Ratgeber Urlaubsträume in Fernost und Südostasien

Bangkok entdeckt die Langsamkeit

Die meisten Thailandurlauber kombinieren ihren Badeurlaub mit einem Kurzbesuch Bangkoks. Wir geben Tipps für den Willkommens-Cocktail über dem Häusermeer und für eine Fahrt auf den Kanälen oder mit dem neuen Airport-Express. Von Jan-Philipp Sendker

Die neueste Errungenschaft Bangkoks ist bereits beim Landeanflug sehr gut zu erkennen: eine hochgelegte Bahnlinie, die sich wie ein gerader Strich vom Flughafen in die im Dunst liegende Innenstadt zieht. Seit Ende August bringt der Bangkok Airport Train Reisende in weniger als 20 Minuten ins Zentrum. Noch nie war die Ankunft in Thailands Hauptstadt so entspannt. Die Fahrt mit dem Taxi oder Bus durch die notorisch verstopften Straßen konnte früher zwei Stunden dauern. Ein Grund mehr, auf einer Asienreise oder beim Umsteigen nach Australien Zwischenstation in Bangkok zu machen.

Keine andere Stadt in der Region bietet dem Besucher so viel für sein Geld. Vier-Sterne-Hotels locken mit Übernachtungen für unter 50 Euro. Kaum teurer sind die gestylten Designer-Hotels, die in den vergangenen Jahren neu eröffnet haben. Selbst in der Luxusklasse gibt es häufig günstige Angebote die unter 100 Euro pro Nacht liegen, für Zimmer und Suiten, die in Hongkong oder Singapur das Drei- oder Vierfache kosten.

Khlong-Tour durch den Westen

Nur wenige Cent kostet die schönste Art, die Stadt zu erkunden - eine Fahrt mit der öffentlichen Fähre auf dem Fluss Chao Phraya oder einem seiner Seitenarme. Im 19. Jahrhundert nannte man Bangkok "Venedig des Ostens", so viele Kanäle durchzogen die Stadt. Auf der Ostseite des Flusses wurden die meisten von ihnen zugeschüttet, um Platz für Straßen zu schaffen. Auf der Westseite gibt es nach wie vor ein dichtes, weit verzweigtes Netz von Wasserwegen, den Khlongs. Vom Boot aus wirkt die sonst so hektische Stadt, als habe sie hier die Langsamkeit entdeckt. Frauen waschen in aller Ruhe ihre Wäsche und hängen sie am Ufer zum Trocknen auf. Kinder plantschen jauchzend im Wasser. Ein paar alte Männer sitzen auf einem Holzsteg und betrachten schweigend den träge dahin fließenden Strom.

Umso größer ist der Kontrast, sobald der Besucher das Boot an einer der Sehenswürdigkeiten verlässt. Am lohnenswerten ist der Besuch des Großen Palastes und des Phra Kaeo Tempels. In beiden herrscht von morgens bis abends Hochbetrieb. Familien, Schulklassen, thailändische Reisegruppen wandern durch die mehr als 200 Jahre alte Anlage. Sie bestaunen Wandmalereien, stehen ehrfürchtig in der Thronhalle oder vor dem berühmten Smaragd-Buddha, zünden Räucherstäbchen an, beten oder versinken in tiefer Meditation.

Eine Ahnung vom alten Bangkok bekommt der Besucher im Jim Thompson House. Der Amerikaner erweckte nach dem Zweiten Weltkrieg die vernachlässigte thailändische Seidenweberei zu neuem Leben. An einem Seitenkanal des Chao Phraya schuf er sich eine Oase im Zentrum der Metropole. Thompson ließ sechs Häuser aus Teakholz im traditionellen thailändischen Baustil auf Stelzen errichten. Er sammelte Antiquitäten und Möbel, Skulpturen und Kunst. Im Frühjahr 1967 verschwand er spurlos unter mysteriösen Umständen in Malaysia. Seitdem ist sein Anwesen der Öffentlichkeit zugänglich. Im tropischen Garten wachsen Palmen, Hibiskusbüsche, Bananenstauden - und es duftet nach Räucherstäbchen.

One Night in Bangkok

Wer Zeit und genug von der Großstadt hat, kann einen der schwimmenden Märkte, eine der Schlangenfarmen außerhalb der Stadt oder morgens zum Sonnenaufgang den Lumphini-Park besuchen. Dort absolvieren viele Paare ihren Frühsport in Form von Tanzeinlagen, andere meditieren oder machen Tai-Chi, begleitet vom Gezwitscher der tropischen Vögel. Bangkoks Nachtleben besteht schon länger nicht mehr nur aus Bars, Go-Go-Girls und den berühmten Night Markets. In den letzten Jahren eröffneten vor allem rund um die Sukhumvit und ihre Seitengassen zahlreiche Clubs, so gestylt und trendy, dass sie ebenso in New York, London oder Berlin-Mitte liegen könnten. One Night in Bangkok hat heute ein anderes Gesicht.

Vorher aber, zum Sonnenuntergang, ist ein Drink auf der Dachterrasse des Lebua State Tower Pflicht. In der Sky Bar "The Dome" sitzt man im 62. Stock unter freiem Himmel und mehrere hundert Meter über dem Fluss. Schwindelfreie Menschen können fast bis zur Kante gehen und durch das Geländer aus Glas senkrecht hinunter schauen. Auf einer Empore spielt eine Jazz-Band. Die in der Dämmerung leuchtende Stadt erstreckt sich bis zum Horizont, die Sonne färbt den Himmel rot, die Luft ist feucht und warm und nach dem zweiten oder dritten Mojito ist es dunkel, der Himmel voller Sterne und man weiß nicht mehr, ob man träumt oder wacht.

Infos Thailändisches Fremdenverkehrsamt
Bethmannstrasse 58
60311 Frankfurt
Tel. 069 - 138 13 90
www.thailandtourismus.de

Mit dem Boot durch Bangkok:
Chao Phraya Express Boat

 
 
MEHR ZUM THEMA