Schon mit fünf Euro im Monat wird Ihre Altersvorsorge
sicherer. Die richtige Strategie für ein gutes
Rentnerleben - und ein persönlicher Finanz-Check. Von Frank Donovitz und Joachim Reuter
Vom Gehalt zur Rente
Die Höhe der gesetzlichen Rente hängt
vom jährlichen Bruttoverdienst ab. Den
Verdienst rechnet die Deutsche Rentenversicherung
in sogenannte Entgeltpunkte um.
Wer in einem Jahr so viel verdient hat wie
der Durchschnitt aller Rentenversicherten
(2007: 29 488 Euro), erhält genau einen
Entgeltpunkt. Wer nur 16.000 Euro verdient,
bekommt 0,5426 Punkte; ein Jahreseinkommen
von 34.000 Euro bringt 1,1530 Punkte.
Ob man Vollzeit oder Teilzeit arbeitet, ist dabei
egal. Der Höchstbetrag (Beitragsbemessungsgrenze)
liegt bei 63 600 Euro (West)
und 54.000 Euro (Ost), das entspricht etwa
zwei Entgeltpunkten.
Der Faktor Zeit ist zweitrangig: Ein gut
verdienender Akademiker kann in 30 Berufsjahren
mehr Entgeltpunkte ansammeln
als ein Arbeiter während 45 Berufsjahren.
Die persönlichen Entgeltpunkte werden am
Schluss des Berufslebens mit dem aktuellen
Rentenwert multipliziert, den das Bundesarbeitsministerium
in der Regel jährlich
neu festlegt. Aktuell beträgt er 26,27 Euro
(West) bzw. 23,07 Euro (Ost). Ein Durchschnittsarbeitnehmer
im Westen, der
45 Jahre lang Beiträge gezahlt und damit
45 Entgeltpunkte gesammelt hat, erhält also
nach heutigem Stand 45 mal 26,27 Euro =
1182,15 Euro monatliche Rente. Das ist der
sogenannte Eckrentner.
Die gesetzliche Rente richtig einschätzen
90 Prozent der Deutschen
haben kein Vertrauen mehr
in die gesetzliche Rente, 49
Prozent haben sogar Angst
davor, im Alter arm zu sein
(siehe Grafik). Und diese
Sorgen haben einen Grund:
Das Auszahlungsniveau der
gesetzlichen Rentenversicherung
wird künftig geringer
sein als bei heutigen
Rentner-Generationen. Falsch
wäre jedoch die Befürchtung, künftig
gäbe es keine oder nur noch eine Mini-
Rente. Die
Wahrheit liegt
irgendwo dazwischen.
Zur Erinnerung:
Die gesetzliche
Rentenversicherung ist
kein Sparvertrag, der im
Alter mit Zins ausgezahlt
wird. Nahezu jeder eingezahlte
Euro wird sofort
wieder ausgegeben - an
die heutigen Rentner.
Dieses 1957 unter Konrad
Adenauer eingeführte
System nennt sich
"Umlageverfahren".
Junge zahlen für Alte. Einzahler müssen
darauf hoffen, dass die folgende Generation in der Lage ist, ihre Rente zu bezahlen.
Dieses stille Abkommen heißt "Generationenvertrag".
Doch schon heute genügen
die Gelder der Jungen kaum mehr, um
die erworbenen Ansprüche von immer
mehr, immer länger lebenden Senioren zu
decken.
Eine ungefähre Vorstellung, was Versicherte
später an Rente erwarten können,
gibt die sogenannte Renteninformation.
Sie wird regelmäßig an alle Einzahler verschickt.
Darin eingearbeitet ist bereits, dass
das Rentenniveau von heute - ungefähr 48
Prozent des Bruttoeinkommens - auf
unter 40 Prozent sinken wird. Zumindest
diese Lücke muss man schließen, wenn
man im Alter auf dem Niveau heutiger
Rentner leben will. Zu beachten ist dabei
auch der Effekt der Geldentwertung (Inflation).
Von einer heute in Aussicht gestellten
Rente in Höhe von 800 Euro bleiben
bei der aktuellen Inflationsrate von rund
zwei Prozent nach zehn Jahren noch 653
Euro an Kaufkraft übrig. Nach 20 Jahren
sind es nur noch 534 Euro.
Um den Lebensstandard im Alter halten
zu können, sollten Sie mindestens die
nächsten beiden, besser aber alle vier folgenden
Schritte machen.
