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6. Oktober 2008, 10:08 Uhr

Telekom-Chef verspielt Vertrauen

Der bislang größte Datendiebstahl in Deutschland erschüttert das Vertrauen in die Telekom. Oppositionspolitiker und Datenschützer haben massive Zweifel an der Datensicherheit beim ehemaligen Staatskonzern geäußert - und fordern Konsequenzen.

Das Logo der Deutschen Telekom. Bei T-Mobile sind Datensätze von 17 Millionen Mobilfunkkunden entwendet worden© Frank Augstein/AP

Telekom-Chef René Obermann, der zum fraglichen Zeitpunkt Chef der Mobilfunksparte war, entschuldigte sich am Sonntag bei seinen Kunden in einem Zeitungsinterview. "Das Ganze ist ein sehr ärgerlicher Vorfall", sagte er. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, sind im Jahr 2006 Datensätze von 17 Millionen Mobilfunkkunden entwendet worden. Der Konzern schaltete damals zwar die Staatsanwaltschaft ein, unterließ es aber, die Betroffenen zu informieren.

Der Skandal wirft erneut ein schlechtes Licht auf die Telekom. Erst im Mai wurde bekannt, dass die Telekom 2005 und 2006 die Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsratsmitgliedern und Journalisten auswerten ließ. Am Samstag musste der Bonner Konzern nun einräumen, dass sich persönliche Daten von Millionen Kunden der Tochter T-Mobile in kriminellen Kreisen befinden.

Nummern und Privatadressen von bekannten Politikern

Laut "Spiegel" sind neben Prominenten aus Kultur und Gesellschaft wie Hape Kerkeling und Günther Jauch "auch eine erstaunliche Anzahl geheimer Nummern und Privatadressen von bekannten Politikern, Ministern, Ex-Bundespräsidenten, Wirtschaftsführern, Milliardären und Glaubensvertretern" betroffen. Nach Bekanntwerden des Falls beauftragte das Bundesinnenministerium vor zwei Wochen das Bundeskriminalamt damit, Gefährdungsanalysen von Betroffenen zu erstellen. Das Kanzleramt wurde ebenfalls informiert.

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums nannte die Datenpanne "höchst bedauerlich". Nun stünde im Vordergrund, wie der betriebliche Datenschutz gestärkt werden könne. "Gegen kriminelles Handeln kommt man mit Gesetzen jedoch nicht weiter", sagte sie am Sonntag der FTD. In Kreisen des Ministeriums war von einem "Telekom-Desaster" die Rede.

Bei Datenbergen drohe stets fahrlässiger oder krimineller Missbrauch

Oppositionspolitiker kritisierten die Sicherheitsvorkehrungen der Telekom. Die Innenexpertin der FDP-Bundestagsfraktion, Gisela Piltz, sagte: "Nicht erst, wenn die Daten schon entwendet wurden, müssen sie sichergestellt, sondern schon von vornherein sicher gespeichert werden." Der Grünen-Politiker Volker Beck forderte, die Vorratsspeicherung von Telefondaten sofort zu stoppen. "Die Daten der Bürgerinnen und Bürger sind bei der Deutschen Telekom nicht sicher", sagte Beck. Wo Datenberge entstünden, drohe stets fahrlässiger oder krimineller Missbrauch.

Der aktuelle Fall betrifft fast jeden zweiten der damals rund 38 Millionen T-Mobile-Kunden in Deutschland. Laut Telekom umfassen die Datensätze neben Namen und Anschrift die Mobilfunknummer, teils das Geburtsdatum und in einigen Fällen auch die E-Mail-Adresse. Es seien keine Bankverbindungen, Kreditkartennummern oder Verbindungsdaten weitergegeben worden, sagte der Sprecher. Recherchen im Internet und in Datenbörsen hätten keine Anhaltspunkte geliefert, dass die Daten auf dem Schwarzmarkt gehandelt worden seien. "Nach unseren Erkenntnissen hatte man 2006 die Daten zwar angeboten, aber keinen Abnehmer gefunden", sagte Obermann. Er rechtfertigte sich auch, warum die Öffentlichkeit nicht direkt im Jahr 2006 informiert wurde: "Die Behörden waren eingeschaltet, Datenträger konnten beschlagnahmt werden, und es gab keinen Hinweis auf Missbrauch der Telefonnummern oder Schaden."

Das Ermittlungsverfahren dauert noch an

Der Konzern habe Anzeige erstattet und Untersuchungen eingeleitet, nachdem ein Vertriebspartner berichtet habe, dass ihm Daten angeboten worden seien. "Die Behörden haben umgehend agiert und bei Durchsuchungen Datenträger sichergestellt." Laut "Spiegel" war das brisante Material aber kurz nach dem Diebstahl bei dubiosen Händlern und anonymen Anbietern im Internet aufgetaucht. Einige von ihnen kämen aus der Pornobranche - darunter ein Erotikunternehmer aus Mainz, dem die Daten der T-Mobile-Kunden angeboten worden seien.

Mit zwei Mitarbeitern von T-Mobile sei "das Vertragsverhältnis gelöst" worden, sagte ein Sprecher. "Ein direkter Zusammenhang mit dem Datendiebstahl konnte ihnen nicht nachgewiesen werden." Das Ermittlungsverfahren zu dem Gesamtkomplex dauere jedoch noch an. Nach den Datenpannen geht nun im Konzern die Frage um, wann die nächste Bombe hochgeht. Als ein möglicher Schwachpunkt gilt die Adresshandelstochter SAF Unternehmensverbund. Dort lagern die Daten von vielen Millionen Telekom-Kunden.

 
 
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