"Gier ist nicht geil"

7. November 2012, 12:00 Uhr

Vor fünf Jahren verschwand Deutschlands bekanntester Spekulant spurlos. Jetzt meldet sich der frühere Hedgefondsmanager Florian Homm zurück - mit einer Lebensbeichte im stern. Von Lorenz Wolf-Doettinchem

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Vor seinem Verschwinden: Florian Homm, damals Deutschlands bekanntester Spekulant, 2007 in Mallorca©

"Können Sie morgen früh um acht Uhr da sein?" Per SMS von einem Prepaidhandy mit unbekannter Nummer werden wir zu einem Hotel in einer europäischen Hauptstadt gelotst. Als wir am Treffpunkt aus dem Taxi steigen, geht es mit einem Vertrauensmann weiter – zu einem ganz anderen Hotel. Security-Leute scannen uns beim Betreten der Suite mit einem mobilen Detektor auf Waffen, Mikrofone und Knopflochkameras und kontrollieren, ob die Mobiltelefone ausgeschaltet sind. Dann erscheint ein Mann von mehr als zwei Metern, die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Ja, es ist Florian Homm. Wir dürfen ihn fotografieren, aber sein Gesicht und der Ort des Gesprächs, das ist die Bedingung, sollen dabei nicht zu erkennen sein. Was folgt ist nichts weniger als die Lebensbeichte eines Spekulanten.

"Gerüchte über meinen Tod sind etwas verfrüht", sagt er gut gelaunt. Deutschlands wohl bekanntester Spekulant war vor fünf Jahren spurlos verschwunden. Homm beteuert nun, er wolle sich nicht länger verstecken: "Jetzt bin ich hier, um mich den Problemen zu stellen." Er werde die Dinge jetzt "offensiv angehen". Dazu zählt auch die Veröffentlichung eines Buches, das in diesen Tagen erscheint.

Detektei lobte Kopfgeld aus

Im Mai diesen Jahres hatte eine Detektei per Youtube-Spot ein Kopfgeld von 1,5 Millionen Euro auf den Finanzmanager ausgesetzt. Dahinter sollen geschädigte Anleger stecken. Homm nennt das Video "feige und menschenverachtend". Er werde zum "Freiwild" gemacht. Zudem sei der von seinen Verfolgern erweckte Eindruck falsch, es ginge um strafrechtliche Vorgänge.

Mittlerweile ist das Kopfgeld zurückgezogen, weil die Auftraggeber bedroht worden sein sollen. Homm bestreitet, mit Drohungen gegen die Initiatoren des Videos vorgegangen zu sein: "Ich könnte es mittlerweile nicht mit meinen Überzeugungen vereinbaren, Leuten mit harten Jungs zu drohen."

"Nicht vor dem Gesetz weggelaufen"

Der Finanzmanager, der 2007 Knall auf fall seine Unternehmen und Fonds im Stich ließ, begründet sein Verschwinden mit seiner persönlichen Situation: "Ich war seelisch und moralisch verloren. Ich musste abhauen." Der Spekulant bestreitet allerdings regelrecht untergetaucht gewesen zu sein: "Ich war immer irgendwie zu erreichen." Gerüchte, er habe sich einer plastischen Operation unterzogen, habe er "klasse" gefunden, aber sie seien unzutreffend.

Homm behauptet: "Ich bin nicht vor dem Gesetz weggelaufen." Er sein kein Betrüger, habe sich aber in seiner Karriere "oft in Grauzonen" bewegt. Es bestehe auch kein Haftbefehl gegen ihn. Tatsächlich bestätigt die Staatsanwaltschaft München I, die zuletzt umfangreich wegen Börsenmanipulationen ermittelt hat, stern.de, dass derzeit kein Ermittlungsverfahren gegen Homm anhängig sei.

Angebliches Vermögen dahingeschmolzen

Es gibt allerdings eine Klage der US-Börsenaufsicht SEC. Sie wirft Homm vor, ein Betrugssystem betrieben, die Märkte für Penny Stocks zu Lasten seiner Anleger manipuliert und Aktien aus eigenem Bestand an seine Fonds verkauft zu haben. Homm bestreitet das. Ihm sei "Eigenhandel" erlaubt gewesen: "Das stand auch im Wertpapierprospekt." Seine Kunden seien schließlich Profi-Investoren gewesen, die die Bedingungen gekannt hätten."

Homm wurde zu seinen besten Zeiten vom "Manager Magazin" ein Vermögen von 400 Millionen Euro zugeschrieben. Diese Größenordnung dementiert er nicht. Allerdings sei ihm davon nur "verschwindend wenig" geblieben. Es handele sich "vielleicht um ein Prozent des Vermögens aus meinen besten Zeiten". Und das gehe zum großen Teil für Anwälte drauf. Zu den Hoffnungen seiner Verfolger, bei ihm große Beträge zu finden, sagt Homm: "Ich lach' mich zu Tode. Die jagen eine Fata Morgana."

"Millionen auf der Bank nicht das Gelbe vom Ei"

Im Gespräch mit dem stern gibt sich der einst rücksichtlose Börsenspekulant geläutert: "Ich musste selber erfahren, dass 400 oder 500 Millionen auf der Bank nicht das Gelbe vom Ei sind." Heute sagt er: "Gier ist nicht geil". Mit seiner Zeit als Hedgefondsmanager rechnet Homm regelrecht ab: "Ich war während der letzten Jahre meiner Finanzkarriere nur noch ein Automat, eine primitive Geldmaschine." Das habe "zombieartige Züge" gehabt. Er habe an sich sogar "gewisse Züge von Psychopatie" entdeckt. Seine Analyse: "Bei der ausschließlichen Jagd nach Geld schrumpft der Charakter."

Eine der bekanntesten Investitionen Homms war die Beteiligung an der börsennotierten Borussia Dortmund. Zeitweise besaßen er und seine Firmen 25 Prozent an dem Fußballclub. Homm erzählt, dass er heute noch ein Fan zu sei. "Es vergeht keine Woche, in der ich nicht im Internet schaue, wie sie gespielt haben." 2011 will er sogar einmal im Stadion gewesen sein – "getarnt mit einem falschen Bart und einer gelb-schwarzen Kappe." Homm hält die Erfolgsgeschichte von Dortmund für den "ungewöhnlichsten Turnaround", den er je in Deutschland erlebt habe. Das sei vor allem das Verdienst des Vorstandes. "Aber auch ich als Investor war mitbeteiligt". Gewinn habe er mit der Beteiligung allerdings nicht gemacht: "Ich habe sogar Geld verloren."

Nach anderthalb Stunden greift er sich seine Mütze und verabschiedet sich: "Erwarten Sie bloß nicht, dass ich irgendwann noch einmal in der Finanzbranche tätig werde". Und dann ist er verschwunden.

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