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27. März 2010, 17:56 Uhr

Roboter am Fleischspieß

Bei Deutschlands erster Fachmesse für das türkische Fast-Food bestaunen Besucher vollelektronische Säbelmaschinen und philosophieren darüber, wie das Fleisch am besten geschnibbelt wird. Von Theresa Breuer

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Macht nicht unbedingt schöner, bringt aber Freude in die deutschen Mägen: der Döner© Michael Gottschalk/DDP

Ob Döner wirklich schöner macht, ist umstritten. Dass sich das Fleischgericht in den letzten Jahrzehnten zu einem der beliebtesten deutschen Fast-Food-Gericht etabliert hat, nicht. Das Licht der Welt erblickte er in den 70er Jahren in Berlin, sein Vater war ein türkischer Gastarbeiter, der das traditionelle Tellergericht seines Heimatlandes in Brot steckte und mit wahlweise Joghurtsoße oder Knoblauchsoße und "viel scharf" garnierte. Nach Schätzung des Instituts für Mittelstandsforschung in Mannheim füllen heute rund 60.000 Beschäftigte in 15.500 Betrieben Dönertaschen. In Berlin ist jetzt die Branche der schockgefrosteten Fleischkegel und Fertigsoßen zu ihrer ersten Fachmesse, der DÖGA, zusammen gekommen.

In der Eingangshalle stehen vorwiegend türkische Männer mittleren Alters staunend um einen Batzen Fleisch am Spieß herum. Staunend, weil das Fleisch nicht von Hand geschnitten wird, sondern von einem Döner-Roboter. Der besteht aus einer kleinen Kreissäge, die sich unermüdlich von oben nach unten durch den Riesen-Spieß fräst. "In Europa sind schon 30 solcher Maschinen im Umlauf", erzählt Mehmet Kabayker von der Hersteller-Firma Güctek Döner Robotu stolz. Für den Dönerbuden-Besitzer Hüseyen Müslim ist der Roboter schnickschnack. Mit 10.000 Euro zu teuer, außerdem schmecke das Fleisch nur handgesäbelt richtig gut. Die umstehenden Männer können das nicht bestätigen, sie futtern munter das saftige Fleisch, das der Roboter schneidet.

Neben dem Spektakel steht eine hübsche Hostess. Eine Türkin, versteht sich. Sie soll Besuchern ein spezielles Mercedes-Modell schmackhaft machen: den Sprinter 316 CDI, nur echt mit Döner-Einsteck-Schottbrett, Aluminiumbodenwanne, Temperaturschreiber und Standkühlung. Der Döner-Daimler ist ganz neu auf dem Markt und kann für ein Jahr geleast werden. Vor dem Messe-Eingang steht auch schon ein Modell, verziert mit einem Döneraufdruck.

Das Geschäft um den Fleischspieß ankurbeln

Die rund zwei Dutzend Messe-Aussteller wollen das Geschäft um den Fleischspieß ankurbeln. Laut Tarkan Tasyumruk, dem Vorsitzenden des Vereins Türkischer Dönerhersteller in Europa (ATDID), vergleichen Gastronomen nur selten Preis und Qualität der Lieferanten. "Ziel der DÖGA muss sein, den Wettbewerb zwischen den Lieferanten zu fördern." Nur so könne die Wirtschaftlichkeit der Dönerbuden-Landschaft in Deutschland auf lange Sicht gesichert werden, meint Tasyumruk.

Warum also Aussteller für Berufbekleidung, Gewürzmischungen und Kühltechnik hier sind, ist klar. An manchen Ständen stutzt man allerdings. Was macht beispielsweise die AOK mit einem eigenen Stand hier? Etwa eine Gesundheitsstudie zum Döner-Verzehr durchführen? "Nein, nein", versichert die Versicherungs-Mitarbeiterin Gül Scherzo lachend, "der Döner ist gar nicht so schlecht wie sein Ruf." Sie gehöre bei der AOK zur Abteilung "Ethno Vertrieb", die Betriebe wie Dönerbuden versichere und Mitarbeiter beschäftige, die mit deren Besitzern in der Landessprache kommunizieren können.

Unter türkischem Stern

Türkische Hostessen, türkische Geschäftsmänner und türkische Versicherungen. Hat sich da etwa ein Parallelmarkt zur deutschen Gastronomie-Branche etabliert oder hat man als Deutscher eine Chance, ins Döner-Geschäft einzusteigen?

Michael Feist ist einer der wenigen deutschen Aussteller und bezeichnet sich selbst als den ersten Dönerfachberater Deutschlands. Seit 15 Jahren berät er Unternehmen in der Produktion, zum Beispiel in der Fleischzusammenstellung. Dass die Branche nur für türkischsprachige Menschen offen stehe, hält er für ein Gerücht: "Die meisten Türken hier sprechen ja inzwischen fast besser deutsch wie wir." Da könnte was dran sein. Guten Appetit.

Von Theresa Breuer
 
 
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