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Tuk-Tuk-Mafia hat Phuket fest im Griff

Auf Phuket kann der Urlaubstraum schnell zum Alptraum werden. Denn die thailändische Ferieninsel wird von der Tuk-Tuk-Mafia drangsaliert. Zuletzt wurde sogar ein Deutscher ins Koma geprügelt. Von Michael Lenz, Bangkok

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Die Tuk-Tuks bestimmen das Straßenbild auf Phuket©

An den unendlich vielen Verkaufsständen in Patong Beach ist das witzigste T-Shirt der Saison das mit dem Aufdruck: "Nein, ich will keine Massage. Nein, ich will keinen maßgeschneiderten Anzug. Nein, ich will keine DVD. Nein, ich will kein Tuk-Tuk." Selbstironie haben sie, die Thais. Dieser Aufdruck beschreibt so ziemlich alles, was man in Phukets touristischem Epizentrum den lieben langen Tag ausgesetzt ist: Massagegirls blockieren potentiellen Kunden den Weg. Aggressive Aufreißer der indischen Schneiderläden halten Passanten am Arm fest. Souvenirverkäufer aus Myanmar herrschen Urlauber barsch an: "Warum kaufst du nichts?"

Am unangenehmsten aber sind die Tuk-Tuk-Fahrer, die mit ihren roten Gefährten die Straßenränder zuparken, Gehsteige blockieren und wie Wegelagerer an den Zugängen zu Märkten stehen. Sie lauern vor Hotels, raunzen alle barsch mit "Where you go? Tuk Tuk?" an und gucken reichlich grimmig, wenn man ihr Angebot ignoriert. Das mag man am ersten Urlaubstag noch amüsant finden. Aber bald nervt es nur noch. Die Mafia hat die Standplätze vor den Hotels unter sich aufgeteilt. Fahrer müssen - je nach Hotel und Standort - bis zu 1000 Baht (24 Euro) am Tag an die Bosse abdrücken. Die Zeche zahlen die Urlauber, die mangels Alternative dem Tuk-Tuk-Monopol ausgeliefert sind.

Touristen werden Opfer

Tuk-Tuk-Fahrer werden auch schon mal brutal, wenn der Kunde nicht spurt. Opfer der vorläufig letzten Gewalttat war der Deutsche Kurt Trotnow. Es ist der 25. August. Trotnow will vom Paradise Complex in Patong Beach zu einer Kneipe fahren. Er handelt mit einem Tuk-Tuk-Fahrer den Preis aus: 100 Baht, also rund 2,40 Euro. Feste Tarife gibt es nicht. Schon 100 Baht sind für die 800 Meter lange Strecke eine Frechheit. Eine vergleichbare Taxifahrt in Bangkok kostet 14 Baht. Am Ziel verlangt der Fahrer von Trotnow dreist das Doppelte. Es kommt zu einem Disput. Dann schlägt der Tuk-Tuk-Fahrer zu, immer wieder und wieder. Schwer verletzt wird Trotnow in ein Krankenhaus eingeliefert, fällt in ein Koma, aus dem der 53-Jährige erst Wochen später wieder erwacht.

Der Fall von Trotnow ist extrem, und doch Normalität. Die Tuk-Tuk-Mafia hat Phuket seit Jahren fest im Griff. Wer auch immer versucht, deren Macht zu brechen, muss mit dem Schlimmsten rechnen. Das haben Politiker erfahren, die der Herrschaft der Mafia wenigstens ein paar Regeln auferlegen wollten. Das hat der Fahrer eines Busses erlebt, den lokale Behörden zwischen zwei Urlaubsorten eingesetzt hatten. Der Mann wurde brutal zusammengeschlagen. Damit war die Buskonkurrenz ein für alle Mal ausgeschaltet, wie auch mehrere Versuche inselweit scheiterten, die Taxis mit Taxametern auszustatten.

Ernste Bedrohung des Phuket-Tourismus

Niemand spricht offen über die Hintermänner. Selbst das ist schon gefährlich. Hinter vorgehaltener Hand aber heißt es, einige der reichen Familien der Insel, aus deren Reihen auch Bürgermeister, Polizeioffiziere, Richter und Behördenchefs stammen, seien die Paten. Da wundert es nicht, dass auch einen Monat nach der Gewalt gegen Trotnow der Täter noch nicht gefasst ist. "Ich habe mich mehrfach beim Polizeichef von Phuket nach dem Stand der Ermittlungen erkundigt, aber bisher keine Antwort erhalten", sagt Dirk Naumann, deutscher Konsul auf Phuket.

