. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
7. Juli 2010, 12:25 Uhr

Alt-68er Fritz Teufel ist tot

Er war einer der berühmtesten 68er der Republik, zuletzt lebte er in einem Pflegeheim: Fritz Teufel litt an der Parkinsonschen Krankheit. Jetzt ist der 67-Jährige gestorben. Sein alter Mitstreiter Rainer Langhans ist betroffen.

Alt-68er, 68er, Kommune 1, Kommune, Fritz Teufel, Teufel, Rainer Langhans, Langhans, Berlin, Parkinson

Fritz Teufel in Aktion: Der Kommunarde im September 1968 vor Demonstranten in Frankfurt© AP

Der Alt-68er Fritz Teufel ist am Dienstag im Alter von 67 Jahren in Berlin gestorben. Das bestätigte seine Freundin Helene Lollo am Mittwoch. Teufel, früher Mitglied der Berliner Kommune 1, litt seit Jahren an der Parkinsonschen Krankheit. Er sei zuletzt in einer Pflegeeinrichtung gewesen und dort an den Folgen seiner Krankheit gestorben, sagte Lollo.

Teufel war ab Ende der 60er Jahre bekannt für seine provozierenden Polit-Aktionen. Er verbüßte mehrere Haftstrafen, unter anderem als Mitglied der terroristischen Bewegung 2. Juni. Später arbeitete er als Bäcker in London und viele Jahre als Fahrradkurier in Berlin.

Die Berliner "tageszeitung" (taz), für die Teufel zeitweise als Kolumnist gearbeitet hatte, schreibt in einem Nachruf in ihrem Online-Dienst, in den vergangenen Jahren habe der Alt-68er zurückgezogen im Berliner Stadtteil Wedding gelebt.

"Er war ein ganz lieber Mensch"

Sein berühmter Mitstreiter Rainer Langhans zeigte sich direkt nach der Nachricht vom Tode Teufels betroffen und bedauert, dass die beiden so wenig Kontakt hatten. "Ich habe Fritz vor einem Jahr zum letzten Mal gesehen", sagte Langhans am Mittwoch der Nachrichtenagentur DPA in München. "Ich habe schon immer noch gehofft, dass wir alle noch wieder ein bisschen näher zusammenfinden. Leider ist das nicht passiert."

Teufel, der sich nach dem Ende der Kommune 1 von Langhans distanziert und sich in einem Interview auch über dessen vegetarische Essgewohnheiten lustig gemacht hatte, sei bei einem der letzten Treffen aber auf ihn zugegangen, sagte der 70-jährige Langhans. "Fritz war der Einzige, der auf mich zugekommen ist und gesagt hat: Du hattest Recht und ich hatte Unrecht. Leider hat das nicht dazu geführt, dass wir engeren Kontakt aufgenommen haben."

Übelgenommen habe er Teufel die Sticheleien nicht. "Das war halt seine Art - er musste seine Witzeleien machen. Ich empfand das als freundlich", sagte Langhans. "Er war ein ganz lieber Mensch."

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 30)
 
Onzapintada (09.07.2010, 17:54 Uhr)
"Mao-Bibel"
Worte des Vorsitzenden Mao Tse Tung.

Antiquarisch verfuegbar.
Onzapintada (09.07.2010, 17:51 Uhr)
@Zerberus (08.07.2010, 08:20 Uhr): Gründung der Grünen und der RAF sind natuerlich auch Folge von 1968
Aber abgesehen von der neoliberalen Wandlung der Grünen sind dies nicht die "Probleme, die wir heute haben".

@Johann58 (08.07.2010, 16:08 Uhr): Ich habe meine Mao-Bibel, die ich gerade nach langer Zeit wieder aus dem Regal geholt habe, erst im Jahr 2000 von einem Kollegen geschenkt bekommen. Interessant zu lesen, es steckt viel chinesische Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts und auch chinesische Filosofie drin. Man liest sie am besten wie "Die Kunst des Krieges" von Sun Tsu.
Johann58 (08.07.2010, 16:08 Uhr)
@Zerberus (08.07.2010, 08:20 Uhr)
Es war noch viel schlimmer, neben der Mao Bibel (Ich habe noch eine Westentaschenausgabe 'Quotations of Chairman Moa Tse Tung') hat man natuerlich auch China im Bild und die Peking Rundschau aboniert und bei der Bundeswehr mit Wandkalendern der Roten Armee den Alltag verschoenert.

