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5. März 2009, 16:02 Uhr
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Wenn der Boden wegbricht

Tiefbauarbeiten sind immer wieder die Ursache für Unglücke, vermutlich auch in Köln. Dort hat es bereits beim Bau der Nord-Süd-Bahn-Probleme gegeben. Experten zweifeln aber dennoch nicht an der Sicherheit der Anlagen und warnen vor überzogenen Ängsten. Von Alexandra Schulz

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Für eine U-Bahn muss tief gegraben werden, so auch für die Kölner Nord-Süd-Bahn© Oliver Berg/DPA

Wände, Fensterrahmen und Mauersteine liegen durcheinander - ein meterhoher Berg aus Schutt türmt sich dort, wo vorher das Stadtarchiv stand. Am zweiten Abend wurden noch zwei Männer vermisst, die Feuerwehr hat die Hoffnung aufgegeben, sie lebend zu bergen. Schuld an dieser Katastrophe: "Zu 99 Prozent hat der Unfall mit dem Bau der U-Bahn zu tun", sagt ein Kölner Geograph und Bodenkundler, der unbekannt bleiben möchte. Er sei vertraut mit dem Gebäude, sitze oft im Lesesaal. Auch Eberhard Illner, der 22 Jahre lang im Historischen Archiv der Stadt Köln gearbeitet hat, hatte ebenfalls Vorwürfe gegen die Kölner Verkehrsbetriebe erhoben.

Für die U-Bahn haben Bauarbeiter neben dem Stadtarchiv eine Grube ausgehoben, 28 Meter tief und so breit, dass eine Weichenanlage reinpasst. "In der Grube befindet sich die Tunnelröhre für die Bahn. Um eine Weiche verlegen zu können, wurde um diese Röhre eine Art Kasten gebaut", sagt der Experte für Bodenkunde. Entweder sei eine Wand des Kastens undicht geworden oder Grundwasser sei von unten eingesickert. Deshalb sackte die Erde unter dem Stadtarchiv ab, was in Köln sehr leicht passieren könne. Durch die Nähe der Baustelle zum Rhein sei der Grundwasserspiegel dicht an der Erdoberfläche, so der Bodenkundler. Der Bau der Kölner Nord-Süd-Bahn hat schon früher für Ärger gesorgt. Durch den Tunnelbau war bereits ein Kirchturm in Schieflage geraten.

Experten geben Entwarnung

Auch in anderen deutschen Städten gab es Unglücke im Zusammenhang mit Tiefbauprojekten. 1997 brach in Berlin ein Tunnel der Deutschen Bahn ein, 1994 stürzte in München ein Linienbus in ein Loch, das sich an einer U-Bahn-Baustelle plötzlich auftat. Ähnliches passierte im Ausland: Im Januar 2007 verursachten in São Paolo Bauarbeiten für eine U-Bahn-Station einen Krater von 80 Metern Durchmesser - sieben Menschen starben. Zwei Jahre vorher stürzte ein U-Bahn-Tunnel in Barcelona ein, ein Wohngebäude fiel in sich zusammen.

Den Bau von U-Bahn-Projekten wegen solcher Unglücke generell zu verwerfen, sei "emotional", sagt Christoph Kreienbaum, Pressesprecher der Hamburger Hochbahn. "Man darf den Kölner Verantwortlichen nicht pauschal einen Vorwurf machen, man kann so etwas nicht zu 100 Prozent ausschließen". Auch in Hamburg wird gerade unterirdisch gebaut. Die U4 soll die Hafencity mit der Innenstadt verbinden. "Ein Unglück wie in Köln kann in Hamburg nach menschlichem Ermessen nicht passieren", sagt Kreienbaum. "Wir haben nur zwei offene Baugruben, eine in der Hafencity und eine am Jungfernstieg. Selbst wenn es zu Abrutschungen käme: "In der Hafencity gibt es keine Bebauung in der Nähe der Grube und am Jungfernstieg ist die Baugrube relativ klein, es würde nur ein Riss entstehen. Auch sind die Gebäude dort weit entfernt." Umstehende Häuser würden regelmäßig auf Risse und Veränderungen überprüft.

Auch der Tunnelbau-Experte Bernhard Steinauer von der TH Aachen hält die Risiken beim U-Bahnbau für gering. "Der Tunnelbau ist eine sehr sichere Sache. Normalerweise kann da nichts passieren." Bei einem Unglück wie dem in Köln müssten schon "sehr viele Zufälle und ungünstige Situationen" zusammenkommen. Generell werde die Statik permanent neu berechnet, ständig gebe es Kontrollen. Das ist auch in Köln geschehen.

Zuletzt haben die Zuständigen der Kölner Verkehrsbetriebe vor zwei Wochen nach den Senkungsrissen im Keller des Stadtarchivs geschaut. "Die kamen ja immer wieder zum Messen", sagt der ehemalige Abteilungsleiter Illner. "Es war bekannt, dass das Gebäude wegsackt." Die Katastrophe wäre vermeidbar gewesen. Das meint auch der Bodenkundler, der nicht namentlich genannt werden will. Er wirft den Verantwortlichen vor, sich drücken zu wollen. Gerüchten zufolge sei das Stadtarchiv marode gewesen. "Das ist absoluter Quatsch, das Gebäude war einwandfrei."

Mit DPA
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