Die Kosten eines Medikaments gegen Altersblindheit empören Patienten, Augenärzte und Krankenkassen. Der Deutschland-Chef des Pharmariesen Novartis, Peter Maag, verteidigt sich gegen den Vorwurf der Preistreiberei und der Korruption von Ärzten.

Peter Maag, 41, kommt von der Unternehmensberatung McKinsey und leitet seit 2006 die deutsche Novartis-Tochter in Nürnberg© Frank Boxler
Jedes Jahr erkranken in Deutschland 50.000 Menschen an einer besonderen Form der Altersblindheit, der feuchten Makuladegeneration. Mit Lucentis haben wir jetzt erstmals ein Medikament zugelassen, das diese große Volkskrankheit angehen kann. Wir haben 22.000 Menschen vor dem Erblinden bewahrt.
Die Entwicklung von Lucentis hat acht Jahre gedauert, und wir hatten auch signifikante Investitionen in dieses Produkt.
Das andere Medikament, von dem Sie sprechen, ist ein Darmkrebsmedikament. Es kann nicht sein, dass in Deutschland aus einer Infusionsflasche mehrmals Injektionen abgezapft und dann ins Auge gespritzt werden. Dagegen haben wir mit Lucentis ein zugelassenes Arzneimittel, das erfolgreich ist in der Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration.
Man schaut natürlich, wie wurde diese Behandlung in der Vergangenheit durchgeführt und was sind die therapeutischen Möglichkeiten, die es für diese Krankheit gibt. Dann sehen Sie, dass sich Lucentis preislich durchaus in dem Bereich bewegt, in dem die bisherigen Therapien vergütet wurden.
Nein, das würde ich so zurückweisen. Richtig ist, dass wir natürlich auch Kosten-Nutzen-Analysen machen und überzeugt sind, dass Lucentis seinen Preis wert ist. Außerdem ist das Darmkrebsmedikament am Auge gar nicht zugelassen.
Richtig ist, dass es keine verlässlichen Studien und Daten gibt, bezüglich Wirksamkeit, Dosierung, Verträglichkeit und Nebenwirkungen von Avastin am Auge.
Die Bremer Studie ist keine, mit der man eine Zulassung beantragen kann. Letztlich geht es hier darum, welche Bedeutung der hohe Sicherheitsstandard eines Arzneimittels verbunden mit der Zulassung noch hat. Diesen Standard sollte man 30 Jahre nach der Contergan-Katastrophe nicht wieder aufgeben.
Ich kann den Preis nicht mit Ihnen diskutieren, weil ich nicht wüsste, wo der Anfang und das Ende wäre. Einer Kosten-Nutzen-Bewertung durch das unabhängige Prüfinstitut IQWiG stehen wir aber positiv gegenüber.
Ich finde es wirklich spannend, wie schnell einzelne pharmakritische Stimmen diskutiert haben, in welchen Größenordnungen sich eine Lucentis-Vergütung in Deutschland bewegen würde. Nur, um Ihnen eine Vorstellung zu geben: 300 Millionen kostet heute bereits die Behandlung des Grünen Stars in Deutschland. Also eine vergleichbare Größenordnung. Sehr wenige Pharmafirmen haben in der Augenheilkunde tatsächlich noch geforscht. Wenn wir aber wollen, dass Forschung weiter läuft, brauchen wir auch Anreizsysteme.
Nein, das kann man so absolut nicht sagen.
Pioniergewinn - das würde ich absolut unterstreichen.
Zulassungen sind dazu da, die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Arzneimitteln zu bescheinigen. Sie klären nicht, ob das neue Medikament darüber hinaus einen therapeutischen Fortschritt bringt.
Übernommen aus ...
Ausgabe 25/2008