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Nutzerkritik Ist das iPhone 4 auf dem linken Ohr taub?


Viele Tests und Besprechungen waren sich einig: Das iPhone 4 ist ein ausgezeichnetes Smartphone. Doch nach dem Verkaufsstart berichten Linkshänder von Empfangsstörungen. Und Datenschützer sind auch sauer auf Apple.

Apples neues iPhone 4 hat einen Tag nach dem Marktstart für Aufregung unter den ersten Nutzern wegen angeblicher Fehler des Geräts gesorgt. In zahlreichen Foren wie MacRumors.com und Blogs wie Gizmodo im Netz beklagen sich einige Anwender darüber, dass bei bestimmten Gelegenheiten der Empfang gestört oder sogar unterbrochen wird.

Berichten der neuen Besitzer zufolge soll zum Beispiel die Empfangsleistung des iPhone 4 deutlich zurückgehen oder abbrechen, wenn man es in der linken Hand hält, den Handballen an der linken unteren Ecke. Die Antenne hat Apple bei dem neuen Gerät in der metallenen Seitenwand des Gehäuses untergebracht. Auf Youtube gibt es inzwischen viele Videos, die zeigen, wie sich die Signalstärke-Anzeige verändert, wenn man bestimmte Stellen des Rahmens berührt.

Die Lösung: anders anfassen

Die beschriebenen Effekte gehörten schlicht zu den "Gegebenheit des Lebens bei jedem Mobiltelefon", erklärte Apple in einer Stellungnahme. Der Effekt stelle sich bei jedem Handy ein, wenn man es an genau den Stellen zuhält, an denen die Antenne untergebracht ist. Das stimmt. Nur: Was ist, wenn die Antenne genau dort angebracht wurde, wo bestimmte Nutzer - in diesem Fall Linkshänder - das Gerät anfassen? Apple rät jedenfalls, beim Telefonieren nicht die untere Gehäusehälfte mit der Hand abzudecken oder im Zweifel einfach eine Schutzhülle zu nutzen - die Apple für 29 US-Dollar selbst anbietet.

Kritik an Datenschutzänderungen

Apple steht aber noch von anderer Seite unter Beschuss. Noch Anfang Juni hatte Apple-Boss Steve Jobs auf der D8-Konferenz verkündet, wie wichtig ihm und seinem Unternehmen der Schutz von Nutzerdaten sei. "Lass sie [die Nutzer, d. Red] genau wissen, was Du mit ihren Daten tun wirst." Und nun das: Apple hat - zeitgleich mit dem Erscheinen der neuen Betriebssystemsversion iOS 4 - die Datenschutzbestimmungen für iPhone, iPad und andere Apple-Produkte aktualisiert. Im Abschnitt "ortsbezogene Dienste" ("location-based services") behält sich Apple das Recht vor, sämtliche die Orts- und Bewegungsdaten der Computer- und Handynutzer zu erfassen, abzuspeichern und anonymisiert zu verwenden. Das ist an sich nicht ungewöhnlich. Durch die in vielen Geräten eingebauten GPS-Empfänger haben, ist eine genaue Nutzerlokalisierung möglich. Angebote, die Informationen über die Umgebung des Nutzers liefern (zum Beispiel Restaurantführer oder Navigationssoftware), sind auf die GPS-Daten angewiesen, um überhaupt funktionieren zu können.

Alles viel zu schwammig

Was die Datenschützer auf den Plan ruft, ist die Tatsache, dass unklar ist, was genau Apple mit den Daten vorhat, wie lange sie gespeichert werden und mit wem die Informationen geteilt werden. Und wie man der Nutzung der ortsbezogenen Dienste widerspricht, ist zu kompliziert und unklar, lautet eine weitere Kritik. Zwar sagt Apple, dass die Daten anonymisiert werden. Allerdings ist bekannt, dass man auch aus anonymisierten Daten Bewegungsmuster und mit der Zeit Persönlichkeitsprofile erstellen kann, anhand derer sich auch einzelne Personen identifizieren lassen.

Mit seiner Sammelleidenschaft ist Apple allerdings nicht alleine: Auch Google hält sich in seinen Datenschutzbestimmungen die Möglichkeit der Sammlung der Geodaten von Handys mit dem Android-Betriebssystem offen. Jobs' Versprechen, den User genau zu informieren, was mit seinen Daten geschieht, wird auf diese Weise aber nicht gehalten.

san/DPA DPA

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