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31. Mai 2010, 10:14 Uhr

"Schneewittchen" und die Stasi-Schergen

Ein Geheimlabor in der Gartenlaube, Giftspritzen und illegale Waffenexporte, Wanzen und Überwachungskameras. Die Bremer "Tatort"-Folge "Schlafende Hunde" beschäftigt sich mit dem brisanten Thema von Stasiseilschaften in der heutigen BRD und deren Opfer. Von Kathrin Buchner

Bei den Ermittlungen um den Tod einer alten Dame kommen Kommissarin Lürsen (Sabine Postel) und Kollege Stedefreund (Oliver Mommsen) in Schwierigkeiten© Radio Bremen

So eine heiße Sexszene hat es im "Tatort" lange nicht mehr gegeben: Narbengesicht und ewiger U-Bootkapitän Jürgen Prochnow, 68, auch im Alter nicht unattraktiv, kopuliert auf der Designercouch mit seiner eigenen Tochter Anna (mit 36 immer noch sehr mädchenhaft: Laura Tonke) - ohne über ihre Inzest-Romanze Bescheid zu wissen.

Ein schöner Köder in Doppelfunktion: Als Lolita in geheimer Mission verführt Anna nicht nur den Unternehmer zur illegalen Waffenschieberei, auch uns Zuschauer animiert sie zum Weitergucken dieses komplexen Thrillers um Stasiseilschaften, die auch heute noch in der Bundesrepublik existieren. Ausgangspunkt ist der Tod einer alten Frau, die in ihrer Wohnung aufgefunden wird. Natürlicher Tod oder Mord? Die Bremer Kommissarin Inga Lürsen, bissig und kratzbürstig wie eh und je, folgt ihrer Intuition und ermittelt weiter.

Die tote Ruth Thalheim saß einst als Staatsfeindin in Bautzen ein, ihre Paranoia ließ sie auch in der neuen Heimat Bremen nicht los. "Es gibt nichts Fremderes als eine Heimat, in der man sich seines Lebens nicht sicher sein kann", beschreibt Nobelpreisträgerin Herta Müller, die vor der Securitate aus Rumänien geflüchtet ist. Umso schlimmer, wenn einen dieses Gefühl sicher zu sein, niemals und nirgends loslässt - der "Tatort" widmet diesem Zustand allerdings nur die Einstiegsszene.

Tödliche Giftspritzen und geheime Kommandozentrale in der Gartenlaube

Denn eigentlich ist die Aufarbeitung der Stasi-Seilschaften wie gemacht für einen "Tatort" jenseits von Gut-Böse-Stereotypen. Da ist die schöne Idealistin Anna, die für den Befreiungskampf der Indios in Südamerika mit dem Stasi-Teufel paktiert. Und die nicht weiß, dass sie mit ihrem Vater eine Inzest-Romanze betreibt und ihre leibliche Mutter jahrelang im DDR-Gefängnis einsaß. Prochnow gibt mit ruppiger Sensibilität den Lebemann zwischen Wohltätigkeit und Kalkül, ein Salonbolschewist, den die Vergangenheit einholt. Heinz Werner Kraehkamp verkörpert mit gedrungener Gestalt und rasiertem Schädel die böse Fratze der DDR.

Der Ex-Stasi-Oberst operiert von einer geheimen Kommandozentrale im Keller einer Gartenlaube. Wanzen und Überwachungskameras sind sein Lebenselixier. Mit seiner Obsession für tödliche Giftspritzen und schweres Geschütz wirkt er wie eine Karikatur von Dr. No. Genial die Szene, in der die Bratwurst in seiner Hand wie eine Waffe wirkt, mit der er Lürsen einschüchtert.

Seite 1: "Schneewittchen" und die Stasi-Schergen
Seite 2: Keine durchgeknallten Verschwörungstheorien am Reißbrett
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
dreicon (02.06.2010, 15:34 Uhr)
Wäre die GeStaPo
nach dem Ende des Tsdjährigen Reiches nur annähernd so akribisch aufgearbeitet worden, es gäbe heute noch keine funktionierende Verwaltung in unserem Staat.
Gernspieler (01.06.2010, 22:28 Uhr)
Hmm, konnten....
....mit diesem Tatort nicht viel anfangen. Ließ uns ratlos zurück!
Laramie (31.05.2010, 16:44 Uhr)
Stasi
Die in der Stasi beschaftigten Experten genossen unter Geheimdiensten einen guten Ruf, die waren nicht viel schlechter als der mossad und sicherlich besser ausgebildet als der BND. Die wurden nach der Wende sicher gerne von anderen Geheimdiensten uebernommen. Dass da welche heute noch als Stasi in der BRD aktiv werden ist sicher genauso ein Maerchen wie die Werwoelfe nach Ende des zweiten Weltkrieges. Alle Stasi Schergen die nicht in der FDP CDU oder andern Parteien oder Geheimdiensten untergekommen sind wurden und werden ebenso erbarmungslos verfolgt wie die RAF Fuzzies . Da kann nicht viel von uebrig sein ......
endbenutzer (31.05.2010, 15:07 Uhr)
@Nonkonf:
Warum kann das mit den Stasi-Leuten nicht glaubhaft sein? Wo sind die denn alle verschwunden nach der Wiedervereinigung? Alle in Luft aufgelöst? Nein Halt! Ein paar dieser Leute sind ja im Personenschutz bei Frau Merkel beschäftigt.

Sicher werden auch irgendwo noch ein paar Milliönchen der Stasi schlummern. Also ich fand das schon ziemlich schlüssig.

Und ob jetzt die Abhörzentrale unter einer Gartenlaube oder in einem Bürohochhaus installiert war, ist doch egal. Das ist eben die Freiheit des Drehbuchautors.

batavia (31.05.2010, 14:40 Uhr)
@nonkonf
Wieso muss eine Story "Bezug zur Wirklichkeit" haben ? Wenn ich das haben will, schaue ich mir Dokus an.
batavia (31.05.2010, 14:38 Uhr)
Das Thema ist interessant,
aber für einen Tatort m.E. nicht geeignet. Dafür reicht die Zeit einfach nicht.
Nonkonf (31.05.2010, 14:35 Uhr)
Das Grauen geht um ...?
Der ?Stern? verkommt offenbar immer mehr zu einer zweiten ?Bild?. Da erfinden ein paar Drehbuchautoren eine Story, die keinerlei Bezug zur Wirklichkeit hat. Tödliche Giftspritzen und geheime Kommandozentrale in der Gartenlaube ? wer denkt sich solchen Schwachsinn aus? Auf welchen auch nur näherungsweise ähnlich gelagerten realen Fall können sich die Schmierfinken beziehen? Da werden ?Stasi-Seilschaften? erfunden, die heute die BRD geheimdienstlich unterminieren. Das sei keine durchgeknallte Verschwörungstheorie? Aber sicher ist sie das! Die Existenz einer Agentur, die u. a. einen Ex-Stasi-Mann beschäftigt und deren Nutzung zur Politikerüberwachung durch die ?Bunte? als Beweis für Stasi-Aktivitäten? Na toll! Und so etwas wird von der Stern-Autorin ernst genommen und gewürdigt. Wie verblödet muss man sein oder - um es dezenter auszudrücken ? wie schwach muss die Faktenlage und das sachliche Argument sein, um Begriffe wie ?Stasi-Teufel? zu kreieren? Das Geschreibsel der Frau Buchner ist wahrlich keine Sternstunde des Journalismus.
ritchie (31.05.2010, 14:34 Uhr)
Heinz Werner Kraehkamp
endlich mal wieder im TV.

War zudem für mich der überzeugendste Schauspieler im Tator. Weniger an Handlung wäre mehr gewesen!
reservoir_dog (31.05.2010, 14:15 Uhr)
Wenn denn gar nichts mehr geht...
... kommt mit Sicherheit der Stasi-Kraken.
Dumm nur das die immer gleiche Story bis zum erbrechen wiedergekäut werden muß.
"Kommandozentrale im Keller einer Gartenlaube" ...
Was für ein polemischer Unsinn...
maikelg (31.05.2010, 12:51 Uhr)
Unsinn...
Wie so häufig - gerade bei Bremer Tatorten - wurde mal wieder ein hanebüchenes, über-ambitioniertes Drehbuch verfilmt, dessen Fall-Lösung nur mit dutzenden Zufällen und Unwahrscheinlichkeiten zu bewältigen war.
Das waren noch Zeiten, als noch logisch aufgebaute und nachvollziehbare Kriminalfälle im Tatort abgehandelt wurden!
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