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12. August 2009, 18:37 Uhr
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Zu knapp im Schritt

Ein Freibad in England verbietet zu knappe Herrenbadehosen, in einer Therme am Bodensee dürfen Männer nicht in schlabberigen Shorts ins Wasser: Wie kurz oder wie lang darf Bademode sein? Von Jens Maier

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Zu knackig fürs englische Freibad? Badehose der Firma "Speedo"© Bernd Thissen/DPA

Ob mit Gummi-Blümchen oder einfach nur als Nylon-Bedeckung: Es ist noch gar nicht so lange her, da galt in Schwimmbädern absoluter Badekappenzwang. Wer in den 80er Jahren ins Freibad ging, war gezwungen, sich eines dieser hässlichen Teile über den Kopf zu ziehen. Manche Oma trägt ihre giftgrüne Mütze noch heute, um ihre Dauerwelle nicht zu ruinieren. Pflicht ist das Tragen von Badekappen aber nicht mehr. Doch das heißt nicht, dass im Becken jetzt alles erlaubt ist.

Ein Fall aus dem englischen Freizeitpark Alton Towers sorgt derzeit für Aufregung. Der Betreiber hat das Tragen von zu knappen Badehosen in seinem Freibad verboten. Das Management will mit seinem Verbot "peinliche Situationen bei den Badegästen" vermeiden. Vor allem die "familienfreundliche Atmosphäre" sieht das Unternehmen durch zu enge Badeshorts gefährdet.

Dass weißhäutige Engländer mit dicken Bäuchen kein schöner Anblick sind, weiß jeder Mallorca-Urlauber. Dass dieser Anblick in enger Badhose noch schlimmer wird, auch. Der Park diskrimiert eine ganze Badehosengattung jedoch nicht aus ästhetischen, sondern aus moralischen Gründen. Enge Badehosen in denen sich das Geschlechtsteil abzeichnet, sind den Herren der Führungsetage zu sexy. Offenbar haben sie bei ihrem Verbot nicht an ihre Durchschnittslandsleute gedacht, sondern eher an britische Vorzeigeathleten wie David Beckham. Der räkelt sich im Sommer gerne mal in einer knappen, weißen Badehose auf dem Sonnendeck einer Yacht. Wer hat, darf schließlich auch zeigen - nur offenbar nicht in Alton Towers.

In deutschen Bädern scheinen nicht zu kurze Badehosen - Tangas mit behaartem Hintern begegnen einem in fast jedem Freibad - das Problem zu sein, sondern zu lange. Einige Bademeister haben der Schlabbershort den Kampf angesagt. Aus einem Bad in Sachsen-Anhalt wurde unlängst gemeldet, dass Herrenbade-Shorts, die über den Po hinaus gehen, verboten sind. Begründung: Das sei unhygienisch, weil sich in den Taschen allerlei Unrat befände, der dann ins Becken gespült würde.

Noch irrwitziger argumentiert ein Bad in Nordrhein-Westfalen. Dort will man zu lange Herrenbadeshorts verbieten, weil die Besucher damit zu viel Wasser aus dem Becken tragen würden, das teuer ersetzt werden müsse. Müssen Männer also bald auf die praktischen Shorts, unter denen sich auch so mancher Bauchansatz verstecken lässt, verzichten?

Joachim Heuser, Pressesprecher vom Bundesfachverband öffentlicher Bäder, hält ein Verbot von langen Shorts für Unsinn. "Hygienische Gründe dafür gibt es nicht. Die Filteranlagen in den Bädern sind heute so gut, dass lange Badeshorts kein Problem für die Wasseraufbereitung darstellen", sagte er zu stern.de. Viel wichtiger als die Länge der Badehose sei es, dass die Badbesucher sich vorher abduschten.

Auch das Argument, dass Wasser verschwendet würde, stimme nicht. "Pro Badegast muss jedes Bad ohnehin am Tag 30 Liter Frischwasser nachfüllen, da spielt es überhaupt keine Rolle, ob vielleicht ein oder zwei Liter durch die Badehose verloren gehen", sagt Heuser.

In der Muster-Haus- und Badeordnung des Fachverbandes werden deshalb auch keine Angaben über die genaue Kleidung gemacht. "Das ist Sache des jeweiligen Bades." Zwar sollte die Kleidung zum Schwimmen angemessen sein, zum Beispiel sollte man nicht mit schwerer Baumwollkleidung ins Wasser gehen, da diese einen eventuell nach unten ziehen könnte, ansonsten seien genaue Vorgaben über das Aussehen der Kleidung unangebracht.

Wer befürchtet, mit seiner Badekleidung Probleme zu bekommen, dem rät Heuser sich vor dem Besuch des Bades die jeweilige Badeordnung durchzulesen, die ausgehängt sein müsse. Die Bäder seien schließlich auf Besucher angewiesen, absurde Verbote seien deshalb eher die Ausnahme. Eben wie die Leute, die heute noch Badekappe tragen.

Von Jens Maier
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