Bahn droht mit weniger ICE-Strecken

25. April 2011, 19:22 Uhr

Bald sind die Fernzüge der Bahn nicht mehr per Gesetz vor preisgünstigeren Bus-Angeboten geschützt. Als Folge davon könnten ICE-Stopps in Städten wie Leipzig, Erfurt oder Flensburg gefährdet sein. Im Interview erläutert Vorstand Ulrich Homburg, wie die Bahn auf die veränderte Situation reagieren will. Von Leo Klimm und Sven Clausen

ICE, Fernbusse, Ulrich Homburg, Bahn-Vorstand

Hält der ICE bald an weniger Bahnhöfen?©

Die Liberalisierung des Markts für Fernbusse bedroht das dichte Netz an ICE-Verbindungen in Deutschland. "Wenn etwa Strecken dann nur noch unwirtschaftlich betrieben werden können, werden wir möglicherweise handeln müssen", sagte Ulrich Homburg, Vorstand für Personenverkehr der Deutschen Bahn, der Financial Times Deutschland. "Das könnte im schwächer ausgelasteten Randnetz der Fall sein."

Zum Randnetz zählen ICE-Bahnhöfe, die nicht auf der Nord-Süd-Achse Hamburg-Frankfurt-München oder auf dem "C"-förmigen Bogen Berlin-Rhein/Ruhr-Stuttgart-München liegen. "Jeder Euro Umsatz, den wir hier an den Fernbus verlieren, kostet auch schon fast einen Euro operativen Gewinn", sagte Homburg. "Es kann zu einer Ausdünnung des ICE-Netzes führen - muss es aber nicht."

Marktführerschaft auch bei Bussen

Zugleich formulierte mit Homburg erstmals ein Bahn-Manager öffentlich den Anspruch, die Machtverhältnisse im Fernbus-Markt bestimmen: "Wenn wir es nicht schaffen, klarer Marktführer zu sein, verstehen wir unser Handwerk nicht", sagte er. Er strebe einen Marktanteil um die 50 Prozent an. Der Umsatz mit Fernbussen solle nach einer Anlaufphase im dreistelligen Millionenbereich liegen.

Das Bundeskabinett will Ende Mai die Fernbus-Liberalisierung beschließen, zum Jahresende soll sie in Kraft treten. Reformverlierer sind die Fernzüge der Bahn. Bisher werden sie durch ein Gesetz vor preisgünstigeren Bus-Angeboten geschützt. Bahn-internen Prognosen zufolge könnten Züge auf manchen Strecken 20 Prozent der Fahrgäste an den Bus verlieren. Nach FTD-Informationen sollen deshalb ICE-Stopps in Städten wie Leipzig, Erfurt oder Flensburg gefährdet sein.

"Wir sind in Frankreich an fast allem interessiert"

Ehrgeizige Vorgaben machte Homburg auch für das Auslandsgeschäft. So soll der europaweit aktive Nahverkehrsbetreiber Arriva, den die Bahn 2010 gekauft hat, in den nächsten fünf Jahren 2,3 Mrd. Euro investieren. Für Frankreich - dem einzigen großen Markt Europas, in dem die Bahn noch keinen Inlandsverkehr betreibt - nannte Homburg konkrete Ziele: "Wir sind dort an fast allem interessiert - vom Intercity über Regionalzüge bis hin zu Bussen und Straßenbahnen. Wenn wir eine relevante Rolle spielen wollen, müssen wir hier mittelfristig einen Marktanteil von zehn Prozent erreichen." Frankreich plant auf Druck der EU-Kommission eine vorsichtige Öffnung seines Bahnmarkts.

Homburg ist zugleich auf Kooperation mit dem französischen Rivalen SNCF angewiesen: Weil Siemens Züge nicht rechtzeitig liefert, kann die Bahn eine ab Dezember geplante ICE-Verbindung nach Marseille nicht selbst fahren. "Statt mit dem ICE fahren wir eben erstmal mit dem französischen Schnellzug TGV", räumte Homburg ein.

Übernommen aus ... FTD Zur Online-Ausgabe

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