Diese Band polarisiert: Entweder hasst man Rosenstolz abgrundtief oder man liebt sie leidenschaftlich. Nach einer zweijährigen Pause bringt Deutschlands erfolgreichste Band nun ihr neues Album heraus. Im Interview mit stern.de sprachen AnNa R. und Peter Plate über Luxus, Ego-Dämpfer und Toiletten im Stadion.

Seit über 16 Jahren machen Peter Plate und AnNa R. zusammen Musik. Alles begann mit einer Mischung aus Pop und Chanson. Heute ist Rosenstolz Deutschlands erfolgreichste Band© Jan-Peter Kasper/DPA
AnNa R.: Die Suche geht weiter, natürlich. Wäre ja schrecklich, wenn wir schon alles gefunden hätten. Nein, wir bleiben immer Suchende.
Peter Plate: Man kann das Album im Herbst sicherlich sehr gut hören, aber es wurde für keine bestimmte Jahreszeit produziert. Wir haben die Aufnahmen angefangen, als die Mutter meines Freundes starb. Erst gab es den Text, dann die Musik. Und das war zuallererst ein Lied für uns, meine Form von Tagebuch. Der Tod und die damit verbundene neue Lebensenergie war der Motor für dieses Album. So Marketing geschult sind wir dann doch nicht, dass wir Werke für bestimmte Jahreszeiten schreiben.
AnNa R.: Ich denke, es liegt daran, dass wir über das Singen, was wir selber erlebt haben. Wir verarbeiten ungefilterte Gefühle. Nun ist der Mensch ja nicht einzigartig - und da passiert es uns offensichtlich, dass wir die Gefühlslagen vieler Menschen ansprechen.
Peter Plate: Wir schreiben keine Songs mit Kalkül, denn das würde jeder sofort merken. Ich habe es tatsächlich mal versucht, aber Anna hat es natürlich durchschaut. Ich war damals total neidisch auf Annette Humpe, die für Lucilectric den Chartbreaker "Mädchen" komponierte. Das ist doch total einfach, dachte ich und wollte einen Klon kreieren. Klappte natürlich überhaupt nicht. Ich habe mein Ohr eben nicht so auf der Straße wie Annette.
Peter Plate: Wir wollten damals ein Programm und keinen Plattenvertrag. Die Popbühnen wollten uns nicht, also landeten wir bei Kabarett- und Schwulenbühnen.
AnNa R.: Wir konnten für die Entwicklung unserer Musik am Anfang gar nichts. Wir hatten dieses Keyboard - und wir hatten mich. Hätte ich jemand mit E-Gitarre getroffen, wäre es vermutlich etwas anders gelaufen.
Peter Plate: Das hätte sie nie gesagt. Wir definieren uns nicht als Stars, wir definieren uns über die Musik.
Peter Plate: Deshalb kann ich trotzdem nicht aufstehen und sagen "Hurra, ich bin ein Star." Wir sind lange im Geschäft, und unsere Freunde erden uns sehr. Zudem sind die Menschen in Berlin eh sehr gelassen und schwer zu beeindrucken.
AnNa R.: Es stimmt, dass wir keine Homestorys anbieten - aus gutem Grund. Es ist nötig für mich, um gesund zu bleiben. Wir verkaufen unsere Musik und nicht uns. Meine Person gehört mir, sonst niemanden.
Peter Plate: Ich lasse mich zum Beispiel nicht mehr mit meinem Partner zusammen ablichten.
CD-Kritik: "Die Suche geht weiter" Von den Fans wurde das neue Album sehnlich erwartet - schließlich ist für viele von ihnen die Musik eine Art Lebenselixier. Nach zwei Jahren melden sich Rosenstolz nun mit recht melancholischen Liedern zurück: Auf "Die Suche geht weiter" singt das Duo über Hoffnung, Tod und natürlich Liebe. Wie immer lassen AnNa R. und Peter Plate dabei tief in ihr Inneres blicken. Dass die Berliner damit den Nerv ihrer Fans treffen, zeigt die Single-Auskopplung "Gib mir Sonne". Erstmals konnten sich die beiden Musiker an die Spitze der deutschen Singlecharts setzen. Warum nur, fragen sich einige Spötter immer wieder. Weil es keine andere deutsche Band gibt, die mit bombastisch gutem Pop und teils kitschigen Texten zielgenauer ins Gefühlszentrum trifft als Rosenstolz.