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4. August 2009, 13:25 Uhr

Jugendliche kriegen den Hals nicht voll

Der Trend zum Koma-Saufen ist unter Jugendlichen ungebrochen. Laut einer Studie der Gmünder Ersatzkasse sind 2008 doppelt so viele Mädchen und Jungen wegen einer Alkoholvergiftung in die Notaufnahme deutscher Kliniken eingeliefert worden als sechs Jahre zuvor. Erschreckend: Der Klinikaufenthalt ändert das Trinkverhalten der Jugendlichen kaum.

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Ein Jugendlicher vor dem Spirituosenregal im Supermarkt. Nach wie vor hält der Trend zum Koma-Saufen bei Mädchen und Jungen an© Jörg Sarbach/AP

Trotz aller Ermahnungen betrinken sich immer mehr Mädchen und Jungen bis zur Besinnungslosigkeit. Im vergangenen Jahr wurden doppelt so viele Jugendliche mit Alkoholvergiftung in die Notaufnahmen deutscher Kliniken gebracht als sechs Jahre zuvor, berichtete die Gmünder Ersatzkasse GEK am Dienstag in Berlin.

Laut GEK-Report "Krankenhaus 2009" wurden im vergangenen Jahr gerechnet auf 10.000 Versicherte 37 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren völlig betrunken in eine Klinik gebracht. Im Jahr 2002 waren es lediglich 18 weibliche Trunkenheitsopfer gewesen. Bei den Jungen stieg die Rate im gleichen Zeitraum von 24 auf 52.

Für die Studie hatten Wissenschaftler des Hannoveraner Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) 1168 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 20 Jahren befragt, die in den letzten drei Jahren mindestens einmal wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus waren. Außerdem wurde eine repräsentative Vergleichsgruppe aus 1757 Jugendlichen dieser Altersgruppe ohne entsprechende Erfahrung einbezogen.

Auffälliges Ergebnis der Untersuchung: Krankenhauseinweisungen wirken offenbar nur wenig abschreckend auf die Jugendlichen. Rund 17 Prozent der Interviewten geben an, nach einem Klinikaufenthalt wegen Alkoholvergiftung ihr Trinkverhalten beizubehalten oder zu steigern. 83 Prozent der Jugendlichen trinken eigenen Angaben zufolge zwar weniger, konsumieren aber immer noch erheblich häufiger und mehr Alkohol als Jugendliche mit gemäßigtem Alkoholkonsum.

Laut Eva Bitzer, Autorin des Reports, lässt sich der drastische Anstieg des Koma-Saufens nicht allein dadurch erklären, dass heute Krankenhäuser schneller in Anspruch genommen werden: "Die Zahlen und Befragungsergebnisse belegen einen komplexen Trend, der durch die bisherige Diskussion oder vereinzelte gesetzgeberische Maßnahmen wie die Alkopopsteuer im Jahr 2004 weder gebremst noch umgekehrt werden konnte. Einfache Präventionsansätze greifen hier zu kurz."

Geplante Alkoholverbote in Innenstädten und Verkaufseinschränkungen bei Tankstellenshops bewertet GEK Chef Rolf-Ulrich Schlenker zurückhaltend: "Rauschtrinken darf nicht Trendsport werden. Einseitige Verbotsstrategien helfen aber auf Dauer nicht weiter. Wir sollten lieber die Präventionskultur als ein Verbotsklima fördern."

DPA/kng
 
 
KOMMENTARE (10 von 28)
 
