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Befallen vom Golf-Virus

Es gibt genügend Klischees über Golfer. Die wenigsten davon stimmen. Fakt ist: Der Golfsport boomt - und die Erfolgsgeschichte geht weiter. Von Klaus Bellstedt

Golfen Golf, Golfclub, Elitesport, Golfsport, Bernhard Langer, Martin Kaymer, Tiger Woods

In Deutschland boomt der Golfsport noch immer - ebenso wie in fast allen anderen Ländern© Colourbox

Was, Sie spielen Golf? Haben Sie etwa keinen Sex mehr? Ja, es gibt sie noch, die Klischees über eine der anspruchsvollsten Sportarten der Welt, den Golfsport. Und man wundert sich, dass es selbst im 21. Jahrhundert immer noch Menschen gibt auf diesem Planeten, die der festen Überzeugung sind, dass Golf etwas unmodernes Elitäres für reiche, alte Säcke sei. Diesen Klischeedenkern ist einfach nicht zu helfen. Diese Klischeedenker haben ein Problem: Sie haben einfach noch nie einen Golfschläger in der Hand gehalten, ausgeholt, zurückgeschwungen und dabei den kleinen Ball voll getroffen und wohin auch immer geschlagen. Allein der Sound eines korrekt getroffenen Golfballs würde diese Spötter direkt anfixen, jede Wette. Man muss sich nur mal trauen.

Ist die erste Schwelle überschritten und fruchtet die Überzeugungsarbeit, kommen die nächsten Sprüche: Aber das ist doch alles so teuer. Und man muss ja auch in einen Club antreten. Und was ist mit der Kleidung? Und wie heißt noch diese Erlaubnis, Platzreife? Golfzweifler muss man tatsächlich zu ihrem Glück treiben. Von wegen teuer! Ein komplettes Schlägerset für Anfänger gibt es bereits für knapp über 100 Euro käuflich im Internet (zum Beispiel bei www.shopzilla.de) zu erwerben. Das passende Schuhwerk (Golfschuhe braucht man wirklich!) gibt es bereits ab 40 Euro beispielsweise bei www.footjoy.de, ebenfalls im Internet. Nix Club, nix Platzreife, als Anfänger geht man mit seinen Schlägern zunächst mal auf eine öffentliche Driving Range (in Hamburg zum Beispiel die Golf Lounge, mehr Infos unter www.golflounge.de), kauft sich für acht Euro 100 Bälle und kloppt drauf los. Natürlich sitzt am Anfang nicht jeder Schlag - zumal ohne Trainer. Aber von den 100 Bällen werden zehn bestimmt getroffen - ein kleines bisschen Ballgefühl vorausgesetzt.

Und dann gibt es meist kein Halten mehr. Vom Virus infiziert folgt der Weg des Anfängers dann meist ohne Umwege zum Trainer, dem "Professional" oder auch nur "Pro" genannt. Der führt einen zur Platzreife, zum Golfführerschein. Erst danach kann man mit einer Mitgliedschaft in einem Club liebäugeln. Man kann aber auch "clubfrei" bleiben, zum Beispiel als Mitglied der Vereinigung clubfreier Golfspieler (siehe www.vcg.de). Intensiv-Platzreifekurse dauern in der Regel drei bis vier Tage und kosten zwischen 200 und 400 Euro. Hat man sich dazu entschlossen, die Platzreife im Golfsport zu machen, ist es wichtig zu wissen, dass man nach der erfolgreich bestandenen Prüfung sowohl in Deutschland als auch im Rest der Welt so gut wie auf jedem Golfplatz spielen darf. Die Platzreife ist also quasi die Eintrittskarte ins Paradies. Und bis dahin ist es eigentlich gar nicht so weit. In Deutschland wächst die Golfcommunity von Jahr zu Jahr. Längst ist der Wandel vom vielleicht früher mal elitären Ballspiel hin zum Breitensport geschafft. Allerdings setzte die Entwicklung hierzulande erst relativ spät ein - verglichen mit den USA, England oder Südafrika. Erst die Erfolge des deutschen Ausnahmespielers Bernhard Langer gaben dem Golfsport in den achtziger Jahren einen riesigen Schub und führten zu einer Flut von neuen Clubs und erstklassigen neuen Golfplätzen. In Deutschland gibt es (Stand Frühjahr 2010) derzeit 782 Plätze, auf denen knapp 600.000 Golfer ihre Schläger schwingen lassen.

