30. April 2012, 08:44 Uhr

Wallraffs Werk und Bosbachs Beitrag

Spannendes Thema, anstrengende Gäste: Günther Jauch wollte "Das Aldi-Prinzip" diskutieren, fand sich aber plötzlich im Wettstreit von Gut und Böse wieder. Von Sophie Lübbert

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Jauch musste irgendwann feststellen: "Das hätte eine ganz andere Sendung werden können"©

Es ist nur ein altes graues Foto, auf dem zwei Männer mürrisch in die Kamera schauen, aber Dieter Brandes freut sich darüber wie ein kleines Kind. Er versucht, sich ein stolzes Lächeln zu verkneifen, aber so ganz funktioniert es nicht. Immerhin ist er da auf dem Bild zu sehen, vor Jahrzehnten, in einem amerikanischen Supermarkt - mit Theo Albrecht, dem mittlerweile verstorbenen Mit-Begründer von Aldi.

Die Discounter-Kette birgt eine seltsame Faszination - sowohl für ihre Anhänger wie Ex-Vorstandsmitglied Brandes, als auch die strikten Gegner. Die Brüder, die Aldi gründeten, gehörten und gehören seit Jahren zu den reichsten Menschen der Welt, zeigen sich aber nie öffentlich. Das Unternehmen gibt keine Pressemitteilung oder Zahlen heraus. So etwas bietet Platz für Spekulation. Deshalb hat sich Günther Jauch an diesem Abend das Thema "Das Aldi-Prinzip – billig um jeden Preis?" ausgesucht. Und es funktioniert hervorragend, weil jeder was dazu zu sagen will. Auch, wenn er keine Ahnung hat.

Aldi-Mitarbeiter - glücklich oder unterdrückt?

Dieter Brandes kannte Theo Albrecht persönlich, wie das Foto beweist, und er verehrt diesen Mann, wie seine Worte beweisen. Bescheiden seien die Albrecht-Brüder gewesen, ihr Discounter-Prinzip schon seit 50 Jahren extrem erfolgreich, die Mitarbeiter gut bezahlt und glücklich. All das nickt Stefan Genth vom Handelsverband Deutschland ab; er bescheinigt Aldi "ein starkes Konzept", dort besinne man sich noch auf das was zähle, nämlich den Verkaufserfolg.

Begrenzte Produktpalette zu sehr günstigen Preisen, das ist das Patentrezept des Discounters, wenn man Brandes und Genth glaubt. Unterdrückte Mitarbeiter, die im von Angst erfüllten Betriebsklima diverse Überstunden abschuften müssen, das ist die Darstellung der Gegenseite.

Die besteht zuerst einmal aus Susanne Amann vom "Spiegel". Sie hat eine Titelgeschichte über die Aldi-Methoden geschrieben. Es gebe keine unabhängigen Betriebsräte, dafür ständige Kameraüberwachung der Mitarbeiter und Listen über kleinste Vergehen, damit schneller gekündigt werden könne. Leider verkauft Frau Amann ihre Position nicht gut; sie nennt kaum konkrete Fälle, sondern erzählt lieber einen kleinen Schwank darüber, wie sie an Albrechts Haustür geklingelt und er "Guten Abend" durch die Gegensprechanlage geantwortet habe.

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