Betriebsrente sichern
Jeder Arbeitnehmer
in Deutschland
hat einen
rechtlichen Anspruch
auf betriebliche
Altersvorsorge.
Damit
ist keine Betriebsrente
gemeint,
die vom
Unternehmen
allein gezahlt
wird. Firmen
sind lediglich gesetzlich
verpflichtet,
ihren Beschäftigten
mindestens
einen externen
Finanzierer von Betriebsrenten zu vermitteln.
Das können Pensionskassen und
-fonds, Unterstützungskassen sowie (Direkt-)
Versicherungen (siehe Tabelle) sein.
In diese Einrichtungen können Arbeitnehmer
flexibel einzahlen. Manchmal beteiligen
sich auch die Arbeitgeber daran.
Wesentlicher Vorteil der betrieblichen
Vorsorge: Die Kosten für solche Verträge
sind in aller Regel niedriger als beim privaten
Abschluss, die Rendite ist deshalb höher.
Einzahlungen fördert der Staat außerdem
mit hohen Steuer- und Abgabenrabatten.
Von späteren Auszahlungen zwackt
er dafür allerdings einen Teil ab.
Oft wird ein Teil des Jahresgehaltes
(etwa Urlaubs-, Weihnachtsgeld oder Sonderzahlungen)
in betriebliche Vorsorge
"umgewandelt". Beispiel: Ein 40-jähriger
Arbeitnehmer zahlt jährlich 1500 Euro
in eine Pensionskasse ein. Dort wird das
Geld überwiegend in Zinspapieren und zu
einem geringeren Teil in Aktien angelegt.
Mit 67 bekommt er garantiert 52 600 Euro
ausbezahlt - konkurssicher und unabhängig
von Arbeitsplatz- oder Branchenwechseln.
Bei einer marktüblichen Rendite von
vier bis sechs Prozent können daraus mehr
als 74 000 Euro werden. Das ergibt gut 300
Euro monatliche Zusatzrente.
Fragen Sie Ihren Chef, nerven Sie die
Personalabteilung oder den Betriebsrat:
Die betrieblich organisierte Altersvorsorge
ist sehr empfehlenswert.
Riester-Sparen beginnen
Die Riester-Renten ist aktuell ins
Gerede gekommen: sie rechne
sich für Geringverdiener
nicht. Riester-Ersparnisse
würden bei Anspruch auf die
staatliche Grundsicherung, eine
steuerfinanzierte Alterssozialhilfe,
voll angerechnet. Wer weniger als
700 Euro monatlich an Rente zu
erwarten habe, die dann mit der
Grundsicherung vom Staat aufgebessert
würde, spare mit Riester vergebens.
Doch hier kann noch viel passieren: Politiker
von Union und FDP schlagen derzeit
vor, Riester-Renten teilweise nicht auf
die Grundsicherung anzurechnen. Motto:
Wer mehr spart, muss auch mehr davon
haben.
Aber selbst wenn die Politik die Regelung
nicht mehr ändert: Riestern sollte
man trotzdem immer! Denn niemand
kann Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsumstände
der kommenden Jahre
oder gar Jahrzehnte exakt vorausberechnen.
Privat für ein sicheres Plus in der eigenen
Alterskasse zu sorgen, kann schon deshalb
kein Fehler sein.
Das Argument, man habe für Riester-Sparen nicht genug Geld übrig, zieht auch
kaum: Der sogenannte Sockelbetrag, den
Sparer selbst aufbringen müssen, beträgt
nur fünf Euro pro Monat (60 Euro pro
Jahr). Das ist eine Zigarette weniger am Tag
oder der Verzicht auf zwei Bier im Monat.
Achtung: Finanzberater reden
oft von einem "Mindestbeitrag" in
Höhe von vier Prozent des Einkommens,
also deutlich mehr als
dem Sockelbetrag. Wer diesen
Beitrag zahlt, erhält die maximale
Förderung. Doch
das ist kein Muss. Lassen
Sie sich also davon nicht
verwirren! Sie allein bestimmen
die Höhe Ihrer
Riester-Sparrate, und diese
ist jederzeit veränderbar.
Auch wenn Sie Ihre Rate
niedriger wählen als jenen
"Mindestbeitrag", profitieren
Sie von allen Vorteilen
des Riester-Sparens:
- Hohe staatliche Zulagen und Steuervorteile - es gibt kaum eine seriöse Geldanlage,
die rentabler ist!
