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26. September 2005, 20:12 Uhr

Treffen der besonderen Art

Überraschung im Vatikan: Papst Benedikt XVI. hat während einer unangekündigten Audienz den Kirchenkritiker Hans Küng empfangen.

Der Tübinger Theologe Hans Küng© Marijan Murat/DPA

Papst Benedikt XVI. hat sich überraschend mit dem Tübinger Theologen und prominenten Vatikan-Kritiker Hans Küng getroffen. Dem gebürtigen Schweizer war vor 26 Jahren von Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. die kirchliche Lehrbefugnis entzogen worden, da er die Unfehlbarkeit des Papstes anzweifelt.

Küng war in Tübingen jedoch auch nach dem Bannstrahl des Vatikans weiter als Professor für ökumenische Theologie tätig. Wie der Vatikan am Montag mitteilte, fand das Treffen am Samstag in der Sommerresidenz des Papstes südlich von Rom statt. Das Gespräch sei in freundlicher Atmosphäre verlaufen, wobei der Streit um Fragen der Kirchendoktrin ausgeklammert worden sei. Benedikt würdigte Küngs Beitrag zur Anerkennung fundamentaler menschlicher Werte. Der Schweizer Theologe seinerseits lobte die Bemühungen des Papstes, den Dialog zwischen den Religionen zu fördern.

"Nicht mein Wunschkandidat"

Benedikt habe schnell auf seine Bitte nach dem Treffen reagiert, das ihm Johannes Paul II. 25 Jahre lang verweigert habe, sagte Küng. Das Treffen gilt als Teil einer Versöhnungsstrategie Benedikts, das Verhältnis zu Kirchen-Abweichlern zu verbessern. Küng sagte der Nachrichtenagentur Reuters über sein Treffen mit Benedikt telefonisch aus Tübingen, der Papst sei aufgeschlossen für neue Perspektiven. Auch Küng sprach von einem Gespräch in freundlicher Atmosphäre. "Und ich bin überzeugt dass das für viele Menschen die erschrocken sind über diese Wahl, ein Zeichen der Hoffnung sein wird", fügte er hinzu.

Benedikt hatte vor seiner Papstwahl als Kurienkardinal Joseph Ratzinger den Ruf eines strengen Dogmatikers. Offenbar darauf anspielend sagte Küng: "Ratzinger war ja nicht mein Wunschkandidat". Über Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. sagte Küng: "25 Jahre hat er mich nie gesehen oder mit mir geredet".

Reuters

 
 
 
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