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3. Januar 2005, 10:37 Uhr

King-Kult ohne Ende

Für seine Fans gilt nach wie vor das Motto "Elvis lebt!". Und so wird der "King" ganz so gefeiert, als wäre er noch unter uns.

Elvis in einem Loews-Kino in Memphis, in dem er vor seiner Karriere als Platzanweiser gearbeitet hatte© Loews Cineplex Entertainment/AP

Im "Heartbreak Hotel" können Fans des King of Rock'n'Roll "Elvis-Bingo" spielen. Im Planetarium von Memphis gibt es zu seinen Ehren eine Lasershow. Das Sinfonieorchester der Stadt spielt seine größten Hits. Und es gibt dutzende Partys, darunter in dem Düsenjet, mit dem der King einst reiste. Am Grab von Elvis Presley, im Garten der Villa "Graceland", dürfen seine Jünger bei Kerzenschein meditieren - und sich fragen, wie es wohl wäre, wenn der King nicht schon vor langer Zeit gestorben wäre.

Allzu groß wäre der Unterschied wohl kaum, denn für die Fangemeinde gilt seit Jahrzehnten das Motto "Elvis lebt!". Ganze Heerscharen von Pilgern ziehen in jedem Sommer zur "Elvis Week" rings um den Todestag (16. August) sowie im Januar zu den ebenfalls einwöchigen Geburtstagsfeiern in die Wahlheimatstadt des großen Rock'n'Rollers.

Mit Schmollmund, Schlafzimmerblick

Dabei war der Mann, der mit seiner unverkennbaren Rhythm-and-Blues-Stimme, mit Schmollmund, Schlafzimmerblick und suggestiven Hüftbewegungen Menschenmassen in Ekstase versetzte, so einsam gestorben wie ein Ausgestoßener. In seiner letzten Nacht hatte er wieder einmal versucht, die Verzweiflung über sein aufgedunsenes Gesicht und seinen verfetteten Körper sowie die Angst vor dem nächsten Live-Auftritt mit Unmengen von Medikamenten zu bekämpfen.

"Der Tod raubt die Krone des Rock'n'Roll" titelte die örtliche Zeitung "The Commercial Appeal". Sofort schossen die Verkaufszahlen aller Platten des Kings, der eigentlich schon längst keiner mehr war, in die Höhe. Und unter der strengen Führung seiner Witwe Priscilla begann die bis heute größte und zweifellos auch erfolgreichste Operation zur posthumen Vermarktung eines Stars.

Elvis-Imitatoren bei einem Casting für die Titelrolle als Elvis Presley in den CBS-Studios.© Ted Soqui/Corbis

Vom singenden Lastwagenfahrer zum millionenschweren Superstar

Elvis wurde zu einer Ikone, die überall auf der Welt so leicht als amerikanisches Symbol erkannt wird wie die Freiheitsstatue, die kegelförmige Coca-Cola-Flasche oder das geschwungene "M" von McDonald. Heutzutage bringen Großeltern der Rock'n'-Roll-Generation ihre Enkelkinder nach Memphis, damit sie vor Ort die Geschichte des Mannes kennen lernen, der es als Sohn einer armen Familie vom singenden Lastwagenfahrer zum millionenschweren Superstar brachte.

Ehe er zur Karikatur seiner selbst wurde, war Elvis Presley der angehimmelte Rebell einer Jugend, die sich von den Zwängen der weißen Mittelschicht befreien wollte. Zu seinen Verdiensten gehört, dass er die Lebenskraft im Rhythm and Blues der Schwarzen in den Südstaaten über die Rassenschranken hinwegtrug. Dem "netten weißen Burschen von nebenan" gelang es, "schwarze" Musikideen als Rock'n'Roll hoffähig zu machen.

Jubiläen waren für das straff organisierte Vermarktungsunternehmen Elvis Presley Enterprises (EPE) willkommene Gelegenheiten, den Kult anzufachen. Die Geschäfte liefen bei jährlich rund 600.000 Besuchern der "Graceland"-Villa und enormen CD-Verkäufen so gut, dass das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" Presley an die Spitze seiner Liste der toten Top-Verdiener setzte.

Das hielt Lisa Marie Presley, einzige Tochter und Alleinerbin, nicht davon ab, kurz vor den Feiern zum 70. den größten Teil des väterlichen Nachlasses, einschließlich der Rechte am Namen Elvis Presley, für 100 Millionen Dollar zu verkaufen. 85 Prozent der Anteile an der Elvis-Firma übernahm der Geschäftsmann Robert F.X. Sillerman. Er habe keinen Zweifel, dass der King gut sei für die Ewigkeit, erklärte er und kündigte an, seine auf die Vermarktung von Musik und Sport spezialisierte Firmengruppe samt der Neuerwerbung an die Börse zu bringen.

Thomas Burmeister/DPA
 
 
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