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"Jade Empire": Leckeres aus dem Spiele-Wok

Zweieinhalb Jahre nach dem Xbox-Release erscheint das Asia-Abenteuer "Jade Empire" nun auch für den PC. Glücklichweise hat Bioware die Zeit nicht völlig unnütz verstreichen lassen.

Mehr Monster, mehr Kampfstile, mehr Waffen, mehr Drumherum - Entwickler Bioware hat die zweieinhalb Jahre Wartezeit nicht völlig unnütz verstreichen lassen und präsentiert die Special-Edition von "Jade Empire" in einer schmucken Steelbox nebst dicker Extra-Feature-Liste. Auch die 3D-Grafik und die Steuerung wurden gehörig überarbeitet und aktuellen PC-Verhältnissen angpasst, das eigentliche Spielprinzip blieb jedoch unangetastet.

Die Geschichte

Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein Martial-Arts-Musterschüler, der sein brennendes Dojo hinter sich lässt, um das Geheimnis seiner Herkunft zu lüften und - das wird recht bald klar - die Welt zu retten. Denn die ist im Wandel: Die Seelen der Toten können nicht mehr hinab in die Unterwelt fahren. Die Folge: Die Geister drehen durch und attackieren die Lebenden. Verantwortlich für all das scheinen der Kaiser und dessen tödliche rechte Hand zu sein. Doch die Geschichte wartet mit mehr als nur einer überraschenden Wendung auf.

Jade Empire: Special Edition

Hersteller/Vertrieb

BioWare/Microsoft

Genre

Rollenspiel

Plattform

XBox, PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 16

Freie Charakterwahl gibt's im fantastisch anmutenden China nicht: Stattdessen stehen sieben vorgefertigte Helden zur Auswahl. Sämtliche Figuren lassen sich in die Kategorien "schnell, aber schwach", "stark, aber doof", "Magie-begabt, aber standhaft wie ein Blatt im Wind" oder "Allround-Talent" einordnen. Rasch sind die Anfangswerte für Gesundheit, Chi und Fokus (ermöglicht einen Zeitlupeneffekt und den Einsatz von Schwertern und Stäben) sowie ein Name und der bevorzugte Kampfstil festgelegt. Keine Bange: Später dürfen auch sämtliche andere Techniken erlernt werden, die auf so blumige Titel wie "Göttliche Welle", "Sturmdrache" und "Tausend Schnitte" getauft wurden.

Das Kampfsystem

Was hier nach fiesen Kung-Fu-Filmen klingt, ist in Wahrheit die Grundlage eines recht einfach handzuhabendes Echtzeit-Kampfsystems. Die unterschiedlichen Stile warten mit nur wenigen Manövern auf, was die Duelle mit des Kaisers neuen Schergen, Untoten, Assassinen und allerlei garstigem Dämonenvieh zu einer nicht allzu tiefgründigen Knöpfendrücker-Orgie werden lässt. Ein weiterer Schock für Rollenspieler: Ein Inventar gibt's nicht wirklich - allenfalls ein magisches Medaillon, das mit Edelsteinen aufgewertet werden darf. Die Klunker heben die Attribute des Helden - genau wie gewisse "Lehren", die man gegen bare Münze studieren kann.

Es wird viel gekämpft in "Jade Empire" - und noch mehr geredet. Doch die ellenlangen, vollständig synchronisierten Dialoge mit den eigenen Gefährten und unzähligen NPCs zählen zu den Stärken des Games. Wie beim großen Vorbild "Star Wars: Knights of the Old Republic" darf sich der Spieler entscheiden, ob er als großherziger Gutmensch, manipulierender Zeitgenosse oder brutaler Finsterling auftreten will. Daran orientiert sich der weitere Verlauf der Story, die von kleineren Nebenaufgaben aufgewertet wird. So dürfen sich Weltenretter beispielsweise auch als Kuppler versuchen - oder als Piloten. Immer wieder müssen archaische Ballersequenzen beim Wechsel der Locations bewältigt werden.

Die Macken

"Jade Empire" hat allerdings auch seine Schattenseiten. Zu kurz ist das Vergnügen (20 Stunden), zu linear der Ablauf der sieben Kapitel - trotz der Möglichkeit, sich zwischen dem "Pfad der geschlossenen Faust" (das Pendant zur dunklen Seite der Macht) oder für den "Weg der offenen Hand" zu entscheiden. Hinzu kommt eine Flut an fernöstlichen Glückskeks-Weisheiten, die das Ying und Yang geneigter Zocker irgendwann aus dem Gleichgewicht bringen.

Dafür war und ist Biowares Asia-Trip - und das sollte ebenfalls betont werden - das wohl einsteigerfreundlichste Rollenspiel in Biowares Firmengeschichte. Hier wird die breite Masse angesprochen, die auch alten Jackie-Chan-Filmen und modernen Eastern wie "Crouching Tiger, Hidden Dragon" oder "House of the Flying Daggers" etwas abgewinnen kann.

Bernd Fetsch/Teleschau / TELESCHAU
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