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Welche Schäden sind versichert?: Wenn Drachen und Drohnen abstürzen

Ob monströse Lenkdrachen oder ferngesteuerte Drohnen: Privatleute lassen immer größere Flugobjekte abheben. Aber wer zahlt, wenn die Dinger eine Bruchlandung auf Nachbars Auto hinlegen?

Von Jonas Tauber

Wenn Drachen oder andere Fluggeräte an der falschen Stelle abstürzen, kann es unangenehm werden

Wenn Drachen oder andere Fluggeräte an der falschen Stelle abstürzen, kann es unangenehm werden

Drachensteigen klingt nach Kinderspaß, kann aber auch ziemlich ernst werden. Während einfache Papierdrachen ein überschaubares Haftpflichtrisiko bergen, sieht die Sache bei größeren Lenkdrachen anders aus. Bei hohen Windstärken wirken erhebliche Kräfte. Stürzt ein Drache dann an der falschen Stelle ab und trifft ein geparktes Auto oder sogar einen Passanten, kann das schlimme Folgen haben. Der Verursacher muss für die entstanden Schäden aufkommen.

Ob die private Haftpflichtversicherung die Kosten erstattet, hängt vom Einzelfall ab, sagt eine Sprecherin des Versichererverbands GDV. Kunden kontaktieren am besten vorab ihre Gesellschaft und lassen sich den eventuell bestehenden Versicherungsschutz schriftlich bestätigen. Um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, sollte genau besprochen werden, um was für einen Drachen es geht. Viele Gesellschaften schließen Drachen mit einer Schnurlänge von mehr als 30 Metern aus.

Bis 2012 gab es in Deutschland sogar eine gesetzliche Versicherungspflicht für Drachen, sagt der Anwalt und begeisterte Kite-Sportler Wolf-Dieter Czap aus Hirschaid bei Bamberg. Das hat sich aber inzwischen geändert. "Seit der Änderung des Luftverkehrsgesetzes 2012 gelten Drachen in Deutschland nicht mehr als Luftfahrzeuge, sodass keine Versicherungspflicht mehr besteht", berichtet er.

In anderen Ländern wie der Schweiz oder Österreich gibt es eine solche Pflicht aber weiterhin. Das kann für grenzüberschreitend aktive Drachen-Fans ein Problem darstellen. Denn bei einigen deutschen Versicherern wie der Gothaer werden Schäden, die ein in diesen Ländern abstürzender Drache verursacht, nicht von der privaten Haftpflichtversicherung gedeckt. Die Logik: Weil gesetzliche Versicherungspflicht für den besteht, ist eine Spezialpolice nötig.

Spezielle Kite-Versicherung

Aus diesem Grund verfügt Czap persönlich auch über eine spezielle Kite-Versicherung: Diese greift weltweit und unabhängig davon, ob im jeweiligen Land eine Versicherungspflicht besteht. Solche Policen bietet etwa der Wasser- und Segelsportverband VDWS. Für 40 Euro im Jahr erhalten Sportler einen Haftpflichtschutz mit einer Versicherungssumme von drei Millionen Euro, einen Kaskoschutz für Miet-Drachen sowie einen Unfallschutz.

Natürlich lassen sich die Haftpflichtrisiken von Lenkdrachen auch direkt bei einem Versicherungsunternehmen absichern. So bietet die Allianz-Tochter AGCS eine Deckung für Lenkdrachen und Modellflugzeuge an. Auch die Absicherung mehrerer Drachen oder Modelle über eine einzelne Police ist möglich, sagt Josef Schweighart, Leiter Aviation Underwriting bei AGCS Deutschland. Die Jahresprämie beginne bei rund 50 Euro.

Versicherungspflicht für Drohnen

Für ferngesteuerte Segelflugzeuge und Modellflugzeuge mit Motor haben sich die gesetzlichen Vorgaben dagegen verschärft. Seit 2005 gilt unabhängig vom Gewicht eine Versicherungspflicht, auch für die umgangssprachlich Drohnen getauften Flugobjekte mit mehreren Rotoren. Bis 2005 waren kleinere Modellflugzeuge bis fünf Kilo dagegen befreit. Deshalb sind sie in älteren privaten Haftpflichtverträgen oft noch gedeckt. Manche Versicherer schließen die Leichtgewichte auch bei aktuellen Policen ein, im Premiumprodukt der Gothaer etwa sind sie mitversichert. In der Basis-Variante greift die Police dagegen nur bei Mini-Modellen bis 50 Gramm.

Für Geräte mit mehr als fünf Kilo Gewicht müssen Modellflugzeug-Piloten in jedem Fall eine spezielle Haftpflichtdeckung für Luftfahrzeuge abschließen. Vergleichbar der Situation bei Lenkdrachen oder Kites gibt es auch bei Modellflugzeugen die Möglichkeit, über einen Verband den Schutz zu kaufen. Das ist in der Regel billiger als direkt beim Versicherer, da es sich um Gruppenverträge handelt.

Der Deutsche Modellflieger Verband (DMV) bietet einen Basishaftpflichtschutz, der im jährlichen Mitgliedsbeitrag von zwölf Euro für Jugendliche und 42 Euro für Erwachsene enthalten ist. Die Versicherungssumme beträgt hier 1,5 Millionen Euro. Modelle bis 25 Kilogramm sind über die Police auf zugelassenen Modellfluggeländen abgesichert. Außerhalb dieser Flugplätze gilt der Schutz für Modelle bis ein Kilogramm. Für schwerere Modelle können DMV-Mitglieder gegen Aufpreis eine Zusatzversicherung abschließen.