderem in den Genuss des neuen Genres Mähdrescher-Action. Aber das müssen Sie selbst sehen.

Fahri Yardim und Til Schweiger in "Tschiller: Off Duty"

Tschiller braucht Gümer - und andersrum: Fahri Yardim als Yalcin Gümer und Til Schweiger als Nick Tschiller

Old-School-Actionkino

Mit einem Budget von angeblich acht Millionen Euro holt Regisseur Christian Alvart ("Antikörper", "Pandorum") endlich ein bisschen Hollywood ins deutsche Kino. Verglichen mit US-Produktionen ist das natürlich ein Witz. Wohl auch deshalb Schweigers Ausfälle angesichts seiner "Tatort"-Kritiker und ausbleibender Quote. Tatsächlich ist "Off Duty" großartiges Old-School-Actionkino, das es so bisher in Deutschland nicht gegeben hat - mit einem zerfurchten Helden, seinem humorbegabten Sidekick, einem wirklich unangenehmen Bösewicht und einer aberwitzigen Geschichte, die alle durch mehrere Länder jagt. Wer das zu schätzen weiß, ist bei Tschillers erstem Kino-"Tatort" genau richtig.

Wer dem klassischen Sonntagabend-Modell "Mord in der Gartenlaube" nachhängt, der wird überfordert sein.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo