40 Jahre lang hat er getrunken. Viele hatten ihn aufgegeben. Jetzt ist Joe Cocker wieder voll da. Trocken - und fast ganz der Alte: Arrrrrrrghhh!

Endlich trocken: Joe Cocker© Volker Hinz
Zuerst die gute. Joe Cocker, 58, der Rocker mit dem Gänsehautorgan, hat das Saufen aufgegeben. Sagt er. Seit über einem Jahr rühre er keinen Tropfen mehr an. Er raucht auch nicht mehr. Wie geht das, von einem Tag auf den anderen? »Es ging nur ganz oder gar nicht«, sagt Cocker. Die Fegefeuer des kalten Truthahns, sie blieben ihm erspart. With a little help from his wife, versteht sich. »Andere brauchen eine Klinik oder einen Psychiater, ich hatte Pam. Die hat mir immer wieder eingetrichtert, du hast einen starken Willen, du schaffst das.«
Die nicht ganz so tolle Nachricht: Wer Joe Cocker beim Interview vis-à-vis hat, fragt sich insgeheim: Lohnt es sich wirklich aufzuhören? Wie das blühende Leben sieht der nunmehr Lasterfreie nicht unbedingt aus. Im Grunde ist er wie eh und je. Ein bisschen hypermotorisch, etwas ungelenk, umflort von dieser Eins-von-den-sechzehn-Bierchen-gestern-war-wohl-schlecht-Aura. Braucht wohl noch etwas Zeit, bis die spät errungene Promillefreiheit ihre volle Dividende ausschüttet. Da sitzt er im eleganten Amsterdamer Hotel Blakes und blickt durch das Fenster auf zirka eine Million bezechte Holländer, die an diesem Nationalfeiertag die Keizersgracht entlangwanken. »Ich hab 40 Jahre lang getrunken«, sinniert er und nippt ohne erkennbaren Widerwillen am hauseigenen Mineralwasser, »ein Wunder, dass ich überhaupt aufhören konnte.«
Wurde auch Zeit. Das Urschreigestein mit dem selbstmörderischen Durst galt in den späten Siebzigern als sicherer Kandidat für die Klapsmühle oder den Friedhof. Stattdessen schaffte er 1984 ein furioses Comeback. Trank fortan einigermaßen kontrolliert, kippte nicht mehr von der Bühne, landete mit seiner alten, unverwechselbaren Stimme frische Hits. Alles schien gut zu werden, zumal er sich mit der patenten Amerikanerin Pam verehelichte und auf eine einsame Farm in den Bergen von Colorado zog.