botoxia (05.08.2009, 09:33 Uhr)
...
Warum sollten wir unsere Kinder erziehen, sie machen den Erwachsenen doch eh alles nach.
Kritiker-Kritiker (04.08.2009, 23:08 Uhr)
esopherah (4.8.2009, 16:38 Uhr)
Ohje, Ihr Kommentar zeigt, wie wenig Sie generell von dem Staatengebilde verstehen. Staat soll sich aus dem Privatleben raushalten?
Wenn die Betroffenen offensichtlich nicht selbst in der Lage sind, sich vor Gefahren zu schützen, dann ist es nun mal Aufgabe des Staates, dies zu tun. Sei es mit dem Jugendschutzgesetz, Nichtraucherschutzgesetz, oder was auch immer.
"Aus dem Privatleben raushalten" *kopfschüttel*... Misshandlungen zu Hause, Vergewaltigung, was auch immer, ist ja eigentlich auch Privatsache. Betrunken Auto fahren auch. In der Wachstumsphase dem Körper unmengen an (Nerven-)Giften zu führen ebenfalls... Nachher dem Staat/der Allgemeinheit auf der Tasche liegen, unbeteiligte in Situationen reinziehen,... das ist dann keine Privatsache mehr...
Shalize (04.08.2009, 18:56 Uhr)
@ manta
erst lesen, dann denken, dann schreiben. Es sind nicht 37 bzw 52 in einem JAHR, sondern 37/52 pro 10k Versicherte und Jahr. Daß das ein paar mehr sind als 37 dürfte klar sein, wenn man weiß daß in D ca 80 Mio. Versicherte leben. Viel Spaß beim Rechnen!
faustjucken_de (04.08.2009, 17:04 Uhr)
wir machen es doch vor..
Die Erwachsenen, nicht selten die eigenen Eltern, die Werbung und Typen wie Mario Barth auf der Bühne erzählen uns doch alle wie toll es ist, zu saufen, und dass man ohne Alk ja sowieso keinen Spaß haben könne.
Bitte schön, das ist die konsequente Quittung
esopherah (04.08.2009, 16:38 Uhr)
tja selber schuld
was bitte schön soll die jugend ausser saufen denn noch machen ?
mit 14 kommen ordnunghüter und verjagen sie vom spielplatz, in die disco kommen sie nicht, die jugenzentren sind von "integrationunwilligen mitbürgern" besetzt, vereine kosten zu viel u die freunde können nicht mit, die wohnungen der eltern sind zu klein (eine privatsphäre), der einzige rasen im umfeld ist betreten verboten, alle badeseen in der umgebung kosten nun geld...
Wär ich jugendlich würd ich auch nur noch saufen oder wie die andere hälfte nur noch am tv/pc sitzen.
Echt scheiss verlogen diese diskussion, denn am ende wird den jugendlichen der schwarze peter zugeschoben, obwohl sie nur in der scheisse leben die ihnen vorgesetzt wird. Ich bin für eine abschaffung der jugenschutzgesetze (keines davon bringt positive effecte, aber viele bringen negative), der staat soll sich endlich aus dem privatleben der bürger raushalten!
acitapple (04.08.2009, 16:23 Uhr)
@endbenutzer
in dem fall hätten die polizisten aber umgehend das jugendamt benachrichtigen sollen. da haben die eltern eindeutig ihre aufsichtspflicht verletzt. aber wer weiss, vielleicht waren ja die sprösslinge irgendeines stadtrates...
TheFreeman (04.08.2009, 16:16 Uhr)
Ganz einfach...
.... alle Komasäufer unter 18 Jahren müssen bei notwendiger ärztlicher Betreuung und/oder Krankenhausaufenthalt selbst für Ihre Kosten aufkommen, Basta!
Mal sehen, wie lange sie das durchhalten...
tepes (04.08.2009, 16:13 Uhr)
@romeodelta
nichts für ungut, wollte auch nicht direkt die Eltern als Vorbildsfunktion hinstellen. Mir ist ja klar das die Jugendlichen diese nicht als Vorbild sehen, denn das würde ja gegen die Regel der Pubertät sein ;)
Ich meinte damit eher das allgemein gesellschaftliche Ansehen gegenüber dem Alkohol. z.B. Alkoholwerbung Medienberichte über Ballermannpartys und Oktoberfest usw.Indem einige "Erwachsene" nicht wirklich tolle Vorbilder sind, wer verlangt da von einem 16-jährigen, dass er dieses schon kritisch hinterfragt?
leider ist es manchmal etwas schwerer in ein paar worten genau seine Meinung zu verdeutlichen, aber ich nehme an, dass Sie mir das verzeihen werden ;)
p.S. es ist schön zu wissen, dass es noch verantwortungsvolle Eltern bzw. Erwachsene gibt, die auch in der Lage sind, sich in die Problematik der heutigen Jugend hineinversetzen!!
MfG
romeodelta (04.08.2009, 15:53 Uhr)
@tepes
fast 100%ige Zustimmung - Nur kommen Sie nicht der "Vorbildkeule". Die Jugendlichen heute nehmen ihre Eltern grundsätzlich nicht zum Vorbild! Ich kann es nicht erklären, warum die heutige Jugend komasaufen muss. Auch ich war jung und habe ein paar Mal "über den Durst" getrunken aber nie habe ich so gesoffen wie die heute Jugend. Dazu muss ich sagen, dass ich Vater zweier Teenager (17 und 16) bin. Beide trinken/saufen Gott sei Dank nicht (jedenfalls ist mir bis jetzt nicht aufgefallen) Ich selber trinke fast nur alkoholfreies Bier aber ich glaube kaum, dass meine Kinder das überhaupt zur Kenntnis nehmen - sie achten nämlich auf das, was die anderen Jugendlichen machen. Wie bereits geschrieben, sie trinken sich nichts ins Koma und ich denke, dass sie es deshalb nicht machen, weil sie wissen, dass es blöd ist und nicht weil ich (in diesem Fall) eine Vorbildfunktion bin. Ansonsten hat Ganzbaf recht - es wird heutzutage nichts, aber gar nichts für Jugendlichen gemacht - also was sollen sie sonst tun?
endbenutzer (04.08.2009, 15:37 Uhr)
Ich erinnere mich gerade....
...an einen Artikel in einer Norddeutschen Zeitung im vergangenen Jahr. Ein lokaler Radiosender gab eine Party in einem Festzelt. Zu vorgeschrittener Stunde griffen zwei Polizeibeamte einige 14-jährige auf, die stark alkoholisiert waren und auch noch alkoholische Getränke mit sich führten. Die Polizeibeamten konnten die Eltern ausfindig machen - und bekamen von denen Prügel angedroht. Es wäre ja wohl eine Privatangelegenheit, ob Eltern ihren Kindern das Trinken erlauben. Nur soviel zum Thema Erziehung...
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