Genug Geld im Alter

3. Februar 2008, 10:27 Uhr

Schon mit fünf Euro im Monat wird Ihre Altersvorsorge sicherer. Die richtige Strategie für ein gutes Rentnerleben - und ein persönlicher Finanz-Check. Von Frank Donovitz und Joachim Reuter

Altersvorsorge, Rente, Riester, Riester-Rentenversicherung

Damit im Alter genug Rente da ist, gilt es einige Tipps zu beachten©

Vom Gehalt zur Rente Die Höhe der gesetzlichen Rente hängt vom jährlichen Bruttoverdienst ab. Den Verdienst rechnet die Deutsche Rentenversicherung in sogenannte Entgeltpunkte um. Wer in einem Jahr so viel verdient hat wie der Durchschnitt aller Rentenversicherten (2007: 29 488 Euro), erhält genau einen Entgeltpunkt. Wer nur 16.000 Euro verdient, bekommt 0,5426 Punkte; ein Jahreseinkommen von 34.000 Euro bringt 1,1530 Punkte. Ob man Vollzeit oder Teilzeit arbeitet, ist dabei egal. Der Höchstbetrag (Beitragsbemessungsgrenze) liegt bei 63 600 Euro (West) und 54.000 Euro (Ost), das entspricht etwa zwei Entgeltpunkten.

Der Faktor Zeit ist zweitrangig: Ein gut verdienender Akademiker kann in 30 Berufsjahren mehr Entgeltpunkte ansammeln als ein Arbeiter während 45 Berufsjahren. Die persönlichen Entgeltpunkte werden am Schluss des Berufslebens mit dem aktuellen Rentenwert multipliziert, den das Bundesarbeitsministerium in der Regel jährlich neu festlegt. Aktuell beträgt er 26,27 Euro (West) bzw. 23,07 Euro (Ost). Ein Durchschnittsarbeitnehmer im Westen, der 45 Jahre lang Beiträge gezahlt und damit 45 Entgeltpunkte gesammelt hat, erhält also nach heutigem Stand 45 mal 26,27 Euro = 1182,15 Euro monatliche Rente. Das ist der sogenannte Eckrentner.

Schritt 1

Die gesetzliche Rente richtig einschätzen 90 Prozent der Deutschen haben kein Vertrauen mehr in die gesetzliche Rente, 49 Prozent haben sogar Angst davor, im Alter arm zu sein (siehe Grafik). Und diese Sorgen haben einen Grund: Das Auszahlungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung wird künftig geringer sein als bei heutigen Rentner-Generationen. Falsch wäre jedoch die Befürchtung, künftig gäbe es keine oder nur noch eine Mini- Rente. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Zur Erinnerung: Die gesetzliche Rentenversicherung ist kein Sparvertrag, der im Alter mit Zins ausgezahlt wird. Nahezu jeder eingezahlte Euro wird sofort wieder ausgegeben - an die heutigen Rentner. Dieses 1957 unter Konrad Adenauer eingeführte System nennt sich "Umlageverfahren".

Junge zahlen für Alte. Einzahler müssen darauf hoffen, dass die folgende Generation in der Lage ist, ihre Rente zu bezahlen. Dieses stille Abkommen heißt "Generationenvertrag". Doch schon heute genügen die Gelder der Jungen kaum mehr, um die erworbenen Ansprüche von immer mehr, immer länger lebenden Senioren zu decken.

Eine ungefähre Vorstellung, was Versicherte später an Rente erwarten können, gibt die sogenannte Renteninformation. Sie wird regelmäßig an alle Einzahler verschickt. Darin eingearbeitet ist bereits, dass das Rentenniveau von heute - ungefähr 48 Prozent des Bruttoeinkommens - auf unter 40 Prozent sinken wird. Zumindest diese Lücke muss man schließen, wenn man im Alter auf dem Niveau heutiger Rentner leben will. Zu beachten ist dabei auch der Effekt der Geldentwertung (Inflation). Von einer heute in Aussicht gestellten Rente in Höhe von 800 Euro bleiben bei der aktuellen Inflationsrate von rund zwei Prozent nach zehn Jahren noch 653 Euro an Kaufkraft übrig. Nach 20 Jahren sind es nur noch 534 Euro.

