HOME

Talkshow: "3 nach 9" feiert Halbzeitfest

Zu ihrem Markenzeichen gehören freche Fragen, mancher Skandal und stets Live-Musik. Deutschlands älteste Talkshow, "3 nach 9", feiert am Samstag sein 30-jähriges Jubiläum.

Die Talkshow "3 nach 9" von Radio Bremen hat ein für die Branche biblisches Alter, und ist die dienstälteste Sendung ihrer Art im deutschen Fernsehen. Die Show "ist ein Aushängeschild von Radio Bremen" und das jetzige Jubiläum "allenfalls das Halbzeitfest", wie Intendant Heinz Glässgen bei Aufzeichnung der großen Geburtstagsshow vorsorglich erklärte.

Mit dabei in der Sendung, die an diesem Samstag um 22.00 Uhr im dritten Programm des Norddeutschen Rundfunks ausgestrahlt wird, ist natürlich Gottfried Böttger, der die Show vom ersten Tag an bis heute am Flügel untermalt. In Abendkleid und Samtsmoking haben sich für den Anlass die heutigen Moderatoren Amelie Fried und "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo geworfen.

Zudem kommen frühere Moderatoren zu Wort, Mitschnitte erinnern an lustige und peinliche Momente. Geprägt aber wird die Sendung von den Musikeinlagen einer Vielzahl von Künstlern, darunter so verschiedene Formationen wie Rosenstolz und die Deutsche Kammerphilharmonie. Manche verbindet auch Spezielles mit "3 nach 9". Komiker Götz Alsmann etwa, der bei zwei der insgesamt nur vier Gelegenheiten in der Geschichte der Show mit seiner Band einsprang, als Böttger verhindert war. "Ich war 17,5 Sekunden im Bild und sah scheiße aus", sagte der Mann, der heute durch seine Haartolle auffällt.

Ein Rückblick

Überhaupt würde sich die Show gut für Quizsendungen eignen. Frage: Wie viele Moderatoren hat die Sendereihe erlebt? Antwort von Radio Bremen: exakt 38. Wie viele Gäste kamen zu Wort? Etwa 2.500. Welche Gäste kamen am häufigsten? Heiner Geißler und Gerhard Schröder, als er noch nicht Kanzler war. Und wer will das sehen? Im Norden allmonatlich bis zu 800.000 oder 18 Prozent der Zuschauer, bundesweit 1,5 Millionen.

Warum schließlich heißt die Sendung so, wie sie heißt? Die gängigste Erklärung: Am Anfang sprachen drei Moderatoren, Marianne Koch, Wolfgang Menge und Gert von Paczensky, ab kurz nach 21.00 Uhr mit interessanten bis Aufsehen erregenden Gästen.

Kleine Skandale

Legendär ist eine Sendung aus dem Jahr 1982, die in der Gala auftaucht. Damals saßen Bundesfinanzminister Hans Matthöfer und der Berliner Politclown Fritz Teufel mit am Tisch, bis Teufel den Minister mit Tinte bespritzte und dieser sich revanchierte, indem er sein Glas über Teufel entleerte. Erhebliches Vergnügen bereitete den Zuschauern auch jene Talkrunde 1978, in der Sexshop-Pionierin Beate Uhse dem Moderator Menge einen so genannten "Trockenspanner" für Präservative erläuterte (Uhse: "Das ist etwas für Sparsame").

Früher ließ schon mal ein Kameramann seine Kamera im Stich, um mitzudiskutieren, und es wurde open-end gesendet, heute ist um Mitternacht Schluss, und nach Einschätzung der Macher aus Anfangstagen geht es geordneter zu. "Doch auch wenn das Chaos-Element etwas in den Hintergrund getreten ist", sei die Talkshow wiederzuerkennen, urteilte einer von ihnen. Schließlich würden noch heute "gute und provokante Fragen gestellt".

Wer sich ein eigenes Bild machen will: Am Tag vor der Gala, am Freitag, wird aus Anlass des Jubiläums ab 22.00 Uhr über das normale Zwei-Stunden-Maß hinaus live getalkt. Das wie stets breite Gästespektrum reicht von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit bis zu Schauspieler-Witwe Hertha Rühmann.

Imke Zimmermann/AP / AP