Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
Kirchen gehören in europäischen Städten fest zum Stadtbild und zum kulturellen Erbe. In erster Linie natürlich als das, wofür sie einst gebaut wurden: Gotteshäuser, die Orte spiritueller Erfahrung und Begegnung mit anderen Menschen sind. Über die Jahrhunderte sind viele Kathedralen mit ihrer außergewöhnlichen Architektur und Kunst eher zu Sightseeing-Hotspots geworden. Und manche Besucher nutzen sie auf ihrem Städtetrip einfach für eine Pause. Ich erinnere mich da gern an ein Schild, das ich an einem heißen Sommertag am Eingang des Stephansdoms in Wien sah: „Gott freut sich über Sie, auch wenn Sie sich nur abkühlen wollen.“
Im Kölner Dom ist das ab Juli nicht mehr so einfach möglich. Ab dann wird dort Eintritt verlangt: Zwölf Euro soll der Besuch kosten, hat das Domkapitel, also die Verwaltung des Doms, gestern bekannt gegeben. Ausnahmen gelten für Kinder sowie Besucher, die zu Andacht und Gebet in die Kathedrale kommen. An einigen Feiertagen bleibt der Eintritt frei. Auch die Gottesdienste sind natürlich kostenlos zugänglich.
Zwölf Euro Eintritt für den Kölner Dom
Eine anhaltende finanzielle Schräglage hat die Maßnahme nötig gemacht. Seit Jahren schreibt der Dom rote Zahlen. Nach Angaben des Domkapitels gehen auch die Rücklagen, mit denen dieses Minus bisher aufgefangen wurde, zur Neige. Auch ein Gotteshaus finanziert sich nicht von allein – erst recht nicht ein so imposantes wie der Kölner Dom. Der Betrieb kostet 14,2 Millionen Euro im Jahr, das entspricht pro Tag fast 40.000 Euro. Die Einnahmen können da nicht mithalten. 2024 machte der Dom einen Verlust von 240.000 Euro.
In Köln, aber auch darüber hinaus hat die Ankündigung des Eintrittspreises für Diskussionen gesorgt. Die Katholische Kirche habe doch genügend Geld, hört man oft, und wolle sich nun auch noch an den Dombesuchern bereichern. Das allerdings ist ein Missverständnis: Der Dom, so lautet ein in Köln fast schon geflügeltes Wort, „gehört sich selbst“. Von der Kirche, in diesem Fall dem Erzbistum Köln, wurde er 2024 nur mit etwa 2,7 Millionen Euro unterstützt. Das Argument, der Dom werde durch Kirchensteuern finanziert, zieht also nur teilweise.
Der Großteil des Geldes kommt vom Zentral-Dombau-Verein, dessen Mitglieder für den Erhalt des Doms spenden. Sie sollen auch in Zukunft freien Eintritt erhalten. Darüber hinaus beteiligen sich auch die Stadt Köln und das Land Nordrhein-Westfalen mit Steuergeldern, die aber nur für Baumaßnahmen verwendet werden dürfen.
Ein Eintrittspreis ist also nahezu alternativlos, wenn der Dom weiter in Schuss bleiben soll – und deshalb auch kein Grund zur Aufregung. Andere monumentale Kirchen machen das längst so, sei es der Dom in Mailand, die Sagrada Família in Barcelona oder die St. Paul’s-Kathedrale in London. Streiten kann man über die Höhe des Preises: Wenn auch nur eine Million Besucher die zwölf Euro zahlen, ergibt das Jahreseinnahmen von zwölf Millionen Euro – damit sollte das Finanzdefizit mehr als kompensiert sein. Bisher verzeichnet der Dom Besucherzahlen von sechs Millionen, 99 Prozent davon Touristen.
Revolte gegen Markus Söder?
Das Selbstvertrauen von Markus Söder ist naturgemäß schwer zu erschüttern. Doch was gerade in seiner Partei vor sich geht, sollte selbst dem bayerischen Ministerpräsidenten zu denken geben. Über Pfingsten regte sich erste, noch halbwegs indirekte Kritik von CSU-Größen wie Manfred Weber und Erwin Huber.
Den Inhalt des Briefs, den ein CSU-Kreisverband an seinen Parteivorsitzenden geschrieben hat, kann man nicht mehr indirekt nennen – eher ist er ein klarer Angriff auf Söder. Es geht um dessen Social-Media-Präsenz, seine wechselnden politischen Positionen und die Koalition mit den Freien Wählern. Scheint so, als hätte Markus Söder gerade vor allem vor der eigenen Haustür viel aufzuräumen.
5-Minuten-Talk: Deutschland will an den Tisch der Großen
Frankreich, Russland, die USA, China sowie das Vereinigte Königreich sind die ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Deutschland hätte auch gern einen Platz am Tisch der Großmächte – und bewirbt sich deshalb als nichtständiges Mitglied. Heute fällt in New York die Entscheidung, die Konkurrenten sind Österreich und Portugal.
Es dürfte ein enges Rennen werden, eine Niederlage in der Abstimmung um die zwei Sitze wäre peinlich für Deutschland. Oder wird der Platz im Sicherheitsrat ohnehin völlig überbewertet?
Weitere Schlagzeilen im Überblick
Das passiert am Mittwoch, dem 3. Juni 2026
- Um 16 Uhr soll die Abstimmung über Deutschlands Bewerbung um einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat stattfinden
- Den zweiten Tag in Folge führen israelische und libanesische Regierungsvertreter direkte Gespräche in Washington. Dabei sollen langfristige Lösungen für den Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah gefunden werden.
- In Gießen beginnt der Prozess gegen einen 34-Jährigen, der in einem Wettbüro drei Männer mit Schüssen verletzt haben soll. Ihm werden versuchter heimtückischer Mord, gefährliche Körperverletzung sowie ein Verstoß gegen das Waffengesetz zur Last gelegt.
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Chiara ist 20, als sie erfährt, dass sie schwanger ist. Vier Tage später hält sie ihr Kind im Arm. Hier erzählt sie ihre Geschichte – und was sie die Erfahrung gelehrt hat.
Wie hat Ihnen dieser morgenstern gefallen? Schreiben Sie es mir gerne: eugen.epp@stern.de. Sie können dieses Morgen-Briefing auch als Newsletter in Ihr Postfach erhalten. Melden Sie sich einfach unter folgendem Link an.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Eugen Epp