- Geld-zurück-Garantie: Bei jedem Riester-Vertrag werden am Ende der Laufzeit mindestens die eingezahlten Beiträge plus staatliche Zulagen ausgezahlt.
- "Hartz IV"-Schutz: Riester-Sparverträge
müssen bei längerer Arbeitslosigkeit
nicht aufgelöst werden.
Drei Varianten stehen zur Wahl:(1)Riester-Fondsparen ist für alle geeignet,
die jünger als 40 sind. Diese Variante
hat die höchsten Ertragschancen. Zahlt
zum Beispiel ein 35-jähriger Single (Jahresbruttoeinkommen
30.000 Euro) konstant
20 Euro monatlich in einen Riester-Fondssparplan
ein, steht ihm mit 67 ein Kapital
von rund 33 000 Euro zur Verrentung zur
Verfügung; macht eine Monatsrente von
etwa 170 Euro. Hätte er ein Kind, betrüge
das Kapital gut 38 000 Euro und seine Riester-
Rente 200 Euro. Die Stiftung Warentest
hat die zertifizierten Fondsangebote untersucht
und einige als "empfehlenswert" eingestuft
(siehe Tabelle). Wichtig: Sie müssen
nicht Kunde bei Banken oder einer Sparkasse
sein, um dort einen Riester-Sparplan
abzuschließen. Sie können sogar direkt bei
einer Fondsgesellschaft riestern. (2)Riester-Banksparen ist besonders
geeignet für alle, die älter als 45 Jahre
sind. Geboten werden sichere Zinsen zu
sehr geringen Gebühren. Ein Riester-
Banksparplan ist daher meist schon ab der
ersten Einzahlung im Plus. Mehr als vier
Prozent Rendite pro Jahr sind möglich.
Kaum zu glauben, aber wahr: Deutsche
Bank, Commerzbank, Postbank, Hypo
oder Dresdner haben Riester-Banksparprodukte
gar nicht im Angebot. Aber
neben vielen regionalen Geldinstituten
halten einige Genossenschaftsbanken und
Sparkassen ihre Offerten bundesweit
parat (siehe Tabelle). (3)Riester-Rentenversicherung sind bedingt
geeignet für sehr sicherheitsorientierte
Einsteiger, die zwischen 40 und 45
Jahre alt sind. Bedingt, weil private Rentenversicherungen
wegen der steigenden
Lebenserwartung ihrer Kunden die Höhe
ihrer Auszahlungen zurückschrauben
müssen. Fonds- oder Banksparen ist für
viele Verbraucher deshalb die klügere
Wahl. Bei Fonds und dem Banksparen
kann das Ersparte überdies problemlos
vererbt werden, was bei der Riester-Rentenversicherung
ausdrücklich vereinbart
werden muss - und die Rendite noch
einmal schmälert.
Trotzdem empfehlen nicht nur
Versicherungsvertreter, sondern
auch viele Bank- und Sparkassenberater
eine Riester-Versicherung.
Warum? Sie bringt in der Regel
mehr Provision als das hauseigene
Fonds- oder Banksparangebot. Noch lieber
werden sogenannte fondsgebundene
Riester-Versicherungen verkauft. Sie bescheren
den Konzernen die höchsten Einnahmen,
bringen Riester-Sparern jedoch
nicht den geringsten Vorteil gegenüber
den bereits erklärten Varianten. Deshalb:
Finger weg!
An dieser Stelle können Sie durchatmen:
Haben Sie gesetzliche, betriebliche
und eine passende Riester-Rente in ausreichender
Höhe, droht Ihnen keine Altersarmut
mehr. Die folgenden beiden Schritte
können Ihren Lebensstandard weiter absichern.
Wohneigentum überdenken
Studien zeigen: Immobilienbesitzer sind
im Alter durchschnittlich wohlhabender
als Mieter. Außerdem denken
die meisten Deutschen beim
Stichwort Alterssicherung ohnehin
an selbst genutztes
Wohneigentum. Und das zu
Recht: Zum einen, weil
die Lebensqualität in
den eigenen vier Wänden
meist steigt, Versicherungen
und Kredite
billiger werden.
Zum anderen, weil gut
gelegene Wohnimmobilien
in wirtschaftlich
wachsenden Regionen
sich in den vergangenen
Jahrzehnten als gute
Geldanlage erwiesen haben.
