Verwirrspiel ohne Auflösung

2. September 2012, 21:45 Uhr

Der Kölner "Tatort" baut viel Spannung auf, während die Ermittler einem afghanischen Drogenbund auf den Fersen sind. Am Ende verliert er sich aber in einem Wirrwarr aus Unklarheiten und Verstrickung. Von Verena Kuhlmann

Tatort, Köln, Deutschland, ARD, Kritik, Kuhlmann, Afghanistan, Drogenhandel, TV-Kritik

Mörder Matthias (L) und seine beiden Kollegen Sebastian und Thomas©

Wie soll man diesen "Tatort" nur zusammenfassen? Die Zusammenhänge von "Fette Hunde" sind so wahnsinnig komplex. Sebastian Brandt (Roeland Wiesnekker), Dolmetscher für arabische Sprachen, kehrt mit seinen Kollegen Matthias und Thomas aus Afghanistan zurück, wo er den Truppen in Krisengebieten hilft. Er hat einiges erlebt und ist durch die Eindrücke im Kriegsgebiet psychisch angeschlagen. Das führt zu Problemen mit seiner Frau Lissy (Anna Loos), die auch die ehemalige Kollegin des Kommissaren-Duos Bellauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) ist. Sie will nicht, dass ihr Mann wieder zurückgeht und versucht, ihn in Deutschland zu halten. Was sie nicht weiß: Sebastian hatte während des Einsatzes eine Affäre mit Amina (Maryam Zaree), einer afghanischen Drogenschmugglerin.

Aminas Bruder Milas ist ebenfalls in die Drogengeschäfte verwickelt und so kommt es, dass sich die beiden mit mehreren Kilos Heroin im Bauch zur gleichen Zeit in Köln einfinden wie Sebastian und seine Kollegen. Organisiert wird der Coup vermutlich von Geschäftsmann Rüther, der mit seiner Stiftung "Pro Afghanistan" vorgibt, eine Alternative zum Drogenhandel zu schaffen und seine Auslandsbüros direkt neben dem Lager der deutschen Soldaten hat.

Die beiden Afghanen sind in Köln, um die Drogen, die eingeschweißt in Kondomen in ihren Körpern lagern, bei einem Dealer abzuliefern. Doch bevor die Übergabe stattfinden kann, wird Milas vor den Augen seiner Schwester erschossen. Danach schlitzt der Täter ihn auf und entnimmt die Drogen - so finden Ballauf und Schenk die Leiche schließlich vor. Eigentlich sind die beiden aber mit etwas ganz anderem beschäftigt: ihre Ex-Kollegin Lissy zu trösten, die ja Probleme mit Sebastian hat. Die beiden Kommissare ermitteln in gewohnt eingespielter Manier. Durch die Verwicklung der ehemaligen Kollegin in den Fall verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit und die beiden verbringen auch den Feierabend miteinander. Gemeinsames Aufwachen nach einer durchzechten Nacht und das anschließende Zähneputzen im Büro macht die Kollegen eher zu Freunden.

Zu viele Aspekte für zu wenig Zeit

Allein die Personenkonstellation reicht schon aus, um komplett zu verwirren und von der eigentlichen Handlung abzulenken. Dabei greift Regisseur Andreas Kleinert zwei wichtige Konfliktthemen auf. Er spricht das Problem mit den Heimkehrern aus Kriegsgebieten an. Die deutschen Männer, die für ihre Einsätze im Ausland stationiert sind, kommen nicht so wieder, wie sie das Land verlassen haben. Nicht seelisch und oft auch nicht körperlich. Sie bringen ihre Erlebnisse und Erinnerungen mit nach Hause. Ein Problem, das zu selten bemerkt und angesprochen wird, das weit weg scheint. Daneben beschreibt Kleinert die Armut der afghanischen Bevölkerung, die darauf angewiesen ist, sich mit Drogenhandel den Lebensunterhalt zu verdienen. Nur sind zwei derart umfangreiche Themen zu viel für 90 Minuten "Tatort".

Mehr als neun Personen stehen irgendwie miteinander in Verbindung und haben Schlüsselrollen. Doch wird das alles viel zu spät klar. Zwei getrennte Handlungsstränge - die deutschen Heimkehrer auf der einen Seite und die afghanischen Drogenkuriere auf der anderen - ziehen sich viel zu stark in die Länge, bevor sie zusammenlaufen. Erst zehn Minuten vor Schluss wird auch dem Zuschauer klar, wie sich der Kreis schließt. Und dann geht auf einmal alles ganz schnell. Sebastians Sohn Constantin wird verschleppt und der Vater steht wenig später mitten in der Nacht, als er den Jungen retten will, seinem Kumpel Matthias (Wanja Mues) gegenüber. Und der ist der Mörder.

Die entscheidenden Fragen bleiben offen

Die große Erleuchtung? Nicht ganz. Was hat Matthias auf einmal mit dem Drogenhandel zu tun? Für wen arbeitet er? Wie viel wussten Sebastian und Thomas wirklich und welche Rolle spielen sie in dem Coup? Fragen, die leider auch nicht beantwortet werden, nachdem die Kommissare in letzter Minute eingreifen konnten. Für Erklärungen fehlt die Zeit. Man sieht nur, wie Sebastian am Ende nach Afghanistan zurückkehrt.

Aber was hat all das mit den fetten Hunden zu tun? Nicht wirklich viel. Es gibt eine Wüstenszene, die während der Handlung immer wieder eingeblendet wird. Es handelt sich vermutlich um eine Erinnerung in Sebastians Kopf: Ein dreckiger Hund rennt durch die Wüste und findet dort einen toten Soldaten. Die Szene dient wohl dem Zweck, die Zerrissenheit und Verstörung der Heimkehrer zu veranschaulichen. Immer wieder kreisen Sebastians Gedanken um die Erlebnisse, bis er schließlich auf dem Höhepunkt der Anspannung seinen eigenen Hund erschießt. Warum sich das Tiermotiv bis in den Titel zieht, bleibt aber ein Rätsel. Sie sind verwirrt? Bei diesem "Tatort" leider kein Wunder!

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