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28. August 2009, 09:50 Uhr

Whitneys Comeback - gelungen oder missraten?

Pro & Contra

Whitney Houston meldet sich mit neuem Album zurück. Kann die Soul Diva nach ihren Drogenjahren an alte Erfolge anknüpfen? stern.de-Musikredakteur Ingo Scheel gibt den Daumen nach oben, stern-Kulturredakteur Hannes Ross sagt: "Das ist zu wenig, Whitney!"

Houston, wir haben kein Problem!

Mal ehrlich: Was am wenigsten interessiert, an diesem nächsten Comeback des Jahrzehnts, ist doch letztlich die Musik. Ob die nun eher housig oder soullastig geraten ist, ob die großen Balladen da sind oder fehlen, die Stimme ein wenig kratzt oder immer noch in den letzten Winkel der obersten Oktaven gelangt – Pustekuchen! Whitney ist zurück – das ist die gute Nachricht. Die Crackpfeife ist vom Badezimmerschrank verschwunden, die einst wässrig-müden Augen haben fast wieder den alten Glanz und Bobby Brown, der schlimme Finger, ist auch endlich dort, wo der Pfeffer wächst. Bahn frei für Frau Houston und ihr neues Album. Das heißt "I Look To You" und mag vielleicht kein nächster "One Moment in Time" sein. Es ist vielmehr ein in Maßen edel, auf Länge mehr als okay geratenes Album einer Sängerin, die Michael Jacksons Abschiedscredo "Das war's!" unter Ausschluss der Öffentlichkeit eigentlich schon in die Tat umgesetzt hatte. Und jetzt doch wieder da ist.

Gut, es gab 2004 noch die "Soul Divas"-Tour, mit der Whitney versuchte, es sich frühzeitig auf dem Altenteil des US-Soul, zwischen Natalie Cole und Dionne Warwick, bequem zu machen. Aber hey, Whitney Houston mit 40 Jahren bereits auf dem Sprung in die Groove-Geriatrie, präsentiert von Tchibo? Dazu sage ich "Nein". Und fünf Jahre später, anno 2009, könnte der Zeitpunkt kaum besser sein. Pop-Amerika (ebenso wie der Rest der Welt) hat sich die Jacko-Trauer so langsam aus den Klamotten geklopft, was könnte da tröstlicher sein, als dass mit Whitney Houston eine Über-Figur aus den 80ern und 90ern auf die Bühne zurückkehrt, die man bereits abgeschrieben hatte. Und die eben nicht – so scheint es jedenfalls, und wir klopfen dreimal auf Holz, dass es stimmen möge – abgeschmiert ist. Ob Britney oder Mariah, Knorpelgöttin Madonna oder die stündlich mehr nervende Lady Gaga - alle beiseite getreten, die Mehrheitsverhältnisse im female Pop könnten sich noch einmal ändern. Der nächste Superbowl, die nächsten Olympischen Spiele, Inaugurationen oder Mandela-Geburtstage kommen bestimmt. Welcome back, Whitney.

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