Apple-Mitarbeiter vergisst Gerät Kommt ein iPhone-Prototyp in die Bar ...


Ob das seinem Chef Steve Jobs gefällt? Ein Apple-Mitarbeiter testet das neue, noch geheime iPhone der vierten Generation und vergisst das Gerät in einer Bar. Tech-Blogs spüren es auf. Apple fordert das Gerät zurück. Und Jobs' Mitarbeiter wird zum Web-Star.

Ob Apple-Entwickler Gray Powell noch einmal das "Gourmet Haus Staudt" besuchen wird? Die Erinnerungen an die Bar in der kalifornischen Ortschaft Redwood City bei San Jose dürften jedenfalls nicht die besten sein - falls bei Powell überhaupt noch allzu viel haften blieb von dem Abend, als er im "Haus Staudt" Apples neueste Entwicklung liegen ließ: das iPhone der vierten Generation, das bislang geheim gehalten wurde. Ein anderer Gast fand das Gerät - und schwupps geriet es in die Hände derer, die sich besonders gierig auf neue Gadgets stürzen: die Tech-Blogs. In diesem Fall veröffentlichten gizmodo.com und engadget.com Fotos des neuen Geräts und stellten neue Funktionen vor.

Den Bloggern zufolge hat das für Juni erwartete iPhone der vierten Generation ein klareres Display, eine längere Batterielaufzeit und eine zusätzliche Kamera für Videokonferenzen. Das Gerät ist ähnlich geformt wie die Vorgängermodelle, aber etwas schlanker. Das Testgerät zeigt nicht an, über welche Speicherkapazität es verfügt - stattdessen steht auf der Rückseite als Platzhalter der Vermerk: "XXGB".

Apple hat bisher keine öffentliche Stellungnahme zu dem Fall abgegeben. Insider berichten, dass firmenintern der Prototyp als "gestohlen" angesehen wird. Der Besitzer von Gizmodo, Gawker Media, hat laut "New York Times" zugegeben, für das Fundstück 5000 US-Dollar an den angeblichen Finder - nicht den Apple-Mitarbeiter - bezahlt zu haben. Ob dieser Vorgang illegal gewesen sein könnte, wird zurzeit in einigen US-Blogs diskutiert. Laut kalifornischem Gesetz (§ 2080) ist jeder verpflichtet zu versuchen, den Besitzer zu informieren und das Fundstück zurückzugeben. Verkauft man ein gefundenes Gut weiter, werde es kompliziert, schreibt Charles Arthur auf guardian.co.uk. Der Gadget-Blog könne sich des Ankaufs eines gestohlenen Guts schuldig gemacht haben

Gizmodo hat inzwischen offensichtlich einen Brief von Apples Chefjuristen erhalten, in dem das Unternehmen um die Rückgabe des Geräts bittet. Die Gadget-Blogger betrachten das Schreiben als einen weiteren entscheidender Hinweis, dass sie tatsächlich das nächste iPhone vor sich liegen haben. Gizmodo wird den angeblichen Prototyp zurückgeben, heißt es in dem Blog weiter. Gerüchten zufolge gab es außerdem ein Telefonat zwischen Apple-Chef Steve Jobs und dem Gizmodo-Chefredakteur.

So gibt es weniger Zweifel daran, ob das Gerät, das die Technik-Blogger gesehen haben, tatsächlich das iPhone 4G sein könnte. Doch ob die Geschichte mit dem vergesslichen Mitarbeiter in einer Bar wirklich die ganze Wahrheit ist, darüber wird viel diskutiert. Vielleicht handelt es sich um eine geschickte PR-Maßnahme von Apple? Oder um eine Art Marktforschung? Die IT-Nachrichtenseite Cnet spekuliert, dass Apple auf diesem Weg Reaktionen der Fans auf die neuen iPhone-Features einholen könnte. Denn wenn Apple mit einer Veröffentlichung wirklich nicht einverstanden sei, so Cnet weiter, hagele es sofort Unterlassungserklärungen. Das ist in diesem Fall bisher nicht geschehen. Die "New York Times" hingegen zitiert den Silicon-Valley-Experten Paul Saffo, der aufgrund der traditionellen Geheimniskrämerei bei Apple einen PR-Coup dieser Art für sehr unwahrscheinlich hält.

Verlierer wird im Netz ein Star

Gray Powell jedenfalls ist innerhalb von Stunden zum Star geworden. Auf Facebook gibt es drei öffentliche Seiten unter seinem Namen (unter anderen "Drunk Gray Powell"), auf denen reichlich gekalauert wird. So fragt der angebliche Gray Powell, ob Microsoft eigentlich neue Leute brauche. Hätte Gizmodo doch wenigstens ihm 10.000 Dollar für den Fund gezahlt und nicht irgendeinem "glücklichen Betrunkenen". Der vermeintliche Gray Powell hat binnen sechs Stunden mehr als 1000 Fans gewonnen. Sogar ein T-Shirt gibt es in einem Webshop zu kaufen. Der Aufdruck lautet: "Ich ging trinken mit Gray Powell, und alles was ich dafür bekam, war ein lausiger iPhone-Prototyp".

APN/san APN

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