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In diesen Regionen sollten Sie bitte kein Haus bauen

Auf dem Land stehen viele Häuser leer, trotzdem werden immer neue gebaut. Wirtschaftsforscher haben nun errechnet, in welchen Regionen die meisten überflüssigen Häuser entstehen. Sie fordern harte Maßnahmen gegen den Landhausboom.

Landhausruine

In vielen Landkreisen wird trotz hohem Leerstand immer weiter gebaut

Dank niedriger Zinsen ist Bauen derzeit besonders billig. Leider bauen die Deutschen aber nicht dort, wo der Wohnraum benötigt wird. Während in den Großstädten zehntausende Wohnungen fehlen, werden auf dem Land viel zu viele Häuser gebaut. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (), das Bautätigkeit und Bedarf regional verglichen hat.

Demnach führt das billige Geld dazu, dass in Regionen mit schrumpfender Bevölkerung und hohem Leerstand viel mehr gebaut wird als eigentlich sinnvoll wäre. "Wir stellen mit Schrecken fest, dass in ländlichen Regionen immer noch sehr viele Einfamilienhäuser gebaut werden", sagte IW-Immobilienexperte . "Wir haben durch die neue Bautätigkeit eine verstärkte Zersiedelung."

Falls die Bauherren von heute ihre Häuser in der Zukunft wieder verkaufen wollen, werden sie sich nach Einschätzung Voigtländers sehr schwer tun: "Da die Bevölkerung schwindet, fällt die Nachfrage langfristig weg. Das wirkt sich natürlich auf die Preisentwicklung aus." Neben sinkenden Preisen und Zersiedelung erwarten die Forscher noch ganz andere negative Folgen wie verödende Dorfzentren und neue Leerstände. 

2764 Prozent des Bedarfs erfüllt

In der Studie werden exemplarisch einige Landkreise genannt: Im niedersächsischen Kreis Emsland etwa sind demnach zwischen 2011 und 2015 mehr als 1060 Wohnungen mehr gebaut worden, als auf Basis der Bevölkerungsentwicklung und der bereits bestehenden Leerstände zu erwarten gewesen wäre. Zum Großteil handelt es sich dabei um große Wohnungen oder Einfamilienhäuser.


Die Entwicklung ist aber keineswegs auf Norddeutschland begrenzt: In weiten Teilen des wirtschaftsstarken Bayern wird laut IW ebenso zu viel gebaut wie im Schwarzwald, in der Eifel oder in Nordhessen. Ein Extrembeispiel: Im Landkreis Waldeck-Frankenberg nördlich von Marburg wären nach IW-Einschätzung lediglich sieben neue Wohnungen notwendig gewesen. Gebaut wurden jedoch fast 200, was laut Studie 2764 Prozent des Bedarfs entspricht. 

Und in den Städten fehlen die Wohnungen

In den Ballungsräumen hingegen fehlen weiter Wohnungen. In Berlin etwa sind laut Studie in den vergangenen Jahr nur 40 Prozent der eigentlich benötigten Wohnungen gebaut worden, in 43 Prozent und in Hamburg 59 Prozent.

Die Kölner Immobilienforscher stehen mit ihrer Einschätzung nicht alleine da: "Wir haben ein Stadt-Land-Gefälle in der Bautätigkeit", sagte Stephan Kippes, Marktforschungsleiter beim Immobilienverband Deutschland Süd in München. "In der Summe hätten wir eigentlich genug Wohnraum in Deutschland - wenn er an der richtigen Stelle wäre." Nach einer 2016 veröffentlichten Schätzung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung stehen in Deutschland fast zwei Millionen Wohnungen leer, davon etwa 950.000 in ländlichen Regionen. 

Forscher empfehlen staatliche Maßnahmen

Befördert wird die ungünstige Entwicklung laut IW-Studie von den Niedrigzinsen der vergangenen Jahre, die den Kauf einer Immobilie vergleichsweise günstig machen. Das Gebrauchthaus ist offensichtlich nicht übermäßig beliebt. "Viele Familien bauen lieber etwas Neues", sagte Voigtländer. "Das ist verständlich, aber man müsste gleichzeitig leerstehende alte Häuser abreißen. Sinnvoll wäre eine Fokussierung auf den Bestand."

Das IW empfiehlt Kommunen mit ausuferndem Neubau ein robustes Vorgehen: keine neuen Baugebiete ausweisen, Neubauten an den Abriss von alten Häusern koppeln und die Ortskerne attraktiver machen, damit in den bestehenden Häusern wieder mehr Menschen wohnen wollen. 


bak/DPA

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