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21. Februar 2008, 14:05 Uhr

Zumwinkels Trutzburg

SPD-Chef Kurt Beck wettert gegen Raubritter in Liechtenstein, der mutmaßliche Steuersünder Klaus Zumwinkel ist längst im Mittelalter angekommen. Am Gardasee besitzt er eine Burg mit Schwimmbad. In welcher Welt der Ex-Post-Chef lebt, zeigt ein Besuch bei den ausgesperrten Dorfbewohnern. Von Sabine Böhne und Ingrid Eißele

Burg Tenno am Gardasee. Hausherr ist seit gut zehn Jahren Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel© Eric Vazzoler/Zeitenspiegel

In die Burg da oben, sagt Carlo Remia, der Vizebürgermeister der italienischen Gemeinde Tenno, "sind unsere Leute richtig verliebt." Markant, fast trutzig erhebt sich das mittelalterliche Gemäuer auf einem Felsvorsprung über dem Gardasee. Nur wenige Meter trennt die Burg von den Häusern zu ihren Füßen.

In der Anlage spielten früher Generationen von Kindern. Dutzende Hochzeitspaare ließen sich im Burghof fotografieren, bis das Wahrzeichen des Dorfes in die Hände eines Deutschen überging. In den letzten zehn Jahren blieb den Bewohnern von Tenno der Zutritt verwehrt. Klaus Zumwinkel, der deutsche Postchef, ließ die Burg mit Millionenaufwand zu einem verschwiegenen Feriensitz umbauen.

Zurückgezogen und diskret

"Privat - Dr. Z.", steht auf dem Namensschild neben der Klingel. Der Burgherr schätzt, ähnlich wie in Liechtenstein, Zurückgezogenheit. "Una persona discreta," so charakterisiert ihn Vizebürgermeister Carlo Remia. "Diskret und elegant." Fuhr Zumwinkel in seinem Audi A 6 vor, grüßte er nur kurz die Passanten und verschwand durch das gusseiserne Burgtor. Auch Ehefrau Antje machte sich im Dorf rar. Keins der üblichen Schwätzchen mit den Nachbarinnen, kein Besuch in den Trattorien am Fuß der Burg.

Vielleicht lag es auch an der Sprache, rätselt eine Nachbarin. Italienisch habe die Signora nicht gesprochen. Fragte man sie höflich nach ihrem Befinden, habe man sich stets auf deutsch versucht: "Geht gut?" "Gut, gut." Zumwinkel wurde immerhin gelegentlich im Jogginganzug auf den Dorfstraßen gesichtet. "Er grüßte freundlich, aber er blieb mit seiner Familie, den Kindern und den Freunden unter sich," sagt Giancarlo Marocchi, Hotelbesitzer und Ex-Präsident des Bergsteiger-Chores von Tenno.

Gekauft, saniert und seither für die Öffentlichkeit tabu

Im August 1997 hatte Klaus Zumwinkel die 800 Jahre alte Burg am Gardasee für umgerechnet 1,5 Millionen Euro von den damaligen Eigentümern, zwei Ingenieuren aus Belgien und Luxemburg, gekauft. Die hatten hinter den Mauern eine kleine Fabrik für Mikroelektronik eingerichtet. Nach ihrem Tod entschlossen sich die Erben zum Verkauf der renovierungsbedürftigen Burg. Die Kosten für die Sanierung wurden damals auf weitere 1,5 Millionen Euro geschätzt. Dennoch erwies sich der Kauf der 1500 Quadratmeter großen Anlage aus dem 12. Jahrhundert als Schnäppchen. Heute wird ihr Wert auf sechs Millionen Euro geschätzt.

Die Region hatte, wie in Italien bei derartigen historischen Gebäuden üblich, ein Vorkaufsrecht. Sie verzichtete jedoch darauf, weil sie damals gerade drei andere Burgen erworben hatte und über keine weiteren Mittel verfügte. Eine Entscheidung, die die Bewohner von Tenno bis heute bedauern. Der reiche Deutsche hatte die Burg zwar drei Jahre lang sehr aufwändig saniert, aber sie seitdem der Öffentlichkeit vorenthalten. Zur Einweihungsfeier nach Abschluss der Renovierung lud er nur die Honoratioren zum kalten Büffet ein. Der Bergsteiger-Chor durfte im Burghof "La Montanara" singen. Seitdem blieb das Tor für die Öffentlichkeit geschlossen. "Ein Jammer, dass unsere Leute das Castello nicht mehr betreten dürfen", bedauert Giancarlo Marocchi, Hotelbesitzer und Ex-Präsident des Bergsteiger-Chores von Tenno.

Feudales hinter dicken Mauern

Was der Deutsche allerdings aus der alten, mit Unkraut überwucherten Anlage gemacht hat - "stupendo!" schwärmt der junge Wirt des Restaurants "Castello", Gianluca Frizzi, 36, was übersetzt soviel heißt wie "grandios". Und außerdem gut für Frizzis Restaurant. Es liegt direkt neben der Auffahrt zur Burg und ist häufig ausgebucht, seit Zumwinkel die Wände sandstrahlen und den Schutt rund um die Burg entfernen ließ. Die Besucher kommen aus der ganzen Region, um die Aussicht auf die Berge über dem Gardasee und delikates "Carne Salada", feingeschnittenes Pökelfleisch in Öl, eine Spezialität der Region, zu genießen.

Hinter den dicken Burgmauern verbirgt sich freilich eine ganz andere Dimension des Daseins. Wenn Zumwinkels ihre Gäste an den Gardasee einluden, standen ihnen zwei Dutzend Zimmer und etliche Extras zur Verfügung. Man speiste in einem großen Saal unter arkadenförmigen Decken mit Blick auf Zypressen und Palmen im gepflegten Garten. Ein Billiard- und Fitnessraum laden zum Entspannen ein, ebenso ein Schwimmbad. Die Gemeinde Tenno hatte Bedenken angemeldet gegen das Hallenbad im historischen Gemäuer, doch Zumwinkel setzte sich nächstinstanzlich durch. Die Provinzregierung von Trento gab grünes Licht. Was nun mit Zumwinkels prächtiger Geldanlage geschieht, ist offen. Sollte er seine imposante Trutzburg verkaufen müssen, gibt es schon einen Interessenten. "Wir würden versuchen, unsere Burg zurückzukaufen", sagt der Vizebürgermeister Remia. "Und dieses Mal mit Leidenschaft."

Von Sabine Böhne und Ingrid Eißele
 
 
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