Um den Lebensstandard im Alter halten zu können, sollten Sie mindestens die nächsten beiden, besser aber alle vier folgenden Schritte machen.

Schritt 2

Betriebsrente sichern Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat einen rechtlichen Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge. Damit ist keine Betriebsrente gemeint, die vom Unternehmen allein gezahlt wird. Firmen sind lediglich gesetzlich verpflichtet, ihren Beschäftigten mindestens einen externen Finanzierer von Betriebsrenten zu vermitteln. Das können Pensionskassen und -fonds, Unterstützungskassen sowie (Direkt-) Versicherungen (siehe Tabelle) sein. In diese Einrichtungen können Arbeitnehmer flexibel einzahlen. Manchmal beteiligen sich auch die Arbeitgeber daran.

Wesentlicher Vorteil der betrieblichen Vorsorge: Die Kosten für solche Verträge sind in aller Regel niedriger als beim privaten Abschluss, die Rendite ist deshalb höher. Einzahlungen fördert der Staat außerdem mit hohen Steuer- und Abgabenrabatten. Von späteren Auszahlungen zwackt er dafür allerdings einen Teil ab.

Oft wird ein Teil des Jahresgehaltes (etwa Urlaubs-, Weihnachtsgeld oder Sonderzahlungen) in betriebliche Vorsorge "umgewandelt". Beispiel: Ein 40-jähriger Arbeitnehmer zahlt jährlich 1500 Euro in eine Pensionskasse ein. Dort wird das Geld überwiegend in Zinspapieren und zu einem geringeren Teil in Aktien angelegt. Mit 67 bekommt er garantiert 52 600 Euro ausbezahlt - konkurssicher und unabhängig von Arbeitsplatz- oder Branchenwechseln. Bei einer marktüblichen Rendite von vier bis sechs Prozent können daraus mehr als 74 000 Euro werden. Das ergibt gut 300 Euro monatliche Zusatzrente.

Fragen Sie Ihren Chef, nerven Sie die Personalabteilung oder den Betriebsrat: Die betrieblich organisierte Altersvorsorge ist sehr empfehlenswert.

Schritt 3

Riester-Sparen beginnen Die Riester-Renten ist aktuell ins Gerede gekommen: sie rechne sich für Geringverdiener nicht. Riester-Ersparnisse würden bei Anspruch auf die staatliche Grundsicherung, eine steuerfinanzierte Alterssozialhilfe, voll angerechnet. Wer weniger als 700 Euro monatlich an Rente zu erwarten habe, die dann mit der Grundsicherung vom Staat aufgebessert würde, spare mit Riester vergebens. Doch hier kann noch viel passieren: Politiker von Union und FDP schlagen derzeit vor, Riester-Renten teilweise nicht auf die Grundsicherung anzurechnen. Motto: Wer mehr spart, muss auch mehr davon haben. Aber selbst wenn die Politik die Regelung nicht mehr ändert: Riestern sollte man trotzdem immer! Denn niemand kann Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsumstände der kommenden Jahre oder gar Jahrzehnte exakt vorausberechnen. Privat für ein sicheres Plus in der eigenen Alterskasse zu sorgen, kann schon deshalb kein Fehler sein.

Das Argument, man habe für Riester-Sparen nicht genug Geld übrig, zieht auch kaum: Der sogenannte Sockelbetrag, den Sparer selbst aufbringen müssen, beträgt nur fünf Euro pro Monat (60 Euro pro Jahr). Das ist eine Zigarette weniger am Tag oder der Verzicht auf zwei Bier im Monat. Achtung: Finanzberater reden oft von einem "Mindestbeitrag" in Höhe von vier Prozent des Einkommens, also deutlich mehr als dem Sockelbetrag. Wer diesen Beitrag zahlt, erhält die maximale Förderung. Doch das ist kein Muss. Lassen Sie sich also davon nicht verwirren! Sie allein bestimmen die Höhe Ihrer Riester-Sparrate, und diese ist jederzeit veränderbar. Auch wenn Sie Ihre Rate niedriger wählen als jenen "Mindestbeitrag", profitieren Sie von allen Vorteilen des Riester-Sparens:
- Hohe staatliche Zulagen und Steuervorteile - es gibt kaum eine seriöse Geldanlage, die rentabler ist!
- Geld-zurück-Garantie: Bei jedem Riester-Vertrag werden am Ende der Laufzeit mindestens die eingezahlten Beiträge plus staatliche Zulagen ausgezahlt.
- "Hartz IV"-Schutz: Riester-Sparverträge müssen bei längerer Arbeitslosigkeit nicht aufgelöst werden.


Drei Varianten stehen zur Wahl: (1) Riester-Fondsparen ist für alle geeignet, die jünger als 40 sind. Diese Variante hat die höchsten Ertragschancen. Zahlt zum Beispiel ein 35-jähriger Single (Jahresbruttoeinkommen 30.000 Euro) konstant 20 Euro monatlich in einen Riester-Fondssparplan ein, steht ihm mit 67 ein Kapital von rund 33 000 Euro zur Verrentung zur Verfügung; macht eine Monatsrente von etwa 170 Euro. Hätte er ein Kind, betrüge das Kapital gut 38 000 Euro und seine Riester- Rente 200 Euro. Die Stiftung Warentest hat die zertifizierten Fondsangebote untersucht und einige als "empfehlenswert" eingestuft (siehe Tabelle). Wichtig: Sie müssen nicht Kunde bei Banken oder einer Sparkasse sein, um dort einen Riester-Sparplan abzuschließen. Sie können sogar direkt bei einer Fondsgesellschaft riestern.
(2) Riester-Banksparen ist besonders geeignet für alle, die älter als 45 Jahre sind. Geboten werden sichere Zinsen zu sehr geringen Gebühren. Ein Riester- Banksparplan ist daher meist schon ab der ersten Einzahlung im Plus. Mehr als vier Prozent Rendite pro Jahr sind möglich. Kaum zu glauben, aber wahr: Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank, Hypo oder Dresdner haben Riester-Banksparprodukte gar nicht im Angebot. Aber neben vielen regionalen Geldinstituten halten einige Genossenschaftsbanken und Sparkassen ihre Offerten bundesweit parat (siehe Tabelle).
(3) Riester-Rentenversicherung sind bedingt geeignet für sehr sicherheitsorientierte Einsteiger, die zwischen 40 und 45 Jahre alt sind. Bedingt, weil private Rentenversicherungen wegen der steigenden Lebenserwartung ihrer Kunden die Höhe ihrer Auszahlungen zurückschrauben müssen. Fonds- oder Banksparen ist für viele Verbraucher deshalb die klügere Wahl. Bei Fonds und dem Banksparen kann das Ersparte überdies problemlos vererbt werden, was bei der Riester-Rentenversicherung ausdrücklich vereinbart werden muss - und die Rendite noch einmal schmälert.

Trotzdem empfehlen nicht nur Versicherungsvertreter, sondern auch viele Bank- und Sparkassenberater eine Riester-Versicherung. Warum? Sie bringt in der Regel mehr Provision als das hauseigene Fonds- oder Banksparangebot. Noch lieber werden sogenannte fondsgebundene Riester-Versicherungen verkauft. Sie bescheren den Konzernen die höchsten Einnahmen, bringen Riester-Sparern jedoch nicht den geringsten Vorteil gegenüber den bereits erklärten Varianten. Deshalb: Finger weg!

An dieser Stelle können Sie durchatmen: Haben Sie gesetzliche, betriebliche und eine passende Riester-Rente in ausreichender Höhe, droht Ihnen keine Altersarmut mehr. Die folgenden beiden Schritte können Ihren Lebensstandard weiter absichern.

Schritt 4

Wohneigentum überdenken Studien zeigen: Immobilienbesitzer sind im Alter durchschnittlich wohlhabender als Mieter. Außerdem denken die meisten Deutschen beim Stichwort Alterssicherung ohnehin an selbst genutztes Wohneigentum. Und das zu Recht: Zum einen, weil die Lebensqualität in den eigenen vier Wänden meist steigt, Versicherungen und Kredite billiger werden. Zum anderen, weil gut gelegene Wohnimmobilien in wirtschaftlich wachsenden Regionen sich in den vergangenen Jahrzehnten als gute Geldanlage erwiesen haben. Auch die an allen anderen Sparformen nagende Inflation kann Haus oder Wohnung wenig anhaben. Wichtigstes Kriterium in Sachen Wertstabilität ist die Lage. Mallorca-Fincas oder Toscana- Klausen haben mit Alterssicherung nichts zu tun. Das Risiko einer Fehlinvestition ist allerdings auch hierzulande gestiegen: Traumhäuser auf der grünen Wiese oder Massen-Reihenhaussiedlungen weit vor der Stadt haben zuletzt oft deutlich an Wert verloren.

