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"Game of Thrones"-Kritik: Eine Nacht voller Blut, Tränen und Überraschungen

Das war also der Moment, auf den "Game of Thrones"-Fans jahrelang gewartet haben: Eine knapp 80-minütige Schlacht zwischen den Lebenden und den Toten. Was für ein Spektakel! Wir fassen die wichtigsten Momente zusammen - und stellen uns einige Fragen. Vorsicht, Spoiler.

Trailer: Game of Thrones Staffel 8

Achtung: Dieser Text verrät Inhalte der aktuellen achten Staffel von "Game of Thrones" und aus allen bisherigen Staffeln. Wer noch nicht alle Folgen gesehen hat und sich lieber überraschen lassen möchte, sollte hier aufhören zu lesen.

Man konnte Großes erwarten im Vorfeld der dritten Episode der finalen achten Staffel von "Game of Thrones". Brienne wurde kurz vor der Schlacht gegen die lebenden Toten zur Ritterin geadelt, Theon versöhnte sich mit den Starks und die alte Hassliebe zwischen Arya und dem Hund nahm wieder an Fahrt auf. Und dann war da natürlich ein Name, der für Extra-Hype im Vorfeld der Ausstrahlung sorgte: Miguel Sapochnik. Der britische Regisseur zeichnete sich zuvor für die von Fans gefeierten Episoden "Hartheim" und die "Schlacht der Bastarde" verantwortlich. Mit "Die lange Nacht" lieferte er nun sein Meisterstück ab. Wir besprechen die wichtigsten Momente.

Die Liebesbeziehung von Westeros' Vorzeigepärchen dürfte nach Jons Enthüllung am Ende der zweiten Episode deutlich abgekühlt sein. Doch bevor sich Jon Schnee und Drachenkönigin Daenerys mit Details aufhalten, müssen Sie erst einmal den morgen überstehen. 

Die Liebesbeziehung von Westeros' Vorzeigepärchen dürfte nach Jons Enthüllung am Ende der zweiten Episode deutlich abgekühlt sein. Doch bevor sich Jon Schnee und Drachenkönigin Daenerys mit Details aufhalten, müssen Sie erst einmal den morgen überstehen. 

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Die wichtigste Frage vorab: Überleben die Menschen?

Ja. Die Untoten werden nach viel Blut, Schweiß und auch Tränen (dazu später mehr) besiegt.

Wie lief denn nun die Schlacht?

Im Groben wie geplant, wenn auch anders als erwartet – und mit Schützenhilfe, mit der niemand gerechnet hatte. Denn gleich zu Beginn der Episode reitet die rote Priesterin Melisandre ein, die im Norden eigentlich Hausverbot hat, und stattet die dothrakischen Reiterhorden erst einmal mit brennenden Krummsäbeln aus. Der Anblick der lodernden Waffen scheint einen Extraschuss Testosteron bei den muskelbepackten Männern auszulösen, anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, warum die Reiterhorde direkt stumpf auf die Untoten zugaloppiert. Es wird ein Ritt in den Tod, den nur Jorah übersteht. Das war schonmal nichts.

Danach müssen die Unbefleckten zeigen, was sie auf dem Kasten haben. Und die belanzten Soldaten halten länger gegen die Untoten durch, als man erwartet. Doch nach 20 Minuten bleibt den Kriegern nichts weiter übrig, als sich in die Burg zurückzuziehen. Es wird ein Kampf um jeden Meter Boden, und es kommt zu einigen vorhersehbaren Szenen – Brienne rettet Jaime, der Hund rettet Arya, Theon verteidigt inbrünstig Bran. Doch auf Dauer sehen die Lebenden keinen Stich.

Was machen die Drachen?

Nachdem die Dothrakihorde einen völlig sinnlosen Tod gestorben ist, satteln Jon und Daenerys ihre Drachen und fliegen los. Sie speien ein paar Mal in das Heer der Untoten, dann verirren sie sich im Schneesturm des Nachtkönigs. Warum sie nicht einfach weiter die Zombiehorden dezimieren und warten, bis sich der Nachtkönig von selbst zeigt, wissen wohl nur die Drehbuchautoren. Da haben sie zwei der krassesten Waffen von Westeros, und wissen nichts damit anzufangen. Sehr unbefriedigend. Schließlich kommt es aber doch noch zum Drachengefecht in der Luft, zwei von drei Drachen sind am Ende flugunfähig – es folgt der Showdown gegen den Anführer der Toten.

Übersteht der Nachtkönig den Feuerangriff eines Drachen?