Landen gewaltsame Konflikte mit Tuk-Tuk-Fahrern vor Gericht, enden die Verfahren mit absurden Urteilen. Ein Kanadier durfte Thailand nur verlassen, nachdem er sich in einem Blitzprozess schuldig bekannt hatte und 1000 Baht Strafe zahlte. Sein Vergehen: Der Mann hatte sich gegen den Tuk-Tuk-Fahrer, der ihn krankenhausreif geprügelt hatte, gewehrt. Beschwerden von Urlaubern, die nachts während der Fahrt noch plötzlich ein paar hundert Baht auf den schon überhöhten Preis drauflegen oder aber laufen müssen, verhallen ungehört.

Die Willkür der Tuk-Tuk-Fahrer wächst sich zu einer ernsten Bedrohung des Phuket-Tourismus aus. Spanien und Griechenland hätten früher einmal ähnliche Probleme gehabt, warnte der niederländische Botschafter Joan Boer in einem Interview mit der Inselzeitung "Phuket Gazette" und fügte vielsagend hinzu: "Deshalb war dort der Tourismus um 30 - 40 Prozent eingebrochen." Diplomatische Verbrämungen beiseite lassend mahnte Boer die Thais: "Wenn es im Tourismus keine Sicherheit und Verlässlichkeit gibt, dann nutzen euch letztlich auch die günstigen Preise nichts."

Deutsche sind von Phuket enttäuscht

Der deutsche Phuket-Tourismus ist schon seit Jahren rückläufig, weiß Konsul Naumann. Suchten 2007 noch 250.000 Deutsche ihr Ferienglück auf der Insel in der Andamansee sind es jetzt nur noch 170.000. Die Zahl könnte, so Naumann, in den kommenden zwei, drei Jahren auf 120.000 sinken. Der teure Baht und die Verschmutzung des Wassers seien Gründe für den schwindenden Phuket-Enthusiasmus. Und eben die Tuk-Tuk-Fahrer. Er habe Anfang des Jahres eine private Meinungsumfrage unter einhundert Deutschen am Abflugschalter von Air Berlin auf dem Flughafen unternommen. "Ich musste selbst nach Deutschland und habe die Gelegenheit genutzt, mal direkt die Urlaubermeinung über Phuket zu erkunden." Das Ergebnis der sicher nicht repräsentativen Umfrage war alarmierend: 23 von 100 Deutschen waren von Phuket enttäuscht. Davon gaben 15 die ständige Belästigung durch die Tuk-Tuk-Fahrer als Grund an. "Diese 15 Prozent haben auch gesagt, dass sie nicht mehr nach Phuket kommen werden."

Unschöne Erfahrungen kann man auf der Insel viele machen. Da sind die betrügerischen Jetski-Vermieter an den Stränden. Deren simple Masche: Nach einer Jetski-Tour entdeckt der Vermieter Schäden an dem Gerät und bittet den Kunden zur Kasse. Immer sichtbarer werden auch die Umweltprobleme. Dem ungebremsten Bauboom fallen Wälder und Küsten zum Opfer, obwohl schon lange ein Überangebot an Hotelbetten herrscht.

Doch der Fall von Trotnow hat jetzt das Fass zum überlaufen gebracht. Westliche Botschafter wie die Missionschefin der USA in Bangkok haben ihre diplomatische Zurückhaltung aufgegeben und beziehen Stellung zu dem Tuk-Tuk-Terror auf Phuket. Österreichs Botschafter Johannes Peterlik hat gar schon öffentlich über eine Warnung Österreichs vor Reisen nach Phuket nachgedacht. Diplomatisch sagt Peterlik: "Derzeit ist es aber noch zu früh, eine solche in Erwägung zu ziehen. Wir sind derzeit dabei, mit der Zentralregierung in Bangkok Möglichkeiten zur Lösung des Problems zu erarbeiten."

Hört man sich auf Phuket um, überwiegen die Zweifel am Erfolg der diplomatischen Mission. Aber nicht umsonst lautet Thailands Werbeslogan "Amazing Thailand" oder zu deutsch: "Thailand ist immer für Überraschungen gut".

 
 
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