Auch die an allen
anderen Sparformen nagende
Inflation kann Haus oder Wohnung
wenig anhaben. Wichtigstes Kriterium
in Sachen Wertstabilität ist die
Lage. Mallorca-Fincas oder Toscana-
Klausen haben mit Alterssicherung nichts
zu tun. Das Risiko einer Fehlinvestition
ist allerdings auch hierzulande gestiegen:
Traumhäuser auf der grünen Wiese oder
Massen-Reihenhaussiedlungen weit vor
der Stadt haben zuletzt oft deutlich an
Wert verloren.
Laut einer Studie der Deutschen Bank
stehen neben Einfamilienhäusern zunehmend
innerstädtische Wohnungen ganz
oben in der Käufergunst. Prüfen Sie, ob
sich der Umstieg von Miete auf Eigentum
lohnt. Statt eine Miete von 750 Euro monatlich
zu zahlen, lässt sich derzeit mit derselben
Summe auch ein Immobilienkredit
von gut 160.000 Euro stemmen (gerechnet
mit rund viereinhalb Prozent Festzins
für zehn Jahre und einem Prozent Tilgung).
Mietfreies Wohnen im Alter spart
einem Single 500 Euro im Monat, ein
Zwei-Personen-Haushalt muss 600
Euro weniger für Wohnen aufwenden,
schätzt der Baufinanzierer LBS.
Aber Vorsicht: Nicht jeder Mensch
ist ein "Immobilien-Typ". Wer sich
darüber unschlüssig ist, den Aufwand
drum herum als zu groß empfindet
oder jederzeit die Möglichkeit haben
möchte (oder muss), umzuziehen,
sollte vom Eigenheim die Finger
lassen.
Lebensversicherung prüfen
Viele Jahre ein bisschen einzahlen und
nach dem 60. Geburtstag ein kleines Vermögen
kassieren - die kapitalbildende Lebensversicherung
ist bislang die wichtigste
private Altersvorsorge der Deutschen.
Mehr als 90 Millionen Verträge sind abgeschlossen.
Obwohl die Verzinsung vor
allem im Vergleich zu den 1990er Jahren
gesunken ist, können Lebensversicherungen
nach wie vor für viele Verbraucher
sinnvoll sein. Denn kein anderer Vorsorgevertrag
schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe:
finanzielle Absicherung von Angehörigen
im Todesfall und garantiert verzinste
Auszahlung im Erlebensfall.
Wer genau diesen Bedarf hat (zum
Beispiel Familien mit Wohneigentum),
macht mit der Kapitalpolice ein solides
Geschäft: Das aktuelle jährliche Durchschnittsplus
liegt bei etwas mehr als vier
Prozent - die Steuer schon eingerechnet.
Die besten Anbieter schaffen
sogar um die fünf Prozent
(siehe Tabelle). Das
bietet weder das beste
Sparkonto noch ein Bundesschatzbrief.
Tipp: Zahlen
Sie die Beiträge stets
jährlich. Das erhöht die
Rendite zusätzlich. Einzahlungen
sind steuerlich
absetzbar, auf Auszahlungen
verlangt der Fiskus
nur von der Hälfte
der Erträge einen Abschlag.
Für Altverträge,
die vor Januar 2004 geschlossen
wurden, ist die
Auszahlung sogar komplett
steuerfrei.
Weitere Pluspunkte: Einmal gewährte
Jahresgutschriften können
nicht wieder verfallen.
Einzahlungen können jederzeit
ausgesetzt, verringert
oder erhöht werden. In
einer finanziellen Notlage
lässt sich die Police sogar
verkaufen. Das beste Geschäft
macht jedoch der, der
bis zum Ende durchhält. Gerade
für Frauen, die statistisch
länger leben als Männer,
ist es übrigens meist
rentabler, per Lebensversicherung
Kapital anzusparen,
als mit dem Schwesterprodukt,
der privaten Rentenversicherung,
vorzusorgen. Hier sorgt die höhere Lebenserwartung
für schlechtere Auszahlungen.
Und eine Kapitalauszahlung lässt sich auch
im Nachhinein in eine monatliche Rente
umwandeln - übrigens nicht nur von den
Versicherungen, sondern auch von Banken
und Fondsfirmen. Scheuen Sie nicht den
Aufwand, Angebote zu vergleichen. Es geht
um Ihre Altersvorsorge.