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14. Dezember 2007, 20:00 Uhr

Gefahr: "Last Christmas" vermeiden!

Es gibt Verbraucherhinweise, die braucht kein Mensch. Aber warum wird die Menschheit nicht vor nervigen Weihnachtsliedern gewarnt, die einem die ganzen Festtage vermiesen? Von Till Hoheneder

Jedes Jahr die gleiche Leier: Die Nummer eins der nervigsten Weihnachtssongs aller Zeiten, Whams "Last Christmas", wird in Dauer-Rotation gespielt© Simela Pantzartzi/DPA

Leute, mal ganz ehrlich! Das Leben ist voller Gefahren und darum ist es immer gut, sich an das alte Motto zu halten: Es gibt keine Lauer, auf der ich nicht liege! Und wer hat nicht noch den alten Klassiker aus der Bundeswehr- und Zivildienstzeit im Ohr: Vorbeugen ist besser als auf die Schuhe reihern! Der Amerikaner als solcher wird ja auch gerne mal pauschal als oberflächliches, kulturloses, fettes und strohdummes Fastfoodmonster dargestellt. Aber mal angenommen, das stimmt alles, dann ist es doch auch nicht weiter verwunderlich, dass in den USA jedes Jahr die verrücktesten Verbraucherhinweise prämiert werden. Dieses Jahr hat ein Aufkleber gewonnen, der auf einem Traktor klebte: "Gefahr: Tod vermeiden!". Zweiter Platz war ein Aufdruck auf einem T-Shirt: "Bitte nicht bügeln, wenn Sie das Shirt tragen!" Diese erschütternd simplen und doch richtigen Tipps geben uns einen Ausblick auf die Entwicklung solcher Hinweise ... Auf Omi und Opi tackern wir bald lustige Sticker: "Altern endet mit dem Tode"!

Wenn vorher nichts dazwischen kommt. Deswegen war Julia Roberts auch so erbost über den Paparazzi-Raser vor der Schule ihrer Kinder. Also brettert Julia in bester Colt-Seavers-Tradition hinter dem Sünder her und stellt ihn. Und richtig: Nur kleingeistige, deutsche Spießer regen sich darüber auf, dass Frau Roberts ja selber alle Verkehrsregeln bei der Verfolgung missachtet hat und ihr Mercedes SUV kein Öko-Auto ist. Quatsch! Ein Auto, das im Durchschnitt nur 15 Liter verbraucht, ist für Amis auf jeden Fall ein Spritsparauto! Mein Gott, wer zu Hause auf der Gästetoilette Energiespar-Lampen benutzt, darf ja wohl zum Ausgleich einen sparsamen Achtzylinder fahren!

Wen interessiert schon das ganze Klimagelaber auf Bali, wenn die einzig wichtige Frage wie jedes Jahr zur Adventszeit nur heißen kann: Gibt es zu Weihnachten Schnee? Und zwar jetzt nicht auf dem Make-up-Spiegel von Kate Moss, sondern Schnee als Wetter! Bei uns in der Stadt ist Weihnachtsmarkt und alle Karussellbesitzer haben sich gegen mich verschworen und dudeln unisono Rolf Zukowskis nervige "Winterkinder"-CD. Also steht man tapfer in der regnerischen Kälte, winkt jede Runde seinem dauerwinkenden Kind zu und versucht das fürchterliche Lied "Es schneit" akustisch zu stornieren. Weil es halt nicht schneit und man sich eher fragt: Wo bleibt denn die verdammte Erderwärmung? Mir ist kalt! Was interessiert mich der steigende Meeresspiegel, Sylt oder Holland?

Und warum gibt es zu "Es schneit" eigentlich nur noch "Last Christmas" von Wham als Weihnachtsliedalternative? "Last Christmas" ist etwas (ich will es nicht Lied nennen), was ich von ganzem Herzen verabscheue. Spontane Assoziationen zu diesem Machwerk: Ein Kilo übelriechender Yak-Pansen, das Gesicht von Guido Westerwelle oder ein Gang-Bang mit den Jacob-Sisters! Da gehört doch wirklich ein Verbraucherhinweis auf die CD. Gefahr: Hören vermeiden!

Bis die Tage!