Aber seinen Sie sicher, keiner wollte chinesische oder DDR Zustaende aber das wehret den Anfaengen war ausgepraegter als es heute ist und die 68er waren bereit dafuer auf die Strasse zu gehen und nicht nur zum kollektiven Besaeufnis beim Public Viewing.

Es nimmt Ihnen ja niemand uebel, dass sie wie Kohl schon gesagt hatte durch die Gnade der spaeten Geburt die Zeit nicht miterlebt haben aber Sie greifen sich ein paar Dinge raus und meinen das wars.

Die Republik waere eine andere ohne die 68er ob sie besser waere lasse ich mal dahin gestellt, ich glaube es nicht.

Jedenfalls war es keine no future Generation.
lautleise (08.07.2010, 15:20 Uhr)
Herbert -
sag ich doch. So war es und ich fuhr mit Vaters großem Auto zum ersten Mal alleine in Urlaub - nach Holland.
Auf der ganzen Fahrt immer wieder All you need is love und Satisfaction. Und keine Drogen, aber der Rausch der Freiheit...
herbert49 (08.07.2010, 13:17 Uhr)
1968
Kommentar SethusCalvisius 08.07.10 01.41:

Genau so war es!!!
lautleise (08.07.2010, 12:59 Uhr)
Getretner Quark wird breit und nicht stark
Mein lieber Zerberus, warum so frustriert mit der heutigen Zeit? Ohne die 68ger wäre in diesem Land doch bis heute nur gequirlte Scheiße anzutreffen. Haben wir den Kiesinger richtig nieder gemacht und mit Brandt in Warschau gekniet, das waren Zeiten!!! Aus Ihren Texten geht doch nur der blanke Neid hervor, dass Sie beim Rumvögeln nicht mitmachen durften. Ja, das hat Spass gemacht - bis heute....
Zerberus (08.07.2010, 08:20 Uhr)
@Johann58
Es stimmt aber schon, dass die Mao-Bibel nen Verkaufsschlager bei den 68ern war, oder ?

Wenn man natürlich die direkten Ergebnisse wie die Gründung der Grünen und der RAF sowie es Onzapintada tut, nicht mehr der 68er Generation anlastet, ja dann gibt es tatsächlich wenig an ihr auszusetzen. Das Recht Fehler zu machen und daraus zu lernen, sollte man allen zugestehen. Aber selbstverständlich war Fischer 68er, auch wenn er wie es so oft vorkommt die alten Ideale über Bord geworfen hat und der Macht wegen, sich den herrschenen Strukturen untergeordnet hat. Das werfe ich ja dieser Generation aucg vor, als sie jung waren wollten sie alles besser machen (ob sie es taten kann man sich drüber streiten) und jetzt haben sie sich in den Verhältnissen eingerichtet.

