Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Ebay-Verkäufe: Frauen bekommen für das gleiche Produkt weniger Geld

Eine Studie zu Ebay-Preisen kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis: Frauen erzielen bei Produkt-Verkäufen im Schnitt deutlich geringere Erlöse als Männer. Die Forscher meinen, auch den Grund zu kennen.

Ebay

Ebay-Logo in San Jose

Preis-Diskriminierung im Online-Handel ist ein heißes Thema. So steht beispielsweise Amazon immer mal wieder unter Verdacht, von Apple-Nutzern höhere Preise zu verlangen als von Kunden, die mit anderen Geräten surfen - was der Konzern jedoch dementiert. Bei Ebay ist ein Forscherteam nun auf eine andere Form der Diskriminierung gestoßen: Weibliche Verkäufer erzielen auf der Plattform demnach um 20 Prozent niedrigere Preise als männliche, wenn sie identische Neuware verkaufen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Tel Aviv, die im Journal "Science Advances" veröffentlicht wurde.

Datengrundlage sind die Preise der 420 beliebtesten Produkte, die zwischen 2009 und 2012 auf Ebay verkauft wurden - insgesamt mehr als eine Million Transaktionen. Frauen, so das Ergebnis der Auswertung, erzielten demnach weniger Gebote und niedrigere Preise als männliche Händler. Bei gebrauchten Produkten, bei denen es ja wirklich einen Unterschied zwischen der Beschaffenheit der Ware geben kann, war der Unterschied zwischen den Geschlechtern erstaunlicherweise wesentlich kleiner als bei Neuware. Warum also der große Unterschied bei komplett identischen Produkten?

Verhandlungsgeschick schließen die Forscher aus, da Käufer und Händler bei den untersuchten Auktionen nicht interagierten. Auch fehlendes Vertrauen ist es nicht, denn weibliche Anbieter hatten zwar im Schnitt weniger Erfahrung als ihre männlichen Konkurrenten, dafür aber die besseren Bewertungen. An der Darstellung der angebotenen Ware liegt es den Forschern zufolge auch nicht: Eine Analyse der im Angebot verwendeten Wörter ergab zwar systematische Unterschiede in der Ansprache, diese seien aber nur für einen ganz kleinen Teil der Differenz verantwortlich.

Ebay ist schuldlos

Auch Ebay selbst ist an der Diskriminierung schuldlos. Die Plattform macht das Geschlecht ihrer Verkäufer bewusst im Profil nicht sichtbar. Bei vielen Ebay-Anbietern sei das Geschlecht allerdings trotzdem zu erkennen, schreiben die Forscher. In einem Experiment konnten die Teilnehmer relativ treffsicher anhand der angebotenen Produkte und teilweise auch am Nutzernamen erkennen, ob der Verkäufer männlich oder weiblich ist.

Für die Studienautoren liegt der Schluss nahe, dass es sich bei den beobachteten Unterschieden tatsächlich um unbewusste Geschlechter-Diskriminierung handelt: Die Menschen neigten dazu, Produkten, die von Frauen angeboten werden, einen niedrigeren Wert zuzumessen als solchen, die von Männern stammen, heißt es in der Arbeit.

Deutlich wurde dies auch bei einem weiteren Experiment: Bei der Plattform Amazon Mechanical Turk boten die Forscher unter den Namen "Brad" und "Alison" jeweils einen 100-Dollar-Gutschein an und fragten, wieviel die Leute zu zahlen bereit wären. Brad erhielt im Schnitt 87,42 Dollar, Alison nur 83,34 Dollar.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools