Darauf sollten Sie achten

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein Muss: Denn wer in seinem Beruf nicht mehr arbeiten kann, steht schnell ohne Einkommen da. stern.de erklärt, wie Sie sich dagegen versichern können.

Berufsunfähigkeit gehört zu den häufig unterschätzten Risiken des Lebens. Zwar gewährt die gesetzliche Rentenversicherung Arbeitnehmern in vielen Fällen eine finanzielle Stütze, die so genannte Erwerbsminderungsrente. Aber ob und wieviel gezahlt wird, ist von komplizierten Berechnungen abhängig - der Lebensstandard ist damit sicher nicht haltbar, mitunter noch nicht mal der Lebensunterhalt.

stern.de erklärt, wie Sie sich gegen das Risiko Berufsunfähigkeit privat versichern können und worauf Sie dabei unbedingt achten sollten.

Warum ist die BU-Versicherung so wichtig?

Eine Berufsunfähigkeits-Versicherung ist absolut empfehlenswert. Denn Berufsunfähigkeit, im Versicherungs-Branchenjargon "BU" genannt, gehört besonders für junge Menschen, vor allem wenn sie bereits eine Familie haben, zu den größten finanziellen Risiken. Die Einkommensausfälle einer frühen Berufsunfähigkeit können enorm sein. Wer zum Beispiel ab 38 Jahre nicht mehr arbeiten kann, verliert, je nach Renteneintrittsalter, fast 30 Jahre lang sein lebensstandardsicherndes Einkommen. Zudem fällt damit auch die Zahlung in die Rentenkasse aus, was wiederum die Altersbezüge schmälert, in der Tendenz zur Mindestsicherung auf Sozialhilfeniveau ("Hartz IV") führt.

Was leistet die Versicherung?

Das Prinzip der BU-Police ist einfach: Man zahlt regelmäßig einen Jahresbeitrag. Wird man arbeitsunfähig, zahlt die Versicherung bis zum Beginn des Rentenalters oder dem Ende der vereinbarten Laufzeit eine BU-Rente.

Eine BU-Versicherung ist für Arbeitnehmer sogar der Unfallversicherung vorzuziehen, denn die BU-Police zahlt sowohl bei Unfall als auch bei einer permanenten Erkrankung. Und für den Verlust der Arbeitsfähigkeit sind zu 90 Prozent Krankheiten verantwortlich.

Beiträge und Kosten

Die Höhe der Beiträge hängt stark vom Alter bei Abschluss der Versicherung ab: Grundsätzlich gilt: Je jünger der Kunde, desto geringer sind die Kosten, denn die Versicherungen haben ein geringeres Risiko und bekommen länger Beitragszahlungen. Einfluss auf die Höhe hat auch der Beruf: Büroarbeiter zahlen weniger als beispielsweise Dachdecker. Wer körperlich arbeitet, hat ein höheres Risiko, berufsunfähig zu werden, und ist danach auch weniger gut in anderen Berufen einsetzbar.

Krankengeschichte und Gesundheitscheck

BU-Schäden sind teuer für den Versicherer, deshalb versuchen die Konzerne oft, sich um eine Rentenzahlung zu drücken. Versicherte sollten daher bei Abschluss des Vertrages ihre Angaben zu etwaigen Vorerkrankungen sehr sorgfältig machen, wie Verbraucherschützer raten. Denn eine nicht wahrheitsgemäße oder lückenhafte Krankheitsgeschichte kann schnell zum Streitfall führen.

Dann drohen möglicherweise jahrelange Prozesse, in denen Sie keine Leistungen aus der BU-Versicherung erhalten. Umgehen lassen sich rechtliche Fallstricke der Police am einfachsten mit totaler Offenheit. Das Stichwort heißt: vorvertragliche Anzeigepflicht. Ein Hexenschuss, der nicht angegeben wurde, reicht dem Versicherer oft, die Zahlung abzulehnen. Gibt man Rückenleiden oder gar psychische Erkrankungen an, lehnen die Versicherer meist sogar schon den Abschluss ab oder versichern nur gegen hohe Zuschläge. In solchen Fällen ist die Unfallversicherung eine Alternative.

Tipp: Alle Ärzte, bei denen man in den vergangenen Jahren in Behandlung war, um Abschriften der Krankenkarten bitten und bei Abschluss der Versicherung einreichen. Das ist aufwendig, verhindert aber am wirkungsvollsten, dass der Versicherer sich später vor Zahlungen drückt.

Hierauf sollten Sie unbedingt achten

Ein Qualitätsmerkmal von BU-Angeboten ist im Zusammenhang mit Ihrer Krankengeschichte auch, wie viele Jahre der Versicherer auf sein Rücktrittsrecht besteht. Danach kann er sich nicht mehr darauf berufen, dass die Anzeigepflicht von Vorerkrankungen verletzt wurde. Am besten sind Verträge, die bereits nach fünf Jahren auf dieses Recht verzichten.

Wie bei der Lebensversicherung auch, sollte der Vertrag für eine gewisse Zeit beitragsfrei gestellt werden können, ohne dass danach eine erneute Gesundheitsprüfung ansteht. So lassen sich etwa Zeiten von Arbeitslosigkeit überbrücken.

Den BU-Schutz kann man separat oder in Kombination mit einer Lebensversicherung abschließen. Aus einer BU wird dann im Fachjargon eine BUZ, wobei das Z für Zusatz steht. Wer ohnehin den Todesfall-/Vorsorgeschutz einer Lebens-Police will, sollte sich ein BUZ-Angebot machen lassen. Ein Vertrag ist in der Regel günstiger als zwei.

Absehen sollten Sie dagegen von einer Berufsunfähigkeits-Versicherung als Zusatz zu einer Kapital-Lebensversicherung. Zum einen steigen die Beiträge durch den darin enthaltenen Sparanteil und zum anderen: Müssen oder wollen Sie ihre Kapital-Lebensversicherung kündigen, fällt auch der BU-Schutz weg. Und eine neue Versicherung ist aufwändig und teurer - vor allem, je älter Sie sind.

Wählen Sie als Vertragslaufzeit das Alter, in dem Sie voraussichtlich in Rente gehen - im Allgemeinen mit 67 Jahren.

Kalkulieren Sie in ihre BU-Rente eher großzügig, auch wenn dies höhere Prämien bedeutet. Denken Sie also unbedingt an die Inflation. So sind 1000 Euro in einigen Jahren nicht mehr zwingend genau soviel wert wie jetzt.

Finger weg von Berufsunfähigkeitsverträgen, die eine Verweisungsklausel enthalten. Solche Klauseln regeln, dass die Versicherung nicht zu zahlen braucht, wenn der Versicherte in einem anderen Beruf arbeiten kann, der in Status und Bezahlung gleichwertig ist. Dabei ist es allerdings egal, ob der Versicherte überhaupt einen solchen Job findet oder nicht. Gerade für ältere Menschen ist dieser Passus gefährlich. Sind sie erst einmal durch Krankheit oder Unfall eingeschränkt belastbar, haben sie nur noch wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

So können Sie sich über Angebote informieren

Viele Internetangebote bieten einen Versicherungsvergleich an. Seriöse Seiten aber werden Ihnen nicht sofort eine Übersicht mit Beiträgen, Kosten und Leistungen präsentieren, sondern Sie zunächst auffordern, einige Details über ihre persönliche Situation und Ihre Wünschen anzugeben. Erst wenn dieser Auskunftsbogen abgeschickt und ausgewertet ist, bekommen sie verschiedene Angebote per E-Mail zugesandt. Das mag auf den ersten Blick umständlich erscheinen, ist aber aufgrund der komplizierten und "individuellen" Tarifgestaltung bei Berufsunfähigkeits-Versicherung nicht anders möglich.

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