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19. August 2007, 10:00 Uhr

...Ulli Potosfski

Der Bergmannssohn aus Gelsenkirchen - Markenzeichen wilder Lockenkopf - wollte einst die Fußball-Berichterstattung revolutionieren: mit der RTL-Show "Anpfiff".

Ulli Potofski, 55, mit "Lion-King", einem seiner Rennpferde, auf der Koppel in seinem Wohnort Much im Bergischen Land. Neben Schalke 04 ist der Galoppsport seine zweite Leidenschaft

Herr Potofski, ich erwische Sie bei Ihrer Firma Napasai Media. Was ist das für ein Name?

"Napasai" ist Thailändisch und heißt "Schalke wird Meister" ...

... ein Wunsch, der sich nie zu erfüllen scheint.

Im Ernst: Es bedeutet "klarer, blauer Himmel". Ich bin im Urlaub auf den Begriff gestoßen, er gefällt mir einfach gut.

Was passiert bei Napasai Media?

Wir machen vor allem Hörbücher für Jugendliche und Erwachsene, zum Beispiel vertonen wir meine Fußballgeschichten um den Helden Locke.

Und wie laufen die Bücher?

Vom ersten Band habe ich über 20 000 Exemplare verkauft, für ein Kinderbuch sehr gut. Band zwei ist derzeit vergriffen und wird bald neu aufgelegt. Mit Locke mache ich jedes Jahr Lesungen an mindestens 60 Schulen. Da sehe ich dann das wahre Leben: Ein großer Teil der Kinder zwischen neun und elf Jahren kann heute nicht mehr sinnverstehend lesen.

Bei RTL waren Sie Chefverkäufer der Bundesliga. Jetzt bereiten sich die Fußballer auf die neue Saison vor. Und was machen Sie?

Ich ziehe mich für zehn Tage nach Portugal zurück, um den dritten Locke-Band zu schreiben. Anschließend geht auch für mich die Bundesliga wieder los, bei Premiere – so wie in der letzten Saison.

Die Bundesliga lief in der vergangenen Serie vor allem auf Arena. Ist das nicht unbefriedigend für jemanden, der einmal zu Millionen gepredigt hat?

Aus der Zeit der Eitelkeiten bin ich raus. Die kleinen Bühnen sind oft die wichtigeren, und der Job ist derselbe, ob ich ihn nun für 200 Zuschauer mache oder für fünf Millionen. Ich habe zuletzt ein paar Spiele für den Kabelsender Anixe HD moderiert. Das ist bislang nur was für Freaks, aber es macht Spaß, wieder bei einem Pilotprojekt dabei zu sein.

Als Sie Ende der Achtziger die Bundesligasendung "Anpfiff" moderierten, waren Sie für viele alte "Sportschau"-Gucker der Antichrist: zu viel Werbung, zu viel Show.

Für die Werbung konnte ich nichts. Und ja: Wir haben ein bisschen mehr Show reingebracht. Ich finde, man muss beim Fußball auch mal lachen können, aus Freude oder Schadenfreude. Vor allem aber wollten wir mehr Fußball zeigen, und das haben wir auch gemacht, 20 Minuten HSV gegen Duisburg. Okay, so etwas wollte dann keiner sehen, aber wir waren so naiv, das zu glauben.

Sie haben davon geträumt, "Das aktuelle Sportstudio" zu moderieren. Wovon träumen Sie heute?

Das "Sportstudio" würde ich immer noch gern machen, doch das ist natürlich völlig aussichtslos. Aber in den Niederlanden gibt es eine wunderbare Sportsendung, ein witziges Format und kritischer als alles, was man in Deutschland kennt. Mit moderner Bildsprache, zum Beispiel über versteckte Fouls im Tanzsport. So etwas würde ich gern machen. Aber im Moment bin ich mit Premiere ganz glücklich.

Knallten bei Ihnen die Sektkorken, als Sie erfuhren, dass Arena sich nach nur einem Jahr wieder verabschieden muss von der Bundesligaberichterstattung?

Ich bin kein Mensch, der wegen Senderechten die Sektkorken knallen lässt. Ich habe schon alles mitgemacht: Rechte gewinnen, Rechte verlieren. Was heute Sektkorken ist, kann morgen Sargnagel sein. In der Sportredaktion von Premiere werden sie sich sicher gefreut haben. Aber ich bin ja nur ein kleines Licht.

Sat 1 hat gerade den großen Hobel beim Personal angesetzt. Haben Sie ein paar tröstende Worte für die Kollegen?

Tja, das ist brutal und ungerecht, denn die haben einen guten Job gemacht. Die Kollegen tun mir leid, aber wer bei einem Privatsender arbeitet, muss eben mit diesem ständigen Schwert über dem Kopf leben.

Interview: Alf Burchard

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 32/2007

 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
peterhamburg (19.08.2007, 23:36 Uhr)
Ulli Potosfski...
... guter Mann, gute Ansichten. Gefällt mir.
 
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