Windows XP Service Pack 2 Mit Sicherheit Unsicherheit


Im kommenden Monat veröffentlicht Microsoft das lang erwartete Service Pack 2 für Windows XP. Andere Software-Hersteller sind in Sorge, dass ihre Produkte nach dem Update nicht mehr einwandfrei funktionieren könnten.

Als Vizepräsident des Sicherheitsunternehmens Symantec kann Matthew Moynahan die Bemühungen von Microsoft, das Betriebssystem Windows XP vor Angriffen zu schützen, nur begrüßen. Weit weniger gefällt ihm der Gedanke an die zahllosen Anrufe, die den Kundendienst seines Unternehmens nach dem für nächsten Monat erwarteten Windows-Upgrade beschäftigen werden.

Die Anti-Viren-Software Norton von Symantec läuft immerhin auf rund 100 Millionen Rechnen weltweit. Und damit Norton und das neue Microsoft-System gut harmonieren, ist auch ein Norton-Upgrade fällig. Schon jetzt werden deshalb Pläne zum Ausbau des telefonischen Kundendienstes ausgearbeitet. "Wir wollen nicht, dass die Kunden in Panik geraten", sagt Moynahan.

Er ist nicht der einzige. Mit dem größten Sicherheits-Update für Windows, das es je gab, dem so genannten Service Pack 2 (SP2), versucht Microsoft die Balance zwischen dringend notwendigen Sicherheitsverbesserungen und dem reibungslosen Ablauf der Programme zu finden. So beschweren sich Firmen, dass Programme danach nur noch mit einem Upgrade laufen, gleichzeitig fordern Sicherheitsexperten von Microsoft weitere Änderungen.

Aufrütteln durch Fehlfunktionen

"Ich hoffe, dass noch mehr Dinge kaputt gehen, als ohnehin schon kaputt sind", sagt Russ Cooper vom Sicherheitsunternehmen TruSecure. Für ihn ist SP2 ein "dringend notwendiger Weckruf" in einer immer rauer werdenden Internet-Welt. "Die Programme, die mit der Installation von SP2 kaputt gehen, haben aus der Sicherheitsperspektive schon vorher falsch gearbeitet", sagt auch John Pescatore vom Marktforschungsunternehmen Gartner.

SP2 ist eine Antwort auf die zahllosen Angriffe der letzten Zeit, bei denen Windows-Sicherheitslücken unter anderem zur Verbreitung von Viren und zum Diebstahl persönlicher Informationen genutzt wurden. Vielen Firmen, die sich bemühen, ihre Programme an SP2 anzupassen, bereiten die Änderungen echte Kopfschmerzen. "Die Änderungen, die Microsoft mit SP2 vorschlägt, werden ernste negative Auswirkungen für die Konsumenten", sagt Erika Shaffer, Sprecherin von RealNetworks, dem Microsoft-Konkurrenten bei Musik- und Video-Software.

Verbessert wird mit SP2 vor allem die Sicherheit des Windows-Browsers Internet Explorer und des Mail-Programms Outlook Express. Die Windows-Firewall, die unbefugte Zugriffe auf dem Rechner vom Internet her abwehren soll, wird jetzt in den Voreinstellung angeschaltet. Die neuen Vorkehrungen können aber Programme wie Online-Spiele stark beeinträchtigen, die auf Interaktion im Internet angewiesen sind. Wie stark die Auswirkungen tatsächlich sein werden, ist derzeit aber nur schwer abzusehen.

Wie viele Programme werden nicht mehr funktionieren?

Die Veröffentlichung des SP2 hat sich unter anderem auch deshalb immer wieder verzögert, weil sich Microsoft bemühte, die Kompatibilität zu verbessern. "Die große Mehrheit der Programme" sollte normal funktionieren, sagt Microsoft-Manager Barry Goffe. Auch die Experten von Gartner sind in dieser Hinsicht zuversichtlich. Vermutlich nur drei Prozent der Programme würden nach der Installation von SP2 Probleme bereiten.

Größere Schwierigkeiten könnten aber Firmen haben, die mit selbstentwickelten oder modifizierten Programmen arbeiteten, sagt Goffe. Da es könne es Monate dauern, bis sie angepasst seien. Aber hier könne SP2 auch in einer abgespeckten Version installiert werden.

Auf die Formulierung kommt es an

Eine der größten Änderungen für die Nutzer dürften nach SP2 die zahlreichen Sicherheitshinweise sein, die darauf aufmerksam machen, welche Programme gerade auf den Rechner zugreifen wollten. Bei Macromedia, dessen Flash-Technik nur geringe Anpassungen erforderte, was man trotzdem besorgt. Dies betraf die Sprache der neuen Microsoft-Warnungen, die selbst bei legitimen Handlungen der Eindruck erweckte, dass dies möglicherweise falsch oder gefährlich sei. Bei Microsoft habe man auf die Einwände mit Verständnis reagiert, sagt Macromedia-Vertreter David Mendels.

Das Service Pack 2 für Windows XP soll ab August kostenlos von der Microsoft-Website heruntergeladen werden können. Microsoft schlägt dazu vor, die Funktion Automatic Update in der Systemsteuerung zu nutzen. Man kann es sich aber auch als CD-ROM zuschicken lassen.

Allison Linn/AP AP DPA

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