Das der heute herrschende Zeitgeist, sehr stark von den Grünen und der 68er Bewegung geprägt ist würden sie aber schon zustimmen, oder (SethusCalvisius zumindest stimmt zu)? Selbst wenn man den Neoliberalismus, als herrschende Ideologie in der Wirtschaft zur selben Zeit hat.
tatanuna (08.07.2010, 02:29 Uhr)
an tannebaum
Teufel hast mehr geleiste als Ihre Stasi Merkl.
beginnen Sie langsam Ihre brennende Baumspitze zu löschen.Habe schon manchen Primatenkommentar hier gelese, aber Ihre übertrefen selbst Kommentare eines Goldhamsters (IQ kleiner 20).
SethusCalvisius (08.07.2010, 01:41 Uhr)
Man muss sich einfach noch einmal in diese Zeit zurückdenken
Gute 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des 3. Reiches hatte man sich in Deutschland wieder bequem eingerichtet. Die alten Nazis saßen immer noch auf Schlüsselpositionen, ein ehemaliges NSDAP-Mitglied war aktueller Bundeskanzler, mit Notstandsgesetzen wurden die Rechte der Bürger eingeschränkt. Und das "gesunde Volksempfinden" war noch lange nicht tot. Es lohnt, sich noch einmal alte Straßeninterviews z.B. zum Thema "Hippies" anzusehen. Der Ausspruch "Unter Adolf hätte es das nicht gegeben" kam da wie selbstverständlich.
Hauptsache, die gutbürgerliche Fassade war in Ordnung.
Und dann kam dieser bunte Haufen, den wir dei 68er nennen. Ein eigentliches Konzept gab es gar nicht, geeint wurden sie vor allem von der Ablehnung der herrschenden Zustände. Linke Ideologien, freie Liebe, Kampf gegen Nazis, für bessere Bildung, gegen die schon erwähnten Notstandsgesetze, gegen die Preiserhöhung der Kölner Verkehrsbetriebe etc..................
Wie gesagt, ein bunter Haufen, aber die Auswirkungen waren gewaltig. Selbst die, die diese ganze Bewegung abgelehnt haben, haben sich ohne es zu wollen, daran angepasst. Selten ist eine Gesellschaft ohne Krieg oder Revolution so verändert worden.
Ob alles positiv war, darübr kann man ja streiten, aber ernsthaft zurückwünschen dürfte sich die Zustände vor 1968 kaum jemand.
Onzapintada (07.07.2010, 22:35 Uhr)
Fritz Teufel war ein Freiheitskämpfer
Die Probleme, die wir heute haben, rühren doch nicht von den 68ern her.

Dumpinglohn und Kinderarmut sind Folgen der neoliberalen Gegenreaktion, die in den siebziger Jahren ideologisch begann, in Deutschland aber erst mit dem Wegfall des Gegengewichts der DDR, die bei Tarifverhandlungen vorher unsichtbar immer mit am Tisch saß, unheilvoll einschlagen konnte, und mit Hartz-4 ihren bisherigen traurigen Höhepunkt erreichte.

Natürlich ist es nicht besonders verdienstvoll, dass sogar Gestalten wie Merkel und Westerwelle an die Spitze des Staates gelangen konnten (nicht mehr lange hoffentlich), aber diese Marktradikalen sind das genaue Gegenteil der 68er.

Und, was bitte schön, haben ein Industrielobbyist und Bellizist wie Joschka Fischer, eine Hartz-4-Befürworterin wie Claudia Roth, oder INSM-Lobbyisten wie Oswald Metzger oder Christine Scheel, mit 1968 zu tun? Die neoliberalen Grünen sind eine FDP mit bunten Halstüchern, die sich gern selbst etwas vormachen.

In Deutschland herrscht soviel Unfreiheit, wirtschaftlich verursacht, wie seit den 1930er Jahren nicht mehr.

Fritz Teufel war ein Freiheitskämpfer. Heute würde er mit seinem ganzen Witz gegen die ganz große Koalition der Neoliberalen aus CDUCSUSPDGRÜNEFDP streiten.

Danke Fritz, für den Mut, den du uns immer wieder gemacht hast. Du fehlst heute mehr denn je.
MEHR ZUM ARTIKEL
Post von Rainer Langhans "Wir waren schön, so schön!"

Er ist der letzte 68er, der noch immer das Ideal von damals zu leben versucht: Rainer Langhans. Sein Brief verbindet zwei Generationen von Rebellen: die von gestern und die von heute. mehr...

Die 68er Das bittere Ende

1968 war der Traum von einer anderen Welt. Weil die Revolution ausbleibt, erklärt eine Minderheit dem Staat den Krieg. Exklusiv bei stern.de: Joachim Fest in einem Originalbeitrag aus dem Jahr 1968 über den "Carbonaro Dutschke", "exzesse Redseligkeit" und "hoffnungslose Träumer". mehr...

Die 68er Als Hosentragen zum Redeverbot führte

Welches Lied war 1968 der erste Nummer-eins-Hit des Jahres? Wann wurde die Prügelstrafe abgeschafft? Und wem waren seine Orgasmusschwierigkeiten wichtiger als Vietnam? Testen Sie ihr Wissen über Deutschland vor, während und nach 1968. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe