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Glosse: Office 2003: 19 Lizenzen pro Arbeitsplatz

Wenn das keine Sensation ist: Microsoft läutet mit der nagelneuen Office-Generation die Trendwende ein. Fortan werden die Produkte des Software-Giganten nicht mehr mit immer neuen Funktionen vollgepfropft, sondern besser, sicherer und integrativer.

Wenn das keine Sensation ist: Microsoft läutet mit der nagelneuen Office-Generation die Trendwende ein. Fortan werden die Produkte des Software-Giganten nicht mehr mit immer neuen Funktionen vollgepfropft, sondern besser, sicherer und integrativer.

Nichts, was bisher nicht auch versprochen worden wäre. Aber wenigstens muss sich jetzt niemand mehr durch lange Listen neuer Features lesen. Denn, so der deutsche Microsoft-Chef Jürgen Gallmann beim offiziellen Launch im Wiesbadener Kurhaus, die meisten Anwender nutzen ohnehin nur 20 Prozent der Features.

"Mission Impossible" im mittelständischen Betrieb

Doch so ganz mochten sich die Entwickler nicht an die neue Direktive halten. Und so gibt es selbstverständlich auch in Microsoft Office System, wie das Kind offiziell heißt, manch Neues. Ein ausgeklügeltes Rechtemanagement beispielsweise, das "Group Vice President, Woldwide Sales, Marketing and Services Group" Kevin Johnson erläuterte: So könne man beispielsweise E-Mails verschicken mit der Maßgabe, dass die Empfänger sie nicht weiter leiten können. Ein Hauch von "Mission Impossible" im mittelständischen Unternehmen, das wird die Produktivität explosionsartig nach oben treiben. Soll es tatsächlich, das Paket insgesamt nämlich. Denn unabhängige Studien hätten ergeben, dass im Mittel pro "Information Worker" pro Woche zwei volle Stunden eingespart würden. Bei einer 38-Stunden-Woche braucht es also 19 Microsoft-Lizenzen, um einen vollen Arbeitsplatz abzubauen. Weil Lizenzen keinen Urlaub machen und nicht krank werden, eigentlich noch weniger.

Einsparungspotenzial, allüberall

Damit nicht genug, ließen sich beim Umstieg auf den neuen E-Mail-Server Exchange 2003 bis zu 50 Prozent der Betriebskosten einsparen. Mit dem Gesparten könnte man ja beispielsweise einen Fitness-Trainer engagieren, der die Information Worker zwei Stunden pro Woche auf Trab bringt. Da hätte dann auch die Volksgesundheit was vom Upgrade - und die Gewerkschaften ein deinstalliertes Feindbild.

"Innovation is not dead"

Wie viele Lizenzen in welchem Zeitraum abgesetzt werden sollen, darauf wollten sich die Microsoft-Bosse nicht festlegen. Aber die Aussichten auf einen kommerziellen Erfolg sind gar nicht so schlecht. Denn einerseits gibt es laut Vice-President Johnson weltweit 400 Millionen Office-Benutzer, andererseits haben sehr viele Unternehmen in der IT-Delle der vergangenen Jahre an alten Versionen festgehalten - es könnte also ein Investitionsstaudamm brechen und Manna über Redmond regnen lassen. Das wäre dann der Beleg für das Credo des Vice-Presidents, der den Fortgang des immerwährenden Wachstums beschwört. Ja beschwören muss: "Innovation is not dead!"

Und Bill grüßt über den großen Teich

Um diesen Eindruck aller Welt zu vermitteln, hat Microsoft groß ausgeholt: Auf über 30 Launch-Events in den Kernmärkten der IT-Welt wurde so oder ähnlich wie in Wiesbaden die neue Produktreihe der Öffentlichkeit vorgestellt, in Vorträgen, Workshops, Partnerausstellungen und Häppchen. Der Höhepunkt dann die Live-Schalte über den großen Teich, zum großen Bill Gates, der von der Zentralkundgebung in New York alle Welt an seiner Freude über das neue Super-Office teilhaben lässt. Ach ja: Am Tag davor gab es auf der Münchner IT-Messe Systems eine Art Pre-Launch zum gleichen Thema. Allerdings ohne Bill.

Guido Augustin