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Aufstand gegen Zara

Ist Zara ein Sklavenhalter? Razzien in Argentinien erhärten den Verdacht, dass der Modekonzern seine Ware von rechtlosen Arbeitern fertigen lässt. Aufgedeckt hat den Skandal ein Freund des Papstes.

Von Stefan Biskamp, Buenos Aires

  Demo gegen Zara in Buenos Aires. Angeführt werden die Proteste von Papstfreund Gustavo Vera.

Demo gegen Zara in Buenos Aires. Angeführt werden die Proteste von Papstfreund Gustavo Vera.

Es ist sieben Uhr abends, in der beliebtesten Einkaufsstraße von Buenos Aires strömen die Menschen aus dem nahen Bankenviertel nach Büroschluss in die Mode- und Schmuckgeschäfte. Die beste Zeit des Tages - auch für den argentinischen Flagship-Store von Zara in der Florida-Straße Nummer 651. Nur an diesem Tag nicht. Mit schwenkenden Fahnen und unter dem Gedröhn von Trommeln versperrt eine Menschenmenge den Eingang. "Zara, Zara, Du bist ein Sklavenhalter", singen die Leute. Einige Kunden huschen erschrocken aus dem riesigen Laden der weltweit zweitgrößten Modemarke. "Was Du hier kaufst, ist illegal", rufen ihnen die Demonstranten hinterher. "Die Arbeiter, die für Zara schuften, werden wie Tiere gehalten", brüllt ein kleiner rundlicher Mann mit zerzaustem Haar heiser ins Mikrophon.

Der Mann heißt Gustavo Vera - und ist Zaras Albtraum. Er führte die Demonstration an. Seit Jahren verfolgt er als Präsident der argentinischen Nichtregierungsorganisation "La Alameda" Zara und mehr als 100 weitere Modemarkten mit einem abenteuerlichen Vorwurf: Sie alle sollen einen großen Teil ihrer Ware in versteckten Nähereien von Arbeitssklaven fertigen lassen. Belangt wurde bislang jedoch keine der Marken.

Als Bergoglio noch kein Papst war, unterstützte er Vera

Doch für Zara wird es nun eng. Vor wenigen Tagen hob die kommunale Kontrollbehörde der Stadt Buenos Aires bei Razzien drei illegale Werkstätten aus, die als Auftragsfertiger für die Kette produzierten. "Das ist der Franziskus-Effekt", sagte Vera stern.de. "Es ist kein Zufall, dass die Stadt wenige Tage nach dem Amtsantritt des Papstes auf unsere Hinweise reagiert." Denn der Aktivist ist seit langem mit dem heutigen Papst Franziskus befreundet. Als Kardinal von Buenos Aires unterstützte Jorge Mario Bergoglio Veras Kampf gegen die Knechtschaft. "Wo ist Dein Bruder, der Sklave?", rief Bergoglio in einer anklagenden Predigt gegen Menschenhandel und Ausbeutung im vergangenen September. "Der Trotzkist des Papstes", so nennt die argentinische Presse den bekennenden Marxisten Vera seit der Papstwahl.

Die in den nun ausgehobenen Werkstätten Festgehaltenen berichteten nach den Razzien über Arbeitszeiten "von sieben bis 22 oder 23 Uhr" und scharfe Ausgangskontrollen. Die Ermittler dokumentierten katastrophale hygienische Bedingungen in den engen Schlaf- und Wohnräumen. "Warmes Bett" nennt Vera dieses Produktionssystem: Die mit hohen Geldversprechen aus ärmeren Nachbarländern, meist aus Bolivien angelockten Männer und Frauen stehen auf, um zu nähen, und lassen sich nachts wieder ins Bett fallen. Ihre Pässe behalten die Besitzer der Nähereien ein.

Oft leben ganze Familien in den über das ganze Stadtgebiet und die Vororte der Metropole verstreuten Werkstätten, in denen, wie in den gerade ausgehobenen, meist ein knappes Dutzend Arbeiter hausen und im Akkord nähen. "Im Schnitt bekommen die Sklavenarbeiter rund 1,7 Prozent des Endpreises der von ihnen genähten Textilien als Lohn", sagte Vera. "Allerdings müssen sie davon ihre Reise abbezahlen und ihre Verpflegung." Auf rund 30.000 schätzt Vera die Zahl der illegalen Nähereien im Großraum Buenos Aires. "78 Prozent der argentinischen Textilproduktion kommen aus Sklavenbetrieben", sagt Vera. "500.000 Sklaven werden in Argentinien gehalten, 200.000 allein in der Modeindustrie, die anderen in Landwirtschaft und Prostitution."

Ähnliche Vorwürfe gab es auch in Brasilien

Um das Verfahren gegen Zara zu beschleunigen, hat Vera Strafanzeige gegen das Unternehmen eingereicht. Zara gehört zum spanischen Konzern Inditex, dessen Eigentümer Amancio Ortega als drittreichster Mann weltweit gilt. Inditex kommentierte die Razzien und die Vorwürfe nicht. Ein Mitarbeiter verwies auf mehrere hundert Kontrollen der Zulieferer in den vergangenen Jahren und versprach, Zara werde mit den Ermittlungsbehörden bei der Aufklärung zusammenarbeiten. Ähnliche Vorwürfe gegenüber der Textilkette wurden auch schon in Brasilien erhoben. Und auch Konkurrent H&M wird immer wieder beschuldigt, mit zweifelhaften Zulieferen zusammenzuarbeiten.

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