E-Mail von Till

E-Mail von Till Till Hoheneder (früher Mitglied des Duos "Till & Obel") ist rotzfrech, charmant, gnadenlos geradeaus, immer cremig. Seine Karriere begann Hoheneder (41) als Musiker. Mit der Rockgruppe "Till & Die Altobellis" absolviert er regelmäßig Auftritte mit Comedy-Einlagen. Im Sommer 2007 begleitet die Band Atze Schröder auf seiner "Atze im Wunderland"-Open-Air-Tour. Derzeit ist der Comedian und Autor mit seinem neuen Solo-Programm "Herrencreme" auf Tournee. Termine gibt es unter www.tillhoheneder.de

Von Till Hoheneder
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
brustoderkeule (15.12.2007, 09:35 Uhr)
Leider gut.....
...geschrieben! Gute Weihnachtsmusik gibt es von Manfred Krug: Der Weihnachtskrug. Aber vorsichtig...ist mein persönlicher Geschmack.
waelder (15.12.2007, 08:13 Uhr)
Weihnachtsrummel... würg?
Wen Weihnachtsrummel nervt, kann wo anders Urlaub machen.
Nein, nicht auf den Philippinen, denn da geht die Weihnachtssaison von August bis April.
Eher schon Aceh im Norden Sumatras. Zwar ist da jetzt die Regenzeit derzeit auf ihrem Höhepunkt, aber die Leute könnten ein paar Touristen gut gebrauchen. Kein Wein (auf Indonesisch gibt es für Trauben, Wein und Essig nur ein Wort - anggur), also schon gar kein Glühwein. Und keine Weihnachtslieder und nur bei sorgfältigem Suchen gibt es in ein paar Geschäften etwas, was wie Weihnachtdekoration aussieht. Also weder Wham noch Jingle Bells noch Weihnachtsbäckerei. Mir gefällts hier.
u.weide (15.12.2007, 00:07 Uhr)
Passend hierzu... :-)
ein kleines Adventsgedicht auf nullzwoelf.com:
Jedes Jahr zur Weihnachtszeit, wenns draußen wieder zwitschert, anstatt schneit; man ständig sich ergötzt an Kränzen und Gestecken, die man letztes Jahr schon wollt’ verstecken, und hin und wieder lässt vom Radio sich wecken, dann kann es sein, dass schwere Übelkeit im Magen siegt, hört man zum ersten Mal im Jahr die weihnachtliche Musik.
Vernimmt man es nur vereinzelt und nicht ständig; Und die Zeit wär’ da zum Reagieren auf den Driss, dann bekäme man den Michael George per Regler am Gerät gebändigt, und muss nicht elendig verenden an: Last Christmas
Doch alle Jahre wieder quält man gern, der Frage nach Notwendigkeit ganz fern, seine Hörerschaft mit ewig gleichem Klang. Kein Wunder, dass die selbigen, das Radio mit dem Schmiss durch geschloss’ne Fenster wollen bändigen. Und stelle man sich vor, als Radiomoderator,
verpasse man Georgies Christmas-Song kein einz’ges Mal. Die Folgen für des Moderators Leben sind doch ohne Witz: Fatal!
Ich hasse dieses Lied!
Schwarzenegger (14.12.2007, 23:11 Uhr)
Nieder mit WAHM
@Till Hoheneder: ja sie haben völlig recht....!!!! Ich HASSE Wham und LAST CHRISTMAS ebenfalls bis aufs Blut, nur hatte ich den Song schon fast vergessen, bis Sie ihn erwähnten. Arrgh!
Necros (14.12.2007, 22:28 Uhr)
@logon
Man kann durchaus ein alter Sack sein, ohne Studium oder dem Wahn, seine Intelligenz in der Gegend verbreiten zu müssen- und dennoch (ähnlich amapola) kreativen Umgang mit Sprache sehr, sehr schätzen.
logon (14.12.2007, 22:23 Uhr)
@Perditax
...wofür hältst du dich denn ? Lass mich raten, Studentin, 4. Semester......
amapola (14.12.2007, 20:20 Uhr)
Manche Kommentatoren...
... und auch den Artikelschreiber sollte man in Zukunft visuell stornieren. Die hier versprühte coolness und dieses "siehst-du-wie-weit-ich-vom-Spießertum-entfernt-bin", entbehrt nicht einer gewissen Lächerlickeit.
Perditax (14.12.2007, 18:15 Uhr)
Sprachbereicherung
Eine Stelle des Artikels ist für mich als Sammlerin kurioser Ausdrücke und Bewunderin durchdachter Sprache von erlesener Schönheit: Die Beschreibung des Versuchs, ein unerträgliches Lied „akustisch zu stornieren“. Ich habe diese Beschreibung bereits meinem höchstpersönlichen Wortschatz einverleibt und werde sie fortan mit Freuden benutzen, wo immer sie angemessen ist.
deinemama (14.12.2007, 15:41 Uhr)
Nummer 3 wurde ausgelassen:
Der Großmeister des akustischen Kindesmissbrauchs hat noch viel mehr auf Lager: Rolf Zukowski und seine Schreihälse mit "In der Weihnachtsbäckerei". Dass noch niemand auf dem Weihnachtsmarkt nach ausreichend Wham-Zukowski-Folger Amok gelaufen ist, grenzt an ein Wunder.
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