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Wettbewerb: Microsoft: Warnung aus Brüssel

Der Ton wird schärfer: Die EU-Kommission wirft Microsoft immer noch vor, seine marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen. Der Software-Konzern erhält eine letzte Gelegenheit zur Stellungnahme.

Die EU-Kommission hat dem Software-Konzern Microsoft erneut vorgeworfen, seine marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen. Am Mittwoch gab die Kommission dem Unternehmen eine letzte Gelegenheit, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen, ehe sie zu rechtlichen Maßnahmen greift. Äußern soll sich Microsoft zu einer Liste von Beschwerden und Forderungen, die im Laufe von vier Jahren zusammengetragen wurden. In diesen Forderungen, die sich auf das Betriebssystem Windows beziehen, sieht sich die Kommission durch eine Marktuntersuchung bestätigt.

Wettbewerbsverletzungen

Die Marktuntersuchung habe den Verdacht erhärtet, dass Microsoft "seine überwältigende beherrschende Stellung im Bereich der PC auf die einfachen Server ausweitet", heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung. Server sind Rechner, die mehrere PCs mit einander vernetzen. Da fast alle PCs mit dem Betriebssystem Windows ausgerüstet sind, sind die Unternehmen nach den Erkenntnissen der Kommission praktisch dazu gezwungen, auch für ihre Server Microsoft-Produkte zu kaufen. Denn konkurrierende Software-Produkte sind mit Windows häufig nicht kompatibel. Nach Ansicht der Kommission muss Microsoft seinen Wettbewerbern die Codes mitteilen, die sie bräuchten, um mit Windows kompatible Systeme zu entwickeln.

Kritik am Media Player

Ein weiterer Beschwerdepunkt betrifft den Windows Media Player, eine Anwendung zum Abspielen von Musik und Videos, die in das Betriebssystem Windows integriert ist. Diese Verknüpfung führe zu Wettbewerbsnachteilen für andere audiovisuelle Softwareprodukte wie Apple Quicktime und Real Networks, schreibt die Kommission. Dies habe eine Umfrage bei Musik- und Filmproduzenten sowie Softwareentwicklern ergeben. Die Entscheidung, welche Technologie sie zur Verbreitung ihrer Inhalte im Internet benutzten, werde durch die Verknüpfung des Windows Media Player mit dem allgegenwärtigen Betriebssystem Windows beeinflusst. Dadurch werde der Leistungswettbewerb geschwächt, die Produktionsinnovation behindert und schließlich die Wahlmöglichkeit der Verbraucher eingeschränkt, erklärt die Kommission weiter.

EU gibt letzten Warnschuss ab

Die EU-Exekutive schlägt Microsoft zwei Gegenmaßnahmen vor: Die Firma müsste entweder eine Windows-Version ohne Media Player anbieten, oder neben dem Media Player auch die Software der Wettbewerber in sein Betriebssystem integrieren. "Wir sind entschlossen zu gewährleisten, dass das endgültige Ergebnis der Innovation und den Verbrauchern gleichermaßen dient", sagte EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti.

Microsoft nimmt Bedenken "sehr ernst"

Eine Microsoft-Sprecherin bezeichnete die Kritik der EU als bedauerlich. "Wir werden selbstverständlich auf die geäußerten Bedenken antworten und unsere Bemühungen um eine Lösung fortsetzen", sagte Sprecherin Tiffany Steckler in Paris. "Wir nehmen das sehr ernst." Angaben darüber, ob Microsoft auf die Forderungen aus Brüssel eingehen wird, wollte sich nicht machen.

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