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"Kane & Lynch: Dead Men": Natural Born Gangsters

"Kane & Lynch" ist vieles: zynisch, brutal, ein fortwährendes Filmzitat - aber auch gut?

Kane und Lynch sind ein Gangsterpärchen, gegen das Seth und Richard Gecko aus dem Robert-Rodriguez-Streifen "From Dusk Till Dawn" wie Chorknaben wirken. Der eine ist ein Todeskandidat auf dem Weg zur Hinrichtung, der andere ein schizophrener Psychopath, der von Kanes ehemaliger Söldnerkompanie The7 als Aufpasser engagiert wurde. Die Verbrecher wollen von Kane einen Haufen Geld zurück - andernfalls müssen seine Frau und Tochter dafür büßen. Allenfalls Andeutungen und Gesprächsfetzen deuten auf die Hintergründe hin, die meiste Zeit über fühlt man sich jedoch wie im Film "Ronin", in dem ständig einem silbernen Koffer hinterhergejagt wird, ohne dass der Zuschauer jemals erfährt, was sich darin befindet.

Die unterschiedlichen, weil von gewissen Entscheidungen abhängigen Enden von "Kane & Lynch" sind - das darf verraten werden - ähnlich abrupt und unbefriedigend. Die Stunden zwischen der Befreiung aus dem Gefängnistransporter und dem Finale im kolumbianischen Dschungel könnten allerdings kaum drastischer und dramatischer in Szene gesetzt sein. Das temporeiche Spiel ist in rund 16 Abschnitte unterteilt, die sich nicht selten an bekannten Hollywood-Vorlagen wie "Heat" oder "Collateral" orientieren. Banküberfälle, Verfolgungsjagden, Schießereien im Nachtclub und Geiselnahmen sind das Tagesgeschäft dieses seltsamen Duos, das zwar auf kranke Weise charismatisch, aber keineswegs sympathisch ist. Stattdessen bahnen sich die beiden in bester Tarantino-Manier ihren Weg durch Verbrecher, Cops und Unschuldige. Und das - moralisch höchst bedenklich - ohne Skrupel und Folgen ...

Nicht minder direkt - man könnte auch einfallslos sagen - ist das Gameplay von "Kane & Lynch" aufgebaut. Nach starkem Einstieg verflachen die derben Ballereien zusehends. Anweisungen, die an bis zu drei vom Computer gesteuerten Kollegen gegeben werden können, bringen eine Spur Taktik ins Geschehen, wenngleich die Künstliche Intelligenz ihren Namen nicht immer verdient. Die Gegner suchen zwar Deckung hinter zerdepperbaren Säulen, Wänden oder Autos, ballern teilweise aber nichtsdestotrotz lieber auf die weit entfernten Gangster-Kollegen statt auf den sich unmittelbar vor oder hinter ihnen befindlichen Kane.

Trotz dieser Macken ist "Kane & Lynch" knackig geraten. Schon auf dem mittleren der drei Schwierigkeitsgrade heißt es regelmäßig "Game Over". Zudem hat IO die Kontrollpunkte teils unfair gesetzt. Innerhalb eines Kapitels kann auch nicht frei zwischengespeichert werden, was zur Folge hat, dass bereits erreichte Ziele noch einmal erfüllt werden müssen.

Das einzig Softe an "Kane & Lynch" ist wohl die Grafik, die auf Weichzeichner- und Motion-Blur-Effekte setzt, ansonsten aber recht unspektakulär ausgefallen ist. Ganz im Gegensatz zur Sound- und Musikuntermalung. Die donnert in klarstem 6.1 aus den Boxen, hinzu kommen die hervorragenden Synchronsprecher. Schade nur, dass die Stimmen von Kane und Lynch nur schwer auseinanderzuhalten sind.

Kane & Lynch: Dead Men

Hersteller/Vertrieb

IO Interactive/Eidos

Genre

Action

Plattform

PC, PlayStation3, Xbox 360

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

"Kane & Lynch" ist vieles: zynisch, brutal, blutig, ein fortwährendes Filmzitat - aber deshalb noch lange kein überragendes Actionspiel. Respekt muss man den Entwicklern jedoch für den Koop- und den geradezu genialen Multiplayer-Modus zollen. Letzterer ist eine Art Räuber- und Gendarm-Spiel, bei dem vier bis acht Spieler erst eine Bank oder ein Juwelier überfallen - und sich dann gegenseitig die Beute streitig machen.

Jens-Ekkehard Bernerth/Teleschau / TELESCHAU
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