"Vatileaks"-Affäre soll Papst zum Rücktritt getrieben haben

21. Februar 2013, 14:20 Uhr

Fühlte er sich dem Ausmaß des Skandals nicht mehr gewachsen? Die Tageszeitung "La Repubblica" berichtet, neue Enthüllungen zu Sex und Macht im Vatikan hätten Papst Benedikt zur Amtsaufgabe bewogen.

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Der Pontifex und sein Kammerdiener (Mitte): Mit dem Diebstahl vertraulicher Dokumente nahm der Vatikan-Skandal seinen Lauf.©

Papst Benedikt XVI. ist einem Bericht der römischen "La Repubblica" zufolge wegen des Ausmaßes der "Vatileaks"-Affäre um gestohlene Dokumente, Sex und Korruption im Vatikan zurückgetreten. Am 17. Dezember hätten ihm drei Kardinäle ihren nahezu 300 Seiten starken Geheimbericht zu der Affäre "Vatileaks" vorgelegt, in dem es auch um homosexuelle Beziehungen und Erpressbarkeit gehe, berichtete das Blatt am Donnerstag, ohne genaue Quellen zu nennen. An diesem Tag habe Benedikt seine lange erwogene Rücktrittsentscheidung gefällt.

Der Vatikan lehnte es ab, sich zu den neuen Spekulationen über mögliche spektakuläre Hintergründe der Entscheidung des Papstes zu äußern. Benedikt (85) hatte dafür Altersgründe ins Feld geführt.

Verborgenes Schwulennetzwerk

Die Kardinäle hätten dem Pontifex mit ihren Informationen "ein genaues Bild des Schadens und der faulen Fische" im Vatikan gegeben, so der Zeitungsbericht. Darin gehe es um "unsaubere Einflüsse" auf Mitglieder der Kurie und um ein übergreifendes, durch "sexuelle Ausrichtung" verbundenes Netz von Lobbyisten mit Finanzinteressen. Der Bericht sei explizit und spreche von Verstößen gegen mehrere christliche Gebote. Mit diesen Papieren auf seinem Schreibtisch habe Benedikt eine Woche vor Weihnachten seinen Rücktritt beschlossen.

Einige hohe Prälaten seien von außen durch Laien beeinflusst worden, denen sie durch Beziehungen "weltlicher Natur" verbunden gewesen seien, so die Zeitung. Das Wort Homosexualität sei in dem Zusammenhang gefallen. Zitiert wird jedoch lediglich eine über den Report unterrichtete Quelle mit der Behauptung, alles habe sich um die Nichtbeachtung der Gebote gedreht, wonach man nicht stehlen und keine "unreinen Handlungen" begehen dürfe. Die Kardinäle sollen ein verborgenes Schwulen-Netzwerk ausgemacht haben, das in Rom und im Vatikan Sex-Treffen organisiert habe. Kurienmitglieder in dem Netzwerk seien durch ihre sexuelle Orientierung erpressbar gewesen.

Geheimdokumente sollen an Nachfolger gehen

In der "Vatileaks"-Affäre um gestohlene und weitergegebene Dokumente des Papstes war Benedikts Kammerdiener verurteilt und später vom Kirchenoberhaupt begnadigt worden.

Benedikt tritt am 28. Februar von seinem Amt zurück. Dem Bericht zufolge will er die "Vatileaks"-Informationen persönlich seinem Nachfolger übergeben, in der Hoffnung, dass dieser "stark, jung und heilig" genug sei, um dann die notwendigen Schritte zu unternehmen. Wann die Papst-Wahl beginnt, war auch am Donnerstag noch offen.

lin/DPA
 
 
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