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Berufsunfähigkeitsversicherung im Test Der Preis macht die Musik


Gegen Berufsunfähigkeit sollte sich jeder versichern. Ein Vergleich zeigt: Einige Versicherungen verlangen für die gleiche Leistung bis zu 1000 Euro mehr im Jahr als die günstigsten Anbieter.
Von Peter Neitzsch

Wer kein Vermögen hat, ist auf die Berufsunfähigkeitsversicherung angewiesen. Sie kann vor dem finanziellen Absturz bewahren, wenn der Beruf aufgeben werden muss. Doch die Preise für den Berufsunfähigkeitsschutz variieren stark. Das zeigt ein Vergleich von 52 Versicherern der Zeitschrift "Finanztest". Selbst bei sehr ähnlicher Qualität sind die Preisunterschiede riesig.

Sowohl unter den besten als auch unter den günstigsten 52 Tarifen gibt es "Finanztest" zufolge Preisunterschiede von bis zu 1000 Euro pro Jahr. Eine Diplomkauffrau zahle für einen Vertrag mit 2000 Euro Monatsrente bis zum Alter von 67 Jahren zwischen 870 bei der WWK und 2282 Euro bei Inter pro Jahr, die beide mit "gut" bewertet wurden. Einen Altenpfleger koste eine Rente von 1000 Euro bei einer Laufzeit bis zum 65. Lebensjahr zwischen 645 (bei Mamax) und 1742 Euro jährlich (bei der SV Sachsen).

Die beiden Modellkunden in der Finanztest-Rechnung sind bei Vertragsbeginn jeweils 30 Jahre alt. Wer erst mit 40 einsteigt, zahlt - auch wenn er noch fit ist - bis zu 40 Prozent mehr. Das beste Angebot für die Modellkunden hatte die AachenMünchener. Neun weitere Verträge wurde von den Testern ebenfalls mit "sehr gut" bewertet - besonders preisgünstig darunter die Tarife von Huk24 und Huk-Coburg. Selbst die Versicherung mit dem niedrigsten Qualitätsurteil, die Interrisk, erhielt noch die Note 2,2. Alle Testergebnisse sind auch Online gegen eine Gebühr abrufbar.

Risiko-Berufsgruppen werden gar nicht erst versichert

Doch längst nicht jeder, der sich versichern will, erhält den gewünschten Vertrag: Wer Vorerkrankungen hat oder einem Beruf mit erhöhtem oder hohem Risiko nachgeht, etwa Kfz-Mechaniker oder Krankengymnastin, zahle mehr für den Versicherungsschutz. Berufsgruppen mit harter körperlicher Arbeit, wie Gerüstbauer oder Dachdecker, hätten es schwer, überhaupt eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung zu finden. "Menschen mit Risikoberufen müssen extrem viel zahlen oder bekommen keinen Schutz", bestätigt Martin Mathes von der IG Bau gegenüber "Finanztest". Da die gesetzliche Erwerbsminderungsrente zu niedrig sei, bliebe vielen dann nur Hartz IV.

Die Finanztest-Experten raten dazu, gleichzeitig bei mehreren Anbietern anzufragen. Schon eine Ablehnung könne dazu führen, woanders viel schwerer einen guten Vertrag zu bekommen, weil man dann als Risiko-Kunde gespeichert sei. Fast immer seien Vorerkrankungen der Grund, warum einzelne Krankheiten vom Vertrag ausgeschlossen wurden, Kunden Zuschläge zahlen mussten oder abgewiesen wurden. Helfen könne oft schon ein ärztlicher Bericht, der klarstellt, dass eine frühere Erkrankung inzwischen vollständig abgeklungen ist.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät ebenfalls dazu "das Kleingedruckte im Vertrag" zu lesen: "Anders als bei vielen anderen Versicherungsarten ist ein guter oder schlechter Versicherungsschutz bei Berufsunfähigkeit nicht primär eine Frage des Preises." Viel mehr komme es darauf an, ob sich der Versicherer "im Ernstfall kundenfreundlich zeigt". Auch bei den Verbraucherzentralen kann man sich über eine geeignete Berufsunfähigkeitsversicherung informieren.

Falsche Angaben machen die Versicherung wertlos

Beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung müssen etliche Fragen zum Gesundheitszustand beantwortet werden. Werden hier Fehler gemacht, verweigern laut "Finanztest" Versicherer oft die Rente. Antragsteller sollten daher nicht versuchen, ihre Chancen auf einen Vertrag zu verbessern, indem sie Gesundheitsprobleme verschweigen oder kleinreden. Sonst nutzt die Police im Ernstfall möglicherweise gar nichts.

Die "abstrakte Verweisung" - früher ein Hauptmangel - sei in den Spitzentarifen kein Thema mehr. Die Versicherer dürfen die Rente also nicht mit dem Hinweis verweigern, der Kunde könne in einem anderen, gleichwertigen Beruf trotz Krankheit arbeiten - egal, ob er eine Stelle findet oder nicht.

Unterschiede in der Qualität zeigten sich vor allem bei den Gesundheitsfragen in den Anträgen und bei der Nachversicherungsgarantie. Die Gesundheitsfragen der Versicherer unterscheiden sich darin, wie verständlich sie sind und wie gut sie sich beantworten lassen. Die Nachversicherungsgarantie erlaubt Kunden, ihre Rente später ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Manche Versicherer sind hier großzügiger als andere. Lässt sich die Rente durch die bestehende Versicherung nicht erhöhen, kann sie auch mit einem zusätzlichen Vertrag aufgestockt werden.

Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung können Sie mit der "Finanztest"-Checkliste auch selbst prüfen

Zu den Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den privaten Berufsunfähigkeitsschutz auf stern.de

Von Peter Neitzsch

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