Ja zu Homosexuellen - Nein zur Homosexualität

30. Juli 2013, 14:59 Uhr

Als Papst Franziskus über gleichgeschlechtliche Neigungen sprach, weckte er das Interesse der Medien – und falsche Hoffnungen. Denn neu ist an der Position nichts. Von Frank Ochmann

Papst Franziskus, schwule Priester, Homosexualität

Papst Franziskus ließ sich auf dem Heimflug vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro nach Rom von Journalisten befragen. Es war seine erste Pressekonferenz - und die sorgte für Aufsehen.©

Wer bin ich, dass ich über ihn richte?" Das war jene Frage, mit der Papst Franziskus auch seinen Rückflug vom gefeierten Weltjugendtag in Rio de Janeiro zu einem Medienereignis erster Güte werden ließ. Und weil sich die inzwischen so oft zitierte Frage auf Homosexuelle bezog, wurde daraus schnell so etwas wie eine Revolution der katholischen Morallehre gemacht. Der Papst lehne Homosexuelle nicht mehr ab, hieß es, sie dürften jetzt auch Priester werden. Und irgendwie schien damit alles ins Rutschen zu kommen, was noch bis Rio in Sachen Moral gegolten hatte. Dass der Papst im selben Pressegespräch an Bord seines Fliegers die Priesterweihe für Frauen knallhart und offenbar für alle Zeiten ausschloss – "Diese Tür ist zu." – irritierte zwar manche, nahm seiner vermeintlichen Toleranz den Schwulen gegenüber aber nicht den medialen Glanz des Neuen. Doch neu ist rein gar nichts an der Position des Papstes.

Der bezog sich in seinem Statement ausdrücklich auf den Katechismus der katholischen Kirche. Und in dem heißt es über sexuelle Akte zwischen Menschen gleichen Geschlechts am Ende von Artikel 2357 kurz und knapp (und verbindlich): "Sie sind in keinem Fall zu billigen." Daran hat auch Franziskus nichts geändert, und er wird daran auch nichts ändern. Denn auch für diesen Papst ruht die kirchliche Lehre auf dem Fundament eines "natürlichen Sittengesetzes", das der Tradition nach Gott selbst in seine Schöpfung hineingeschrieben hat. Salopp gesagt: Er hat diesem Glauben nach die Welt und alles in ihr nicht nur geschaffen, er hat auch festgelegt, wie damit umzugehen ist.

Homosexualität "in sich nicht in Ordnung"

Wesentlicher Bestandteil dieses göttlichen – und deswegen aus Sicht der katholischen Kirche durch nichts und niemanden veränderbaren – Sittengesetzes ist die untrennbare Verbindung von Ehe und Sexualität mit der "Weitergabe des Lebens". Das Zeugen von Kindern darf zumindest nicht ausgeschlossen werden – im Allgemeinen ebenso wenig wie bei jedem einzelnen sexuellen Akt. Wenn das aber so ist, reicht die pure Logik, um sich den Rest der Gebote selbst zusammen zu reimen. Denn da eine homosexuelle Beziehung ihrer Natur nach nun mal keine Nachkommen hervorbringen kann, ist sie aus Sicht der kirchlichen Lehre eben "in sich nicht in Ordnung". Gleiches gilt für die Selbstbefriedigung, für die Sodomie oder auch den Oral- und Analverkehr unter Heterosexuellen. Da es in allen diesen Fällen per se zu keiner Befruchtung kommen kann, sind sie verboten. Dieses System von "erlaubt" und "verboten" ist also ganz einfach, wenn man es einmal verstanden hat. Und es ist dieses System, an das sich auch Franziskus weiter hält, ja halten muss, wenn er das Fundament kirchlicher Morallehre nicht aufgeben will.

Warum er dann sagt, er wolle über Homosexuelle nicht richten? So hat er das ja nicht gesagt, auch wenn es ihm vielfach unterstellt wurde. Wenn einer schwul sei – und jetzt kommen die entscheidenden Bedingungen! – und Gott suche und guten Willens sei, so der Papst sinngemäß, dann habe er nicht über eben jenen Schwulen zu richten. Nicht einmal dann, wenn dieser Schwule Priester sei oder geweiht werden wolle. Nur in dieser letzten Ausweitung liegt eine gewisse Neuerung, weil Benedikt XVI. Homosexuelle gänzlich von der Weihe ausschließen wollte – in der Folge jener Missbrauchsskandale, in denen Pädophilie und Homosexualität oft und dennoch fälschlicherweise in einen Topf geworfen wurden. Allein hier weicht Franziskus zaghaft von dem ab, was sein Vorgänger verfügte. Vor Benedikt war eine homosexuelle Veranlagung allerdings auch kein unverhandelbarer Ausschlussgrund für den Priesterberuf. Vielmehr herrschte eine Praxis, die an die bis vor kurzem beim US-Militär geltende Regel erinnerte: "Don't ask, don't tell." Man redete halt möglichst nicht drüber. Und so wird es in den Priesterseminaren wohl auch in Zukunft wieder gehalten werden.

Völlige Enthaltsamkeit geboten

Keinesfalls aber bejaht der Papst nun fröhliche schwule Umtriebe in seinem Klerus noch überhaupt in irgendeinem Teil der Gesellschaft. Denn wie im Katechismus (Artikel 2359) gilt auch für den Hüter jener Lehre unverrückbar: "Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen." Völlige Enthaltsamkeit ist das Gebot und nicht etwa nur eine Empfehlung. Und weil das so ist, kann eine Lebensweise ohne sexuelle Akte – Verstöße dagegen sind immer Sünde und müssen gebeichtet werden – eben auch in Einklang mit dem priesterlichen Zölibat stehen. Da braucht es schon deshalb keine Unterscheidung mehr in "hetero" und "homo", weil das Ergebnis für Priester ohnehin immer dasselbe ist: kein Sex nämlich.

Und dieses ernüchternde Gebot zu völliger Enthaltsamkeit ist es letztlich auch, das in jenen Einschränkungen steckt, die Franziskus im Flugzeug zur Bedingung für seine eigene Enthaltsamkeit beim Urteilen macht: "den Herrn suchen und guten Willens sein". Oder wie es in Priesterkreisen gern heißt: Die Sünde sollst du hassen, den Sünder aber lieben! Erst recht dann, wenn er "guten Willens ist", von der Sünde loszukommen. Von der hier und da schon gewitterten Revolution in der römischen Morallehre bleibt damit so viel wie von der kirchlich erlaubten Sexualität für Schwule – nichts.

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