Laut einer Studie der Deutschen Bank stehen neben Einfamilienhäusern zunehmend innerstädtische Wohnungen ganz oben in der Käufergunst. Prüfen Sie, ob sich der Umstieg von Miete auf Eigentum lohnt. Statt eine Miete von 750 Euro monatlich zu zahlen, lässt sich derzeit mit derselben Summe auch ein Immobilienkredit von gut 160.000 Euro stemmen (gerechnet mit rund viereinhalb Prozent Festzins für zehn Jahre und einem Prozent Tilgung). Mietfreies Wohnen im Alter spart einem Single 500 Euro im Monat, ein Zwei-Personen-Haushalt muss 600 Euro weniger für Wohnen aufwenden, schätzt der Baufinanzierer LBS. Aber Vorsicht: Nicht jeder Mensch ist ein "Immobilien-Typ". Wer sich darüber unschlüssig ist, den Aufwand drum herum als zu groß empfindet oder jederzeit die Möglichkeit haben möchte (oder muss), umzuziehen, sollte vom Eigenheim die Finger lassen.

Schritt 5

Lebensversicherung prüfen Viele Jahre ein bisschen einzahlen und nach dem 60. Geburtstag ein kleines Vermögen kassieren - die kapitalbildende Lebensversicherung ist bislang die wichtigste private Altersvorsorge der Deutschen. Mehr als 90 Millionen Verträge sind abgeschlossen. Obwohl die Verzinsung vor allem im Vergleich zu den 1990er Jahren gesunken ist, können Lebensversicherungen nach wie vor für viele Verbraucher sinnvoll sein. Denn kein anderer Vorsorgevertrag schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: finanzielle Absicherung von Angehörigen im Todesfall und garantiert verzinste Auszahlung im Erlebensfall.

Wer genau diesen Bedarf hat (zum Beispiel Familien mit Wohneigentum), macht mit der Kapitalpolice ein solides Geschäft: Das aktuelle jährliche Durchschnittsplus liegt bei etwas mehr als vier Prozent - die Steuer schon eingerechnet. Die besten Anbieter schaffen sogar um die fünf Prozent (siehe Tabelle). Das bietet weder das beste Sparkonto noch ein Bundesschatzbrief. Tipp: Zahlen Sie die Beiträge stets jährlich. Das erhöht die Rendite zusätzlich. Einzahlungen sind steuerlich absetzbar, auf Auszahlungen verlangt der Fiskus nur von der Hälfte der Erträge einen Abschlag. Für Altverträge, die vor Januar 2004 geschlossen wurden, ist die Auszahlung sogar komplett steuerfrei.

Weitere Pluspunkte: Einmal gewährte Jahresgutschriften können nicht wieder verfallen. Einzahlungen können jederzeit ausgesetzt, verringert oder erhöht werden. In einer finanziellen Notlage lässt sich die Police sogar verkaufen. Das beste Geschäft macht jedoch der, der bis zum Ende durchhält. Gerade für Frauen, die statistisch länger leben als Männer, ist es übrigens meist rentabler, per Lebensversicherung Kapital anzusparen, als mit dem Schwesterprodukt, der privaten Rentenversicherung, vorzusorgen. Hier sorgt die höhere Lebenserwartung für schlechtere Auszahlungen. Und eine Kapitalauszahlung lässt sich auch im Nachhinein in eine monatliche Rente umwandeln - übrigens nicht nur von den Versicherungen, sondern auch von Banken und Fondsfirmen. Scheuen Sie nicht den Aufwand, Angebote zu vergleichen. Es geht um Ihre Altersvorsorge.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 05/2008

Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity