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26. Februar 2008, 21:32 Uhr

Zumwinkels Trutzburg

SPD-Chef Kurt Beck wettert gegen Raubritter in Liechtenstein, der mutmaßliche Steuersünder Klaus Zumwinkel ist längst im Mittelalter angekommen. Am Gardasee besitzt er eine Burg mit Schwimmbad. In welcher Welt der Ex-Post-Chef lebt, zeigt ein Besuch bei den ausgesperrten Dorfbewohnern. Von Sabine Böhne und Ingrid Eißele

Zoom

Burg Tenno am Gardasee. Hausherr ist seit gut zehn Jahren Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel© Eric Vazzoler/Zeitenspiegel

In die Burg da oben, sagt Carlo Remia, der Vizebürgermeister der italienischen Gemeinde Tenno, "sind unsere Leute richtig verliebt." Markant, fast trutzig erhebt sich das mittelalterliche Gemäuer auf einem Felsvorsprung über dem Gardasee. Nur wenige Meter trennt die Burg von den Häusern zu ihren Füßen.

In der Anlage spielten früher Generationen von Kindern. Dutzende Hochzeitspaare ließen sich im Burghof fotografieren, bis das Wahrzeichen des Dorfes in die Hände eines Deutschen überging. In den letzten zehn Jahren blieb den Bewohnern von Tenno der Zutritt verwehrt. Klaus Zumwinkel, der deutsche Postchef, ließ die Burg mit Millionenaufwand zu einem verschwiegenen Feriensitz umbauen.

Zurückgezogen und diskret

"Privat - Dr. Z.", steht auf dem Namensschild neben der Klingel. Der Burgherr schätzt, ähnlich wie in Liechtenstein, Zurückgezogenheit. "Una persona discreta," so charakterisiert ihn Vizebürgermeister Carlo Remia. "Diskret und elegant." Fuhr Zumwinkel in seinem Audi A 6 vor, grüßte er nur kurz die Passanten und verschwand durch das gusseiserne Burgtor. Auch Ehefrau Antje machte sich im Dorf rar. Keins der üblichen Schwätzchen mit den Nachbarinnen, kein Besuch in den Trattorien am Fuß der Burg.

Vielleicht lag es auch an der Sprache, rätselt eine Nachbarin. Italienisch habe die Signora nicht gesprochen. Fragte man sie höflich nach ihrem Befinden, habe man sich stets auf deutsch versucht: "Geht gut?" "Gut, gut." Zumwinkel wurde immerhin gelegentlich im Jogginganzug auf den Dorfstraßen gesichtet. "Er grüßte freundlich, aber er blieb mit seiner Familie, den Kindern und den Freunden unter sich," sagt Giancarlo Marocchi, Hotelbesitzer und Ex-Präsident des Bergsteiger-Chores von Tenno.

Gekauft, saniert und seither für die Öffentlichkeit tabu

Im August 1997 hatte Klaus Zumwinkel die 800 Jahre alte Burg am Gardasee für umgerechnet 1,5 Millionen Euro von den damaligen Eigentümern, zwei Ingenieuren aus Belgien und Luxemburg, gekauft. Die hatten hinter den Mauern eine kleine Fabrik für Mikroelektronik eingerichtet. Nach ihrem Tod entschlossen sich die Erben zum Verkauf der renovierungsbedürftigen Burg. Die Kosten für die Sanierung wurden damals auf weitere 1,5 Millionen Euro geschätzt. Dennoch erwies sich der Kauf der 1500 Quadratmeter großen Anlage aus dem 12. Jahrhundert als Schnäppchen. Heute wird ihr Wert auf sechs Millionen Euro geschätzt.

Die Region hatte, wie in Italien bei derartigen historischen Gebäuden üblich, ein Vorkaufsrecht. Sie verzichtete jedoch darauf, weil sie damals gerade drei andere Burgen erworben hatte und über keine weiteren Mittel verfügte. Eine Entscheidung, die die Bewohner von Tenno bis heute bedauern. Der reiche Deutsche hatte die Burg zwar drei Jahre lang sehr aufwändig saniert, aber sie seitdem der Öffentlichkeit vorenthalten. Zur Einweihungsfeier nach Abschluss der Renovierung lud er nur die Honoratioren zum kalten Büffet ein. Der Bergsteiger-Chor durfte im Burghof "La Montanara" singen. Seitdem blieb das Tor für die Öffentlichkeit geschlossen. "Ein Jammer, dass unsere Leute das Castello nicht mehr betreten dürfen", bedauert Giancarlo Marocchi, Hotelbesitzer und Ex-Präsident des Bergsteiger-Chores von Tenno.

Feudales hinter dicken Mauern

Was der Deutsche allerdings aus der alten, mit Unkraut überwucherten Anlage gemacht hat - "stupendo!" schwärmt der junge Wirt des Restaurants "Castello", Gianluca Frizzi, 36, was übersetzt soviel heißt wie "grandios". Und außerdem gut für Frizzis Restaurant. Es liegt direkt neben der Auffahrt zur Burg und ist häufig ausgebucht, seit Zumwinkel die Wände sandstrahlen und den Schutt rund um die Burg entfernen ließ. Die Besucher kommen aus der ganzen Region, um die Aussicht auf die Berge über dem Gardasee und delikates "Carne Salada", feingeschnittenes Pökelfleisch in Öl, eine Spezialität der Region, zu genießen.

Hinter den dicken Burgmauern verbirgt sich freilich eine ganz andere Dimension des Daseins. Wenn Zumwinkels ihre Gäste an den Gardasee einluden, standen ihnen zwei Dutzend Zimmer und etliche Extras zur Verfügung. Man speiste in einem großen Saal unter arkadenförmigen Decken mit Blick auf Zypressen und Palmen im gepflegten Garten. Ein Billiard- und Fitnessraum laden zum Entspannen ein, ebenso ein Schwimmbad. Die Gemeinde Tenno hatte Bedenken angemeldet gegen das Hallenbad im historischen Gemäuer, doch Zumwinkel setzte sich nächstinstanzlich durch. Die Provinzregierung von Trento gab grünes Licht. Was nun mit Zumwinkels prächtiger Geldanlage geschieht, ist offen. Sollte er seine imposante Trutzburg verkaufen müssen, gibt es schon einen Interessenten. "Wir würden versuchen, unsere Burg zurückzukaufen", sagt der Vizebürgermeister Remia. "Und dieses Mal mit Leidenschaft."

Von Sabine Böhne und Ingrid Eißele
KOMMENTARE (10 von 38)
 
Dewerth (22.02.2008, 15:11 Uhr)
Vegefranz....
...völlig von der Rolle. Sieht schon DDR-Fans. Wahscheinlich Folge von Netzhaut-Ablösung.
Tomatstern (22.02.2008, 14:16 Uhr)
@Administratoren
Sehr geehrtes Administratoren-Team,
Ihre Argumentation wird wohl für jeden Leser dieses Forums ein unergründliches Rätsel bleiben.
Der von Ihnen gelöschte Artikel hatte genau die hier diskutierte inhaltliche Ausrichtung, die Steueraffäre im Falle Zumwinkel.
Einzig der Umstand der Kritik an der journalistischen Arbeit und dem damit verbunden Niveau der Darstellung des Sterns ergänzen, meine persönliche Darstellung der Affäre Zumwinkel.
Hieraus jedoch einen Verweis auf die "Hausordnung" abzuleiten und diesen Artikel als Off-Topic zu deklassieren, da er offensichtlich nicht die Gegenliebe der Online-Readaktion findet, kann ich nur damit entschuldigen, dass dem zuständigen Administrator der inhaltliche Bezug zum Thema entwender Mangels Sorgfalt entgangen ist ( sprich er hat den Artikel nicht gelesen) oder er war intellektuell nicht in der Lage dem Artikel zu folgen.
Thematisch beinhalten Beiträge anderer User in den einzelnen Punkten deckungsgleiche Aussagen, wenn gleich diese nicht so ausführlich kommentiert und dargestellt sind. (Siehe die auf meinen Artikel zeitlich folgende Beiträge von Buureremmel um 8:33 oder in Teilen die Betrachtungsweise von UThome um 8:57. Beide Artikel blieben unbeanstandet)
Der gelöschte Artikel liegt mir noch in Kopie vor, hieraus läßt sich weder ein Verstoss gegen die "Hausordnung" noch ein Off-Topic Bezug ableiten. Einzig die Kritik am Stern (Online-Readaktion)ist unbequem, aber in der Sache durchaus mit dem notwendigen kritischen Respekt verfasst.
Im besagten Fall werde ich eine Stellungnahme der Chefredaktion des Sterns unter Vorlage des Artikel erbitten, denn es kann nicht sein, dass ein offenes Diskussionsforum derlei Willkür unterliegt. Dieses Verhalten wird dem publizitischen Selbstverständnisse des Stern nicht gerecht oder sollte es hier doch einen Wandel zu einer rein populistischen Betrachtungsweise gegeben haben.
nony (22.02.2008, 13:38 Uhr)
Irgendwie ...
.... können einem diese Manager ja wirklich leid tun. Da tun sie schon den ganzen Tag nichts anderes, als sich um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern und dann werden sie dafür auch noch abgewatscht. Und das alles nur, weil wir die Sozialneid - Floskel (statt Floskel könnte man das auch als rhetorischen Totschläger bezeichnen) so nicht fressen wollen.
Administrator (22.02.2008, 12:20 Uhr)
@Tomatstern
Liebe/r Tomatstern,
vielen dank für Ihre Beiträge. Für unsere Foren und Kommentarfunktionen gelten gewisse Regeln, die wir in der Hausordnung festgehalten haben. Eine davon besagt, dass die Kommentarfunktion genutzt wird, um den jeweiligen Artikel und dessen Thema zu diskutieren. Um die Debatte für alle User übersichtlich zu halten, entfernen wir alle Beiträge, die mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun haben. Ihr Beitrag war eindeutig ein off topic-Beitrag. Diese Form des Eingreifens ist eine im Internet übliche Administration, deren Sinn es ist, einer sachlichen Debatte das Überleben zu sichern.
Gern lassen wir uns Kritik gefallen - sachlich, höflich und zum Thema.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
QFThunk (22.02.2008, 10:27 Uhr)
Behaltet die Relation im Auge
Selbstverständlich ist der durch Schwarzarbeit entstehende Steuerschaden auf den ersten Blick größer. Jedoch relativiert sich dieses sofort (ebenso, wie die „kleinen“ Schönrechnereien bei der Einkommensteuererklärung) dadurch, dass das so erwirtschaftete bzw. „ersparte“ Geld sofort dem Konsum und somit der Binnenwirtschaft zufließt – inklusive so verursachender Umsatzsteuer von 7 bzw. 19 %. Denn die große Masse der „kleinen Betrüger“ handelt so aus Mangel an ausreichendem Einkommen. Diese so entstehenden 114 Milliarden Euro werden damit indirekt von potentiellen Gelddepots in die Volkswirtschaft gesteckt. Ein schlauer Wirtschaftsprofessor (bitte mal selber im Netz recherchieren) hat erst in dieser Woche diese Argumentation nachgerechnet.
Was uns alle sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass eine Gruppe von nicht einmal 50.000 Mitgliedern unserer Gesellschaft einen fast ebenso hohen Steuerschaden verursacht. Da diese zumeist durch Erbschaft bzw. Erbringen besonders honorierter Leistungen zu diesem Geld gekommen sind, ist der Tatbestand der Schwarzarbeit gänzlich ausgeschlossen.
Zumwinkel hat Millionen geerbt – aufgrund seiner Geburt ist er – ebenso wie über 90 % der Verantwortlichen – in den Stand des Managers gekommen. Zu dieser Kaste, die die Wirtschaft des Landes lenken, und die keine Ahnung von den Lebensumständen der deutschen Bevölkerung haben, gesellen sich Sportler wie z. B. ehemalige Fußballer und jetzige Sportvereinmanager (lebt aus Steuerspargründen in Österreich), ehemalige Rennfahrer (Schweiz).
Und dass diese Personen, die ihren Erfolg UNSEREM Land und der darin lebenden Bevölkerung verdanken, ihr Geld zum Teil illegal im Ausland vor der deutschen Steuerpflicht verstecken, DAS ist die Sauerei, die den Volkszorn verursacht!
Ach ja, der Artikel verdeutlicht nur, unter welchen Umständen diejenigen Personen leben, die die Existenzgrundlagen der Bevölkerung (Enkommen durch Arbeit) beeinflussen (befragt mal einen ehemaligen Unternehmensberater nach dem Arbeitsentgelt des deutschen Michels!).
Lars Hunkert, Bonn
QFThunk (22.02.2008, 10:07 Uhr)
@ UThome
Selbstverständlich ist der durch Schwarzarbeit entstehende Steuerschaden auf den ersten Blick größer. Jedoch relativiert sich dieses sofort (ebenso, wie die „kleinen“ Schönrechnereien bei der Einkommensteuererklärung) dadurch, dass das so erwirtschaftete bzw. „ersparte“ sofort Geld dem Konsum und somit der Binnenwirtschaft zufließt – inklusive so verursachender Umsatzsteuer von 7 bzw. 19 %. Denn die große Masse der „kleinen Betrüger“ handelt so aus Mangel an ausreichendem Einkommen. Diese so entstehenden 114 Milliarden Euro werden damit indirekt von potentiellen Gelddepots in die Volkswirtschaft gesteckt. Ein schlauer Wirtschaftsprofessor (bitte mal selber im Netz recherchieren) hat erst in dieser Woche diese Argumentation nachgerechnet.
Was uns alle sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass eine Gruppe von nicht einmal 50.000 Mitgliedern unserer Gesellschaft einen fast ebenso hohen Steuerschaden verursacht. Da diese zumeist durch Erbschaft bzw. Erbringen besonders honorierter Leistungen zu diesem Geld gekommen sind, ist der Tatbestand der Schwarzarbeit gänzlich ausgeschlossen.
Zumwinkel hat Millionen geerbt – aufgrund seiner Geburt ist er – ebenso wie über 90 % der Verantwortlichen – in den Stand des Managers gekommen. Zu dieser Kaste, die die Wirtschaft des Landes lenken, und die keine Ahnung von den Lebensumständen der deutschen Bevölkerung haben, gesellen sich Sportler alá Franz Beckenbauer (lebt aus Steuerspargründen in Österreich), Michael Schumacher (Schweiz) oder Ralf Schumacher (Schweiz).
Und dass diese Personen, die ihren Erfolg UNSEREM Land und der darin lebenden Bevölkerung verdanken, ihr Geld zum Teil illegal im Ausland vor der deutschen Steuerpflicht verstecken, DAS ist die Sauerei, die den Volkszorn verursacht!
Lars Hunkert, Bonn
Tomatstern (22.02.2008, 09:46 Uhr)
Zensur als Mittel der Meinungslenkung
Liebes Stern.de Team,
um 8Uhr 31 habe ich heute hier in diesem Forum einen Beitrag zur unter der Überschrift "Stern als gleichgeschalter Erfüllungsgehilfe" geschrieben und darin aus meiner persönlichen Sichtweise die Zusammenhänge der medialen Berichterstaltung im Kontext der Steueraffäre und vor allem die Rolle des Sterns im Rahmen eines staats- und gesellschaftskritischen Pressemedium kommentiert und zur Diskussion gestellt. Einmal abgesehen von der jounalistischen Qualität, der dem Geist von Henry Nannen spottet.
Nun ist dieser Artikel "verschunden". Ist Zensur die neue Methodik des Sterns, wenn ungeliebte Lesermeinungen den Nerv der Redaktion treffen?
Zensur im Medienbereich ist ein Armutszeugnis für den Zensor und ein Verbrechen am Freien Wort.
Warum nutzt der Stern nicht dieses Forum zur Gegendarstellung, zur offenen Diskussion mit seinen Lesern?
Ich bin mir sicher die Leser greifen den Dialog gerne auf.
Zensur ist und wird nie ein Mittel sein.
ganzbaf (22.02.2008, 09:17 Uhr)
Na, natürlich deswegen....
gibt es "Empörung", weil nicht die kleinen Bescheisser die großen permanent zum Verzicht aufgfordert haben und deren Geld beschnitten, sondern genau umgekehrt... ;-P
.
Außerdem ist das ja mehr ein Vergleich zwischen "Mundraub" (=kleine Beascheisser) und "Gierhals" (=bescheissende Millionäre und Milliardäre).
UThome (22.02.2008, 08:57 Uhr)
Was läuft da falsch?
Seit der Durchsuchung in der Villa von Herrn Zumwinkel und dessen öffentlicher Zurschaustellung frage ich mich was das für Ermittlungsbehörden sind? Vor dem Eintreffen der Staatsanwaltschaft stehen die Übertragungswagen der Medien bereit, kurz nach der vorläufigen Festnahme plaudert der Sprecher der ermittelnden Staatsanwaltschaft von 1. 000. 000 € Steuerschuld. Gibt es kein Steuergeheimnis mehr, hat man in unserer Republik den Grundsatz der Unschuldsvermutung abgeschafft, habe ich da was verpasst? Mit medialem Getöse geht unser Rechtstaat den Bach runter und keiner merkt es oder will es merken. Nicht nur der bayrische Datenschutzbeauftragter sondern jeder in den Medien vorgeführte und somit gesellschaftlich ruinierter Betroffener sollte den Staat, bzw. seine handelnden Organe verklagen. Und die Öffentlichkeit, 114 Milliarden durch Schwarzarbeit gehen den sozialen Netzen an Geldern verloren, wo ist da der Aufschrei der Gesellschaft? Die muss man ja erst mal auch beschäftigen. Wo sind die Kleinen, die mal eben die Entfernung zum Arbeitsplatz großzügig aufrunden, wo sind diejenigen die ihre Arbeitsmittel gestellt bekommen aber fleißig ihre privat genutzten Computer in Rechnung stellen. Also Steuerhinterziehung und Sozialbetrug durch Schwarzarbeit doch ein Volkssport? Warum dann die Empörung?
Buureremmel (22.02.2008, 08:47 Uhr)
Liebe Stern-Redaktion,
besteht Hoffnung, dass Ihr Niveauverlust irgendwann an eine Schamgrenze stößt?
Was hätte Herr Nannen zu einer solchen journalistischen Leistung wohl gesagt?
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