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3. Februar 2012, 07:17 Uhr

Lass das mal den Roman machen

Die vierte Ausgabe von "Unser Star für Baku" passte vortrefflich zum Murmeltiertag, erneut hatte everybody`s Darling, Roman Lob, die Nase vorn. "Neue Facetten" hatte die Jury gefordert, erhört wurde sie dabei kaum. Von Ingo Scheel

Unser Star für Baku, USFB, Roman Lob, Stefan Raab, Eurovision Song Contest

Er hat die Haare schön: Roman Lob trat dieses Mal ohne Baseballcap auf© ProSieben

Irgendwo zwischen der 100. "Ruft jetzt an!"-Aufforderung, dem x-ten Werbeblock und der Automobil-Verlosung posaunte Steven Gätjen den Satz der Sätze hinaus: "Es ist die vierte von acht Shows" lautete er und es klang wie eine Drohung. Noch ganze vier Shows soll dieses Sangesdrama zerdehnt werden, bis endlich feststeht, wer denn nun "unser" Star für Baku ist und für "uns" dort beim ESC antritt?

Dabei klangen nicht nur die Stimmen einiger Kandidaten auf der Bühne jetzt bereits latent dünn, auch der Jury wurde zur Halbzeit von "USFB" die Haut etwas zu kurz und seien wir ehrlich: Der Roman macht das Rennen doch eh, oder? Doch der Reihe nach: "Facetten" lautete das Wort des Abends und genau die wollten Thomas, Stefan und Alina nun aber mal sehen. Die Braven sollen mal rotzen, die Rotzigen sexy sein, die Stillen mal laut werden, Profile sollen langsam geschärft werden, kurzum: Überraschungen müssen her.

"Ein bisschen Artikulation würde guttun"

Erfüllt wurden diese Ansprüche kaum. Unerwartetes blieb gänzlich aus, stattdessen war Murmeltiertag am Murmeltiertag: Wieder lag Roman Lob am Ende auf Platz eins der Tabelle. Bis das jedoch feststand, brauchte man unglaubliche 150 Minuten. Wohlgemerkt für ganze acht Liedchen, der Großteil davon im unteren db-Bereich. Shelly Philipps nuschelte sich durch das ohnehin nicht eben dynamische "Waterfalls" von TLC. Umut Anil, der schluffig-sympathische Lehramtsstudent aus Bielefeld, sang Adeles "Someone Like You" auf nur einem, dafür aber fast unhörbaren Ton. "Ein bisschen Artikulation würde guttun" befand Stefan Raab anschließend. Am Ende landete Anil auf dem vorletzten Platz und schied damit aus. Céline Huber versuchte sich an Joss Stones "Right to be Wrong", nahm den Songtitel aber ausgerechnet beim Versuch, die Töne zu treffen, da und dort zu wörtlich. "Der Dreck fehlt", bemängelte Raab, um zum Schluss zu kommen: "Aber vielleicht hast du den auch einfach nicht!"

Richtig "dirty" wurde es auch weder mit Ornella de Santis, die sich an Nelly Furtados "Try" versuchte, noch mit Sebastian Dey. Der frischgebackene Vater gab mit "Hey hey hey" erneut einen eigenen Song zum Besten, einen Reggae-Sing-a-long mit dem Näseln von Jan Delay, jedoch ohne dessen Gespür für den Hit. Selbstgeschriebene Songs finden Thomas D und Alina Süggeler natürlich knorke, das Publikum mag es am Ende dann doch lieber altbekannt. Christian Durstewitz wird ein Lied davon singen können. So hatte Sebastian die Props von der Jury, etwas besseres als der letzte Platz war für ihn jedoch nicht drin. Seine Band Expeditionsteam wird sich freuen, keinen neuen Sänger suchen zu müssen.

Die Erfolgsformel wiederholt

Das glücklichere Händchen bewies Katja. Die hatte sich Gaslight Anthems "The `59 Sound" ausgesucht, und auch wenn sie selbst kaum mit dem Schub der Studioband, den Heavytones, mithalten konnte, rüttelte sie mit dem Indie/Punk-Kracher zumindest das Publikum ein wenig aus den Sitzen. Yana Gercke machte ebenso Dampf unterm Kessel, wenngleich aus ganz anderer musikalischer Stoßrichtung. David Guettas "Titanium" war der Song ihrer Wahl und den röhrte sie in der Tat selbstbewusst und souverän. Attribute, die auch auf Roman Lob erneut zutrafen.

Dass der nun seiner Stilpalette so gar keine neue Facette hinzufügen, schien die Jury, längst zum Romanismus konvertiert, überhaupt nicht zu kratzen. Hatte Lob, diesmal ohne knuffiges Käppchen, in der letzten Sendung die Ballade "Easy" gesungen, war es nun mit Trains "Drops of Jupiter" beinah eine Blaupause davon. Der Erfolg gab ihm recht, man sieht ihn am nächsten Montag wieder und es spricht einiges dafür, dass man ihn auch an einem Samstag im Mai wiederhören könnte. Zwischen ihm und dem Ticket nach Baku jedenfalls dürfte nur noch Lena Gerckes kleine Schwester stehen.

Gegen Ende zeigte "Unser Star für Baku" schließlich noch, das man nicht nur wie eine QVC-Sendung aussieht, sondern dazu auch noch wie "9 Live" in besten Zeiten tickt. Die ohnehin umstrittene Blitztabelle wurde mit einem "Voting Showdown" zusätzlich befeuert. Alle 60 Sekunden wurde von Position eins abwärts jeweils ein Platz, bis hin zu Rang sechs, eingefroren. Dahinter hieß es weiter zittern und bangen und hoffen und harren. Oder wie Steven Gätjen es ausdrückte: "Im Prinzip bedeutet das nichts anderes als: Weiter anrufen!" Charmant geht anders.

Von Ingo Scheel
 
 
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