Deutsche Bank will weiter mit Nahrungsmitteln spekulieren

19. Januar 2013, 13:58 Uhr

Trotz der Kritik will die Deutsche Bank in Zukunft wieder mit Nahrungsmittel-Spekulationen Geld verdienen. Vorstandschef Jürgen Fitschen verweist dafür auf eine Studie - und das Interesse der Kunden.

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Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen will "im Interesse der Kunden" weiterhin Finanzinstrumente auf Agrarprodukte anbieten.©

Die Deutsche Bank will trotz Kritik weiterhin Finanzanlagen auf der Basis von Agrarprodukten anbieten. Nach einer ausführlichen Prüfung habe man "keinen Nachweis gefunden, dass die Spekulation für die Preisentwicklung verantwortlich ist", sagte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen am Samstag am Rande einer Fachkonferenz bei der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin.

Im Gegenteil: Agrar-Derivate erfüllten für Nahrungsmittelproduzenten eine wichtige Funktion im weltweiten Handel. "Deshalb hat die Deutsche Bank entschieden, dass sie im Interesse ihrer Kunden weiterhin Finanzinstrumente auf Agrarprodukte anbieten wird", sagte der Co-Chef von Deutschlands größtem Geldhaus weiter. Das Institut hatte diese Produkte 2012 ausgesetzt, um die Ergebnisse der Untersuchung abzuwarten.

Die Verbraucherschützer der Organisation Foodwatch hatten in zahlreichen Aktionen Druck auf die Bank gemacht, aus dem Geschäft auszusteigen. Die Organisation ist davon überzeugt, dass Spekulationen mit Nahrungsmitteln die Preise für die Produkte auch in armen Ländern nach oben treiben. In der Wissenschaft ist dies durchaus umstritten. Eine Übersicht der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg über die Forschungsarbeiten zu dem Thema kommt zu dem Schluss, dass die Zunahme der Finanzspekulationen nicht zu einem höheren Preisniveau bei Agrarprodukten geführt habe. Auch die Schwankungen der Preise seien hierauf nicht zurückzuführen. Dafür seien eher realwirtschaftliche Faktoren verantwortlich.

"Banker wollen sich Wachstumsstory nicht nehmen lassen"

Für die Deutsche Bank zählt der Rohstoffhandel zu den Wachstumssegmenten im Kapitalmarktgeschäft. "Hier wird seit einigen Jahren kräftig Gas gegeben", sagt ein Banker. Speziell im Nahrungsmittelgeschäft würden ordentliche Renditen erzielt. Für Kritiker ist das auch der Hauptgrund, warum die Deutsche Bank trotz möglicher Imageschäden an dem umstrittenen Geschäft festhält. "Die Investmentbanker wollen sich diese Wachstumsstory nicht wegnehmen lassen", sagt ein weiterer Insider. Die Bank äußerte sich nicht zum Geschäftsvolumen.

Auch die Allianz ist in dem Geschäft aktiv. Die Commerzbank, die Deka und die LBBW sind dagegen ausgestiegen - bei ihnen spielte es aber auch volumenmäßig keine große Rolle. Die Landwirtschaftliche Rentenbank hat dagegen eine Lanze für derartige Spekulationen gebrochen. Die Vorteile für die Produzenten von Weizen, Kakao oder anderen Agrargütern seien höher zu bewerten als die Verwerfungen an den Märkten durch den Handel mit Derivaten auf diese Produkte, erklärte Horst Reinhardt, Vorstand der zweitgrößten deutschen Förderbank, vergangenes Jahr.

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