Die Gesichtsmuskeln des Nachtkönigs sind trotz seines fortgeschrittenen Alters noch intakt, denn die Feuerspei-Attacke von Drogon quittiert er mit einem schelmischen Grinsen. Da staunt Daenerys nicht schlecht.

Und war die Krypta wenigstens sicher?

Ganz im Ernst: Weshalb alle mit Rang und Namen ausgerechnet die Gruft als sicheres Plätzchen für ihre Lieben auserkoren haben, wenn draußen eine Armee von Zombies aufmarschiert, lässt sich nicht nachvollziehen. Denn das Wesen des Untoten ist ja bekanntlich, dass etwas ehemals Totes plötzlich wieder zum Leben erwacht – und wo findet man (abgesehen vom Innenhof in Winterfell) mehr Tote als in einer Gruft? Eben. Insofern war es nur eine Frage der Zeit, bis die alten Starks wieder aus ihren Gräbern gekrochen kamen. Immerhin bleibt uns der enthauptete Ned erspart.

Da fiel uns die Kinnlade herunter:

Als Arya sich im letzten Moment an den Weißen Wanderern vorbeischleicht (okay, wie ihr das gelungen ist, würden wir schon gerne wissen) und sie hinterrücks auf den Nachtkönig springt und sie den Dolch in sein eiskaltes Herz rammt. Oh Girl! Applaus dafür, dass eine Serie mit dieser großen Reichweite und Fan-Basis eine junge, selbstbestimmte Frau zur besten Kämpferin macht.

Bester Auftritt:

Liefert die andere kleine Frau dieser Serie. Lyanna Mormont stirbt in der Schlacht von Winterfell, nimmt zuvor aber noch den unbesiegbar wirkenden Riesen mit. Und als sie später vom Nachtkönig erweckt wird und ihre blauen Augen in die Kamera starren, nur um kurz darauf wieder zu sterben, haben wir wirklich Mitleid mit ihr. Die kleine Frau mit der großen Klappe (und dem noch größeren Herzen) wird definitiv fehlen.

Apropros fehlen:

Cersei. Sie tauchte in der dritten Episode gar nicht auf.

Schönstes Bild:

Die kämpfenden Drachen Drogon, Rhaegal und Viserion am Himmel über Winterfell. Hach, sie werden so schnell groß.

Größte Überraschung:

Dass weit weniger Fan-Lieblinge gestorben sind, als zuvor angenommen wurde. Nicht mehr dabei sind Eddison Tollet, der 999. Lordkommandant der Nachtwache, die bereits gewürdigte Lyanna Mormont, Beric Dondarrion (der Mann mit dem Flammenschwert und der Augenbinde), Theon Graufreud (hat Bran bis zum letzten Atemzug verteidigt, Kudos dafür) und der ewige Ser Friendzone Jorah Mormont (immerhin stirbt er in den Armen seiner Khaleesi).

Endlich erlöst:

Nach der Schlacht stirbt noch Melisandre, sie sucht sich ihr Schicksal aber selbst aus. Zwar waren ihre beiden Feuerangriffe im wahrsten Sinne des Wortes verpufft, doch mit ihrer Motivationsrede zum Schluss konnte sie Arya überzeugen, den Nachtkönig zu attackieren. Sie hat ihre Schuldigkeit somit getan.

Hat nicht so abgeliefert wie erhofft:

Jon. Erst irrt er durch den Schneesturm, dann verliert er sein Ponyfell auf den Schultern und schließlich seinen Drachen. Klar, er metzelt ein paar Untote nieder, bevor er dann von Stein zu Stein im Innenhof von Winterfell huscht. Als er dann allen Mut zusammen nimmt, um dem verletzten Drachen des Nachtkönigs die Stirn zu bieten, hat Arya den Job schon erledigt. Jon, ohne die Frauen an deiner Seite hättest du diesmal wenig gerissen. Das Gleiche gilt für Sam: Entweder kämpfen oder ab in die Krypta.

Was wir uns bis jetzt fragen:

Wieso Arya eigentlich plötzlich in der Bibliothek war. Und seit wann kann der Düsterwolf Geist eigentlich so schnell rennen wie ein dothrakisches Pferd im Galopp seines Lebens?

Die neue Staffel von "Game of Thrones" läuft zuerst auf Sky und Sky Ticket. Jeden Montag ab drei Uhr morgens ist die neue Folge online. Ab Dienstag können die neuen Episoden unter anderem bei Amazon Prime Video, iTunes oder im Google Play Store gekauft werden.