Der charismatische Tiger Woods, den seine Fans trotz seiner zahlreichen Sex-Affären weiterhin bewundern und der von seiner Strahlkraft auf dem Platz nur wenig hat einbüßen müssen, ist inzwischen der bestverdienende Sportler des Planeten - ein Mann mit einem Golfschläger. Es gibt eine Fankultur mit angebeteten Idolen wie dem deutschen Shootingstar Martin Kaymer und riesige Turniere mit dem ehrwürdigen Masters in Augusta an der Spitze, die von Millionen Fans im Fernsehen verfolgt werden. Fanartikel, Kleidungsstücke und die Schläger der Topspieler finden reißenden Absatz, Golftouristen besuchen die von ehemaligen Stars wie Jack Nicklaus, Bernhard Langer oder Nick Faldo "designten" Golfplätze in der ganzen Welt. Golf boomt. Und Golf wird weiter boomen.

Ein Gutteil der Faszination für den Golfsport macht aber vor allem das besondere Spannungsverhältnis dieser Sportart aus. Eine Golfrunde ist pure Meditation, Konzentration, man spielt unter Ausblendung aller Störfaktoren gegen sich und den Platz - es ist eine ruhige und bedächtige Sportart, die Zeit braucht. Andererseits ist Golfen im Spitzenbereich brutaler Leistungssport mit knallharten Schlägen und ständigem Druck, bei dem man dauerhaft physisch und psychisch Höchstleistungen vollbringen muss, ein reizvolles Spannungsverhältnis, das sicherlich hauptverantwortlich für die besondere Anziehungskraft ist. Hinzu kommt ein einzigartig entspannter Lifestyle: Die allermeisten Golfplätze bieten eine schöne landschaftliche Umgebung. Eine Golfrunde an einem sonnigen Frühlingstag birgt Erholungscharakter - mit einem gemütlichen Essen und dem verdienten Bierchen im Clubhaus im Anschluss.

Gemütliches Bierchen, kleines Schnitzel, Clubhaus, Lifestyle? Schon treten die Klischeedenker wieder auf den Plan. Denen sei nur noch eines gesagt: Dass Golfer auch fit sein sollten, hat sich inzwischen herumgesprochen. Schließlich absolviert der Freizeitspieler auf einer Runde über 18 Löcher einen Fußmarsch von 8 bis 10 Kilometern und verbraucht dabei 1200 Kalorien. Da darf es dann hinterher schon mal ein Schnitzel sein.

Falls wir Ihren Appetit, liebe stern.de-User, auf den schönsten Sport der Welt geweckt haben sollten, dann sind Sie hier genau richtig. Der große stern.de-Ratgeber 'Golfen lernen' bietet eine Menge an nützlichen Informationen für Golf-Einsteiger. Wir verraten Ihnen, wie Sie den richtigen Golfclub finden. Wir führen Sie in die manchmal recht eigenwillige Golfsprache ein und sagen, welche Ausrüstung Sie brauchen. Zum Träumen gibt es auch etwas: Unsere Fotogalerie über die schönsten Golfplätze der Welt, auf denen Sie ja vielleicht auch mal eines Tages eine Runde spielen werden. Als besonderen Leckerbissen haben wir für Sie noch den Golf-Wissenstest entwickelt. Wenn Sie den lösen, haben Sie die Platzreife praktisch schon in der Tasche. Guten Schwung!

Von Klaus Bellstedt
 
 
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