Der weite Weg zum wilden Kerl

13. November 2007, 09:51 Uhr

Er ist der Teenager-Shootingstar: Hauptrolle in Kinofilmen, eigenes Hip Hop-Album - Jimi Blue Ochsenknecht hat die ganz große Karriere vor sich. Nur wirklich Ahnung von dem was er tut, hat er nicht. Ein richtiger Kerl, der weiß was er will, sieht anders aus. Von Anke Kapels

Jimi Blue Ochsenknecht posiert in der Olympiahalle in München anlässlich der Verleihung des MTV Europe Music Awards 2007©

Es ist mittags um halb eins und Jimi Blue ist müde. Richtig, so gehört sich das für einen coolen Popstar: die Nacht durch feiern und am nächsten Tag kaputt. Tokio Hotel machen das dauernd. "So wild wie die bin ich nicht", sagt Jimi Blue, "mit 15 noch nicht." Moment! Der Junge mit Baseball-Mütze, Schlabber-Jeans und Sneakers, der da eingesunken in einem weichen, roten, runden Sessel sitzt, verdankt seine Popularität schließlich der Jugendfilm-Serie "Die wilden Kerle". Einen sehr wilden Eindruck macht er aber nicht, und auf keinen Fall ist der Bursche ein Kerl. Da muss Jimi Blue, Sohn des Schauspielers und Teil-Zeit-Rockers Uwe Ochsenknecht, noch viel wachsen. Im Moment ist alles an ihm weich und schlaksig. Kerl ist was anderes.

Auf seinem gerade erschienenen Debüt-Album "Mission Blue" singt Jimi Blue "Girls, Party, Action - ya this is what we like", doch scheint er da für andere zu sprechen. Seine Müdigkeit heute hat nämlich einen ganz banalen Grund: Mutter Natascha Ochsenknecht hat ihren Sohn gottlos früh aus dem Bett geschmissen und ihn zum Münchner Flughafen geschleppt - in Hamburg soll er für die CD die Werbetrommel rühren.

Ohne Ahnung in die Charts

Jimi Blue wirkt etwas verloren im Über-Design des East Hotels in einer Seitenstraße der Reeperbahn. Seine Mutter, sehr blond und hartnäckig jugendlich in ihrer Motorrad-Jacke, sitzt hinten in der Ecke und wacht, dass der Bub sich auch benimmt. Das tut er, Presserummel ist Jimi Blue gewohnt. X-mal war der Held der "Wilden Kerle" Coverboy der einschlägigen Jugendpresse, hat sich in endlosen Autogrammstunden die Finger wund geschrieben und gefasst die Kreisch-Orgien der kleinen Mädchen ertragen. Über Musik zu reden, damit tut er sich allerdings schwer. Er und ein paar Kumpel hätten "Beats gemacht auf dem Computer und dann drüber gesungen und gerappt." Als Jimi Blue davon in einem Interview erzählte, witterte eine Plattenfirma sofort das dicke Geschäft.

Tatsächlich hält sich die Single "I'm lovin'... (l.r.h.p.)" auf den oberen Plätzen der Charts. Der Song hat sich ganz offensichtlich großzügig bei Usher und vor allem Justin Timberlake bedient. "So soll's auch sein!", grinst Jimi Blue. Timberlake und der Rapper Pharell Williams sind seine großen Idole. Er komponiert nicht selbst, das haben diverse Produzenten für ihn übernommen. Der Junge erzählte ihnen am Telefon, was ihm gefällt und sie bastelten daraus einen gefälligen Mix aus Pop, R&B und HipHop mit Anleihen an 80er-Jahre-Perlen wie "Being Boiled" von Human League. Steht Jimi Blue auf Bands wie Human League? "Wie heißt der?", fragt er mit großen Augen. "Ich weiß, dass bei ein paar Songs Covers mit reingenommen wurden." Selbst kannte er die Songs vorher nicht? "Die Produzenten haben gefragt, ob es o. k. ist, weil es damals auch Erfolg hatte und so. Und ich hab gesagt, wenn es Erfolg hatte und gut ist, dann macht das."

Vater wäre seltsam als Idol

Geschäftstüchtig, der Bursche. Er weiß, was die Kiddies wollen. In einer Zeit, in der der notorische Kinderlieder-Verzapfer Rolf Zuckowski ausgedient hat und sich bereits Achtjährige die neueste CD von 50 Cent zu Weihnachten wünschen, liegt Jimi Blue mit seinen Rap- und Gesangs-Versuchen ziemlich. richtig. Auch wenn es mit dem "Live"-Auftreten noch nicht so recht klappen will. Mitte Oktober, bei den "Nick Kids' Choice Awards" in Bottrop, hatte er Probleme dem Playback zu folgen und tapste er wie ein Bärenkind über die Bühne, während sich um ihn herum eine Gruppe junger Frauen einen Wolf tanzte. Den Fans war das egal. Jimi Blue ist einfach sooooo süüüüüüß und damit basta! Vor zwei Wochen, so vermeldet stolz seine Website, bekam Jimi Blue den Jetix Award des gleichnamigen Premiere-Kinder-Senders (Zielgruppe: Acht- bis Dreizehn-Jährige) in der Kategorie "Coolster TV Star" verliehen. "In der hart umkämpften Kategorie setzte er sich gegen Oli Petzokat, Oliver Pocher und Collien Fernandez durch!" Mit dieser Schmach muss Oliver Pocher nun leben.

Jimi Blue denkt indessen schon an das nächste Album: "Ich habe mir überlegt, selber zu schreiben, zusammen mit meinem Vater und Freunden." Ist Ochsenknecht Senior ein Vorbild? "Nö", sagt der Sohn entschieden, "auf gar keinen Fall!" Nur musikalisch kein Vorbild? "Auch nicht so vom schauspielern her", kommt die Antwort. "Ist ja mein Vater und da finde ich es komisch, wenn er mein Vorbild ist." Das ist Teenager-Logik. Die muss man